Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Darkover (2)
:: Die Chroniken von Narnia (7)
:: Drachengasse 13 (2)
:: Saga vom magischen Land Xanth (2)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: SachbĂĽcher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Fantasy (diverse)



Sergej Lukianenko

Trix Solier- ein Zauberlehrling voller Fehl und Tadel

rezensiert von Thomas Harbach

Mit dem wahrscheinlich ersten Band einer neuen Reihe „Trix Solier- Zauberlehrling voller Fehl und Tadel“ eröffnet der russische Bestsellerautor Sergej Lukianenko im Feld der Jugendfantasy eine Bresche, die auf den ersten Blick an einen der unzähligen Harry Potter Klone erinnert. Aber nur auf den ersten Blick, denn der Fokus des humorvoll unterhaltsam geschriebenen Werkes ist deutlich breiter.

Im Co- Herzogtum – nicht der einzige Hinweis auf Konzernstrukturen, die von Lukianenko einfach in eine Fantasy- Handlung übertragen worden sind – Gris- Solier putscht im Grunde einer der Partner. Gris tötet seinen Mitregenten Solier, zwingt dessen Frau zum Selbstmord und verhaftet den potentiellen Thronfolger Trix. Der vierzehnjährige Junge schmachtet im Gefängnis und schwankt zwischen standesgemäßem Selbstmord und potentieller Hinrichtung durch die Feinde. Doch ein treuer Offizier der Leibgarde befreit ihn in einer Nacht und Nebelaktion. Lukianenko spielt in dieser Sequenz förmlich mit den Erwartungen des Publikums. Denn es handelt sich nicht um einen treuen Gefährten, der den Mord am unschuldigen Kind nicht ertragen kann, sondern um einen perfiden Plan. Der neue Throninhaber Gries sieht in Trix einen potentiellen Feind, der seinem eigenen Sprössling immer wieder vor Augen halten soll, dass man wachsam sein muss. Mit etwas Geld ausgestattet flieht Trix an Bord eines kleinen Ruderbootes, um schnell zu erkennen, das Gries Pläne vielschichtiger sind als er es selbst ahnen konnte. So sind insgesamt dreiundsechzig vierzehnjährige Waisenkinder mit Trix Anziehsachen ausgestattet worden und sollen als fliehende Thronerben für Verwirrung sorgen und dem echten Trix einen Teil seiner noch in der Bevölkerung verankerten Basis nehmen. Eines dieser Waisenkinder Ian wird zu Trix Knaben und natürlich in manch wichtiger Szenen zu seinem Doppelgänger. Diese Idee nutzt Lukianenko den gesamten Roman betrachtend teilweise zu stark aus und schleicht sich in einigen wenigen Sequenzen zu leicht aus der plottechnischen Verantwortung. Ians erster Auftritt sorgt neben dem notwendigen Humor auch für entsprechende Verwirrung sowohl beim Leser als auch dem wichtigsten Protagonisten.
Trix beharrt trotzdem weiterhin auf seiner Rache an den Putschisten. Schritt für Schritt muss er erkennen, das Gris mit sadistischem Vergnügen ihm seine offensichtlichen Helfershelfer nimmt. Nicht mehr Gewalt, sondern mit Intelligenz, List und Tücke. Trix erkennt sehr schnell, das direkte Aktionen so gut wie unmöglich sind. Also entschließt er sich, in der Tradition einer klassischen Quest mehr oder weniger freiwillig eine Reihe von Umwegen in Kauf zu nehmen, um Gris schließlich doch stürzen zu können. So arbeitet er sich vom Knaben zum Ritter hoch. In einer wilden Parodie auf die ehemals so populären wie steifen Ritterstoffe handelt es sich bei Sir Paclus um einen Viertel Zwerg, der zusammen mit seinem neuen Helfer gegen den Zauberer Sauerampfer ins Gefecht zieht. Durch einen Zufall offenbart sich, das Trix freche Sprüche eine magische Kraft in