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Fantasy (diverse)



Eoin Colfer

Artemis Fowl:
Der Atlantis- Komplex

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Der Atlantis Komplex“ liegt nach einer zweijährigen Pause der inzwischen siebente und wie es momentan ausschaut vorletzte Roman um den kleinen Erzschurken mit dem Engelsgesicht Artemis Fowl aus der Feder des irischen Schriftstellers Eoin Colfer vor. Diese Pause scheint ihm gut getan zu haben, da insbesondere die letzten Werke „Die verlorene Kolonie“ und „Das Zeit- Paradox“ extreme qualitative Schwankungen aufwiesen. Um neue Leser an die Serie heranzuführen, fasst Colfer die wichtigsten Ereignisse der vorangegangenen sechs Romane kurz pointiert zusammen, um dann sein Publikum mit einem scheinbar zum wiederholten Male form gewandelten Artemis Fowl zu überraschen.
Dieser lädt seine Freunde – die Elfen und Führung Hollys – in eisige Regionen ein, um ihnen ein Projekt vorzustellen, das nicht nur dem Wohle der ganzen Menschheit im Zuge einer stetig sich abbauenden Ozonschicht dienen soll, sondern in das Artemis Fowl sein ganzes Holly bekanntes Vermögen investieren möchte. Mit diesem glänzenden Schachzug, der Fowl am Ende natürlich auch wieder Profite bescheren kann und soll, will Fowl seine Freunde die Elfen überzeugen, ebenfalls unter seiner Führung aus den geheimen Goldkammern zu investieren.
Holly fällt wahrscheinlich noch stärker als dem anfänglich einen gemütlichen Plotaufbau erwartenden Leser auf, dass Artemis Fowl ausgesprochen gewählt spricht und in seinen Sätzen die Zahl fünf – insbesondere bei der Anzahl der Wörter – zu vermeiden sucht. Sie vermutet, dass ihr junger Freund am Atlantis Komplex erkrankt ist; einer Art Zahlenkrankheit, welche schließlich in ihrer Komplexität das Denken der betroffenen Menschen gänzlich lähmt. Kaum will sie in dieser Richtung weiter forschen, stürzt in ihrer Nähe ein bislang unbekanntes Flugobjekt ab. Der Schock hat einen den Charakter verändernden Einfluss auf Artemis Fowl.
Parallel versucht Butler seine kleine Schwester vor einem Haufen Ninjakämpfer in einer mexikanischen Ringerarena zu retten, während das Publikum die Beiden als geistig umnachtete Zombies anfeuert. Kaum dieser Gefahr entronnen, muss Butler erkennen, dass man ihn anscheinend absichtlich mit einer falschen Botschaft vom jetzt schutzlosen Artemis Fowl weggelockt hat. Eine Prämisse, die Colfer vor allem in den ersten beiden Serie ein wenig zu oft verwandt hat, als das sie im siebenten Abenteuer noch wirklich überzeugen kann. Während also handlungstechnisch inklusiv einer erneuten Rettung der Welt, bzw. zumindest Atlantis durch einen persönlich gehandicappten Artemis Fowl keine wirklich neuen Ideen integriert, die alten Szenarien unter Beimischung einer möglich außerirdischen Bedrohung aber solide abgearbeitet werden, sind es die Charaktere, welche „Der Atlantis- Komplex“ zu einem teilweise leicht eingeschränkten, aber angesichts der ambivalenten Qualität der ganzen Serie doch zu einem interessanten Roman machen.
In den vorangegangenen Büchern ist aus dem verbrecherischen Genie Artemis Fowl ein zumindest verantwortungsbewusster junger Mann geworden, der eher geschäftsmäßig als kriminell auf den eigenen monetären Vorteil aus ist. Mit dieser Vorgehensweise hat Colfer sicherlich auch zu Lasten der Originalität die Figur anpasst. Im vorliegenden Roman geht der Autor noch einen Schritt weiter. Die mysteriöse Psychose des Atlantis- Komplexes reicht von der einfachsten Ausprägung – einem Drang zu zählen und das Leben den Zahlengöttern unterordnen – bis zu einer kompletten Persönlichkeitsänderung, bei der ein gewisser absolut weichgespülter Orion eine wichtige Rolle spielt. Artemis Bewusstsein selbst „spricht“ bei der Erkrankung von einer unglücklichen Kombination aus Schuldbewusstsein und Magie. Im zweiten Stadion der Erkrankung mit der Ausbildung einer neuen Persönlichkeit wirkt Colfer zu entschlossen. Zuerst zieht sich der „echte“ Fowl quasi in sein Unterbewusstsein mit eigens „eingerichteten“ virtuellen Arbeitszimmer im Gehirn zurück und kommentiert das Geschehen. Diese an sich originelle Idee wird dann schnell wieder fallen gelassen. Die Experimentierwut Colfers geht insbesondere im vorliegenden Roman über das Erträgliche hinaus. Auf der einen Seite soll der Leser akzeptieren, dass diese Persönlichkeitsveränderungen den in den letzten Büchern arg leidenden Artemis Fowl unnötig und übertrieben wieder beleben sollen. Diese Vorgehensweise ist unnötig, alleine ein Bogenschlag zum jungen arroganten und selbstherrlichen Fowl des ersten Bandes hätte ausgereicht. Zum anderen soll dieser innerlich veränderte Fowl – wie in den vorangegangenen Romanen – nicht unbedingt die Welt, aber zumindest die Bewohner Atlantis retten, was überzogen und überambitioniert