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Fantasy (diverse)



Fritz Leiber

Der traurige Henker

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Der traurige Henker“ erscheint der dritte Band mit Abenteuern um Fafhrd und den grauen Mausling. Der erste Teil besteht aus dem Roman „Die Schwerter von Lankhmar“, der zweite Abschnitt beinhaltet die Sammlung „Schwerter und Eismagie“. Viele der ersten Geschichten sind Magazinveröffentlichungen gewesen. Im Zuge des Taschenbuchbooms in den sechziger Jahren sind diese zu Storysammlungen zusammengefasst worden. Leiber hat einige neue Geschichten verfasst, obwohl er zu dieser Zeit literarisch in einem Zwischentief steckte. Die erste Story erschien 1939 im Magazin „Unknown“, die letzte 1988 in der Sammlung „The Knight and Knave of Swords“ . Nicht zuletzt aus diesem Grund liegen im dritten Sammelband der Serie Höhen – insbesondere der Roman „Die Schwerter von Lankhmar“ – und Tiefen – eine Handvoll der extrem kurzen, fragmentarischen Geschichten aus „Schwerter und Eismagie“ – der unterhaltsamen und als Hommage auf Überhelden wie „Conan“ und „Tarzan“ zu verstehenden Geschichten eng beieinander. Wie die ersten beiden Bände hat Joachim Körber die Geschichten liebevoll neu übersetzt und präsentiert sie zum ersten Mal ungekürzt in den schön aufgemachten Paperbacks. Alleine das die Texte vollständig veröffentlicht werden, ist eine Kaufempfehlung

Zu den besten und berühmtesten Arbeiten der Serie um Fafhrd und Den Grauen Mausling gehört der Roman “Die Schwerter von Lankhmar”. Die wahrscheinlich beste Neuinterpretation der alten Sage um den Rattenfänger von Hameln vor der phantastischen Kulisse der reichsten Stadt seines Kontinents. Erst zieht es die Helden zurück nach Lankhmar, wo allerlei Schuldeneintreiber und inzwischen böse Huren auf die beiden Kämpen warten. Nachdem sie sich mit den ersten aggressiven Mitgliedern des Pöbels auseinandergesetzt haben, wartet die nächste Aufgabe auf sie, die sie gleich wieder aus der Stadt treibt. Sie sollen als Wächter eine Flotte von Getreideschiffen und eine hübsche Frau zusammen mit ihrer Zofe und ihrem Leumund über das Meer begleiten. Die ersten beiden Flotten sind unter mysteriösen Umständen verschwunden. Nach einigen Tagen der Ruhe auf See - Leiber nutzt diese Exposition, um dem Leser die sehr skurrilen, aber im Verlaufe der Handlung elementaren Figuren näher zu bringen - kommt ein geheimnisvoller Nebel auf. Dann erkennen Fafhrd und Der Graue Mausling, das das erste Schiffe der Flotte wie aus dem Nichts heraus zu sinken beginnt. Die einzigen Überlebenden sind Ratten, die auf das nächste Schiff der Flotte zusteuern.

Die erste Hälfte des sehr kompakt und packend geschriebenen Romans erinnert an Hodgsons unheimliche Seeabenteuer. Eine düstere, nihilistische Atmosphäre wird aufgebaut, die einzelnen Parteien an Bord der Schiffe sind sich von Beginn an nicht grün. Zwischen den Fronten die eher leichtlebigen Fafhrd und Der Graue Mausling, die schnell dem Wein und den hübschen Frauen an Bord erliegen. Da wäre die devote Dienerin, die unwillig die Strafen ihrer Herrin ertragen muss und die arrogante, aber bildhübsche Herrin, deren Ziele auf dieser Reise über weite Strecken im Dunkeln bleiben. Später verlagert Leiber