sich tragen. So wird Trix zu einem gelehrigen Schüler des Magiers. Diese Wandlung vom verwöhnten Prinzen über einen ritterlichen Knappen bis zum Zauberlehrling geht im Verlaufe des Romans erstens sehr schnell vonstatten, zweitens wirkt sie plottechnisch eher konstruiert und rückblickend ein wenig unwahrscheinlich. Die Ausgangsidee des Prinzen und jetzigen Knappen in einem Land voller Doppelgänger auf der Suche nach der perfekten Rache hätte für einen sehr unterhaltsamen Roman ausgereicht. Nach dem soliden, humorvoll bis leicht zynisch erzählten Auftakt mit zahlreichen für den Leser wirklich überraschenden Wendungen sowie einer absichtlich Bloßstellung manchen Klischees der Abenteuerliteratur versucht sich Lukianenko an einer unnötigen Mischung aus „Harry Potter“ und Terry Pratchetts „Scheibenweltromanen“. Obwohl eigentlich Lehrling wird Trix zur dominanten Figur des Buches. Freunde und Feinde sammeln sich um den ehemaligen Prinzen, während der Lehrer Sauerampfer ein wenig zu sehr in den Hintergrund gedrängt wird. Als sich Trix entschließt, der sehr jungen Fürstin Tiana in Bezug auf die arrangierte Ehe mit dem uralten Vitamanten Evykait beizustehen, kehrt die Handlung zwar zum anfänglich parodierten Ritterroman zurück, leider aber plötzlich zu stark unter dem „Harry Potter“ Syndrom, das Trix trotz aller Wirrungen und Irrungen, trotz aller Herausforderungen und Schwierigkeiten schließlich doch der überragende Held der Geschichte sein muss und sein wird. Zumal Tiana auch einen Schlüssel zum eigenen Thron darstellen könnte.
Im Vergleich zu manch anderem Jugendbuch aus Lukianenkos Feder hat sich der Russe in erster Linie auf das humorvolle Erzählen konzentriert. Der teilweise belehrende Ton und die schwerfälligen Exkursionen in unzählige Nebenhandlungen, die im Verlaufe des Plots nicht selten plötzlich aus Opportunitätsgründen zur Seite gepackt worden sind, fehlen komplett. „Trix Solier- Zauberlehrling voller Fehl und Tadel“ – der Titel wird dem Buch nicht unbedingt gerecht und packt es zu sehr in die Klamaukkiste – ist humorvoll stringent geschrieben. Immer wieder entwirft Lukianenko ein nicht selten dem Leser bekanntes Szenario, um es anschließend mittels pointierter Dialoge und wie nebenbei hingeworfenen Bemerkungen humorvoll nicht nur zu relativieren, sondern im Sinne einer guten Parodie zu demontieren. So entpuppt sich das auf den ersten Blick fahrlässige Am-Leben-lassen des Thronfolgers als Teil eines komplexen, vom Autoren immer nur implizierten Plans. So einfach werden Fallstricke des Abenteuergenres umgangen. Die Grundidee eines bekannten Feindes als stetige Mahnung zur Wachsamkeit wird vom Schurken Gris so einfach erklärt, das sowohl Trix wie auch der Leser einfach nur überrascht schauen können. Diese anfänglichen Passagen erinnern ein wenig an eine in einem fiktiven Mittelalter spielende Version „Don Quijotos“ mit einem jugendlichen Antihelden. In Bezug auf die Flussfahrt kommt das wehmütige Gefühl auf, einen phantastischen „Tom Sawyer“ zu lesen. Ian besitzt die Frechheit Huckelbery Finns, wenn er sich dank des Kaisers falscher Kleider als potentieller Thronerbe Trix gegenüber ausgibt. Trix besitzt die bodenständige instinktive Schlauheit Tom Sawyers, den Aufschneider im richtigen Moment bloßzustellen und trotzdem als Gefährten anzuerkennen. Das Aufeinanderzugehen dieser in extrem unterschiedlichen Ständen aufgewachsenen Jungen ist das belebende Element der Auftaktkapitel.