erscheint. Die Figur zu ist zu weich, zu Teenagermäßig, um noch mit Artemis Fowl in Zusammenhang gebracht werden. Anfänglich ist das „Erwachen“ der neuen Fowls nett beschrieben, mehr aber auch nicht. Am Ende des Buches ist es erwartungsgemäß nicht Fowl, sondern Orion, der den Schurken erst verwirrt und dann besiegt. Die entsprechenden Krankheitsstufen und damit verbundenen die unterschiedlichen Schübe passt Colfer dem von ihm vorgegeben Plot an, so dass die kleine Gruppe trotz im Grunde unüberwindlicher Schwierigkeiten als Sieger die Bühne verlässt. Wäre diese Metamorphose das erste Mal in der Serie eingesetzt worden, könnte man sie als originell beschreiben, so ist es nur eine Art Variation bekannter Ideen, welche den Leser von dieser elementaren wie früher originellen Figur eher entfremden. Und das Artemis Fowl in höchster Not zum x-ten Mal verspricht, sich „danach“ wie ein normaler fünfzehnjähriger Teenager zu benehmen, sollte er die Herausforderungen überleben – wer zweifelt daran? -, zeigt das Colfer vieles inzwischen nach einem gut funktionierenden, aber leider nur mechanischen Schema operiert.
Seine Freundin und Mitleidensgenossin Holly dagegen geht im Romanverlauf förmlich unter. Anfänglich von Artemis ins ewige Eis eingeladen, um an einer im Verlaufe des Plots nicht mehr relevanten Präsentation teilzunehmen. Anschließend darf sie – wie Artemis – zumindest anfänglich die Welt retten und mit mehr oder minder besorgten Gesicht Artemis bzw. Orions Gesundheitszustand erfragen, da aber das Alter Ego Fowls derartig überzogen kitschig dargestellt worden ist, wirken diese Dialoge eher distanziert und pro Forma. Vor allem gibt Colfer Holly im Vergleich zu den vorangegangenen Romanen zu wenig zu tun und reduziert die Figur unfair auf eine der vielen Helfershelferinnen.
Ähnlich geht es Butler und seiner viel beschäftigen Schwester. Anfänglich wird Butler – wahrscheinlich durch Fowl initiiert und dann vom Antagonisten verstärkt – weggelockt und muss in einer der bizarrsten, wie auch interessantesten Szenen inklusiv Anspielung auf die unzähligen mexikanischen Ringerfilme seine Schwester „retten“, welche die Situation aber im Griff hat. Danach verschwinden die beiden so liebenswert gezeichneten Figuren lange Zeit aus der Handlung, bevor sie am Ende unterstützend tätig sind. Zu den schönsten Szenen der ganzen Serie gehört das abschließende Gespräch zwischen Butler und Artemis Fowls Mutter, in welchem die beiden so unterschiedlichen Charaktere warmherzig beschrieben werden.
Auch der Antagonist Turnball ist über weite Strecken interessant gestaltet. Von seinem nicht unbedingt außergewöhnlichen, aber effektiven Gefängnisausbruch ausgehend verfolgt er einen komplexen bis komplizierten Mal, hinter dem allerdings eine für den Leser nachvollziehbare Motivation steht. Vor Jahren hat sich Turnball in eine junge Menschenfrau verliebt, deren Alterungsprozess sich an der Seite des Unterirdischen zwar verlangsamt, aber nicht aufgehalten worden ist. Jetzt versucht er mit einem letzten Coup sie zu retten, wobei die Gefangennahme eines Wunderheilers – ebenfalls eine sympathisch gezeichnete Figur, die zu spät und zu zögerlich eingesetzt wird – über die Zerstörung der unterirdischen Atlantis schützenden Kuppel mittels einer Sonde ambitioniert bis konstruiert erscheint.
Stilistisch unterscheidet sich allerdings „Der Atlantis- Komplex“ von seinen Vorgängern. Obwohl rückblickend ausgesprochen tempo- und teilweise variantenreich wirkt Colfers distanzierter Stil und seine erzähltechnische Zurückhaltung in den zahlreichen Actionszenen unpassend. Warum das Geschehen nicht dynamischer, packender erzählen? Das Tempo ein wenig mehr variieren, um auf diese Art und Weise die teilweise pointierten, dann wieder langatmigen Dialoge und eingestreuten Kalauer zu unterstützen? Hier verschenkt der erfahrene Colfer einiges an Potential. Der Leser wird von der Handlung zu sehr distanziert. Zusammengefasst präsentiert sich „Der Atlantis – Komplex“ als zufriedenstellender Artemis Fowl Roman, deutlich besser strukturiert als der knapp zweihundert Seiten längere, aber auch ambitioniertere Vorgänger „Das Zeit- Paradox“, wobei hinsichtlich Artemis Fowls Erkrankung ein nicht gänzlich befriedigender Cliffhangar zum aus heutiger Sicht letzten Band der Serie geschlagen wird, den Eoin Colfer auch in diesem Roman fairer weise hätte abschließen können.

Eoin Colfer: "Artemis Fowl: Der Atlantis- Komplex"
Roman, Hardcover, 336 Seiten
LIST 2011

ISBN 9-7834-7135-0614

Weitere Bücher von Eoin Colfer:
 - Artemis Fowl - die verlorene Kolonie
 - Artemis Fowl- Das Zeitparadox
 - Artemis Fowl- Der Geheimcode
 - Cosmo Hill- der Supernaturalist
 - Fletcher Moon - Privatdetektiv
 - Meg Finn und die Liste der vier Wünsche
 - Und übrigens noch was

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