Diese Leichtigkeit des Seins kann Lukianenko nach den ersten zweihundert Seiten nicht aufrechterhalten. Der Mittelteil greift auf zu viele Klischees des Genres zurück, welche der Autor auf den ersten Seiten so einfallsreich auf den Arm genommen hat. Ian und Trix gehen immer weiter auseinander und die aufkeimende Freundschaft wird stellenweise von überzogen beschriebenen Actionsequenzen überdeckt. Dabei verschenkt Lukianenko im Beziehungsgeflecht der Figuren sehr viele Ansätze, die „Trix Solier“ zu einem Meilenstein dieses ungeheuer populären und deswegen auch anfälligen Subgenres machen könnten. Es fehlen irgendwie zwischen Untoten, der Prinzessin und dem Ritter Ecken und Kanten. Natürlich ist ein zu einem Viertel Zwergritter lustig und anders als in den unzähligen Fantasy Epen, aber dann muss Autor auch aus dieser Idee mehr machen als im vorliegenden Buch. Manche Ansätze werden so frustrierend sträflich behandelt, dass Humor alleine die Schwäche nicht ausgleichen kann. Hier hätte man Lukianenko mehr Mut gewünscht. Erst am Ende nimmt der Handlungsbogen nicht nur an Fahrt auf, sondern führt die so einfallsreichen Ideen des Auftakts zu einer zufriedenstellenden, wenn auch stellenweise eine ein wenig zu stark konstruierte Auflösung.
Im Vergleich zu Lukianenkos Science Fiction Romanen ist die Fantasy- Welt eher spärlich ausgestattet. Die offensichtliche Fantasy- Elemente wirken ein wenig überzeichnet und erinnern eher an Parodien als elementare Bestandteile einer Welt, welche der Leser auf den ersten Seiten als mittelalterlich, aber historisch wieder erkennbar vernimmt. Trotzdem wirkt Lukianenko stellenweise unentschlossen. Er versucht alles in eines zu integrieren und agiert beschreibungstechnisch manchmal zu ambivalent. Die Figuren dagegen sind zufriedenstellend bis sehr gut beschrieben. Allen voran der allerdings im Verlaufe des Buches „untergehende“ Ian. Lebensfroh, frech, mutig und doch irgendwie ehrlich. Trix dagegen wirkt anfänglich affektiert und arrogant. Im richtigen Leben nach dem Putsch und dem Rausschmiss aus dem Schloss muss er sich nicht nur an das rauere Klima gewöhnen, sondern gewinnt für einen Jugendbuchroman im Grunde folgerichtig schnell an Lebenserfahrung und schließlich auch an Selbstvertrauen, bis ihn Lukianenko wie schon angesprochen zu stark in den Mittelpunkt einer zwar grotesken, aber den „Harry Potter“ Büchern in der Grundstruktur zu ähnlichen Handlung. Nur wird Trix Solier nicht an einem College ausgebildet, sondern durch den Zauberer Sauerampfer, der vielschichtiger beschrieben wird als es sein Name negativ verspricht. Mit den wenigen weiblichen Figuren hat Lukianenko weiterhin Probleme. Sie wirken zu klischeehaft, zu eindimensional beschrieben, um wirklich selbst einem pubertierenden „Helden“ den Kopf zu verdrehen.
Zusammengefasst ist „Trix Solier- Zauberlehrling voller Fehl und Tadel“ ein unterhaltsames, teilweise insbesondere im sehr gut geschriebenen Anfang herausragendes Buch, das in erster Linie dem Fantasy Genre den Narrenspiegel ins Gesicht zu halten sucht. Das klappt über streckenweise gut. Nur eine etwas originellere Handlung nach der ersten Begegnung mit dem Zauberer Sauerampfer hätte das Gesamtbild deutlich positiver abgerundet und das Buch aus der Masse des Angebots verdientermaßen mehr herausgehoben.

Sergej Lukianenko: "Trix Solier- ein Zauberlehrling voller Fehl und Tadel"
Roman, Hardcover, 584 Seiten
Beltz & Gelberg 2010

ISBN 9-7834-0781-0748

Weitere Bücher von Sergej Lukianenko:
 - Das Schlangenschwert
 - Der falsche Spiegel
 - Der Herr der Finsternis
 - Die Ritter der vierzig Inseln
 - Labyrinth der Spiegel
 - Spektrum
 - Sternenschatten
 - Sternenspiel
 - Weltengänger
 - Weltenträumer
 - Wächter der Ewigkeit
 - Wächter der Nacht
 - Wächter des Morgen

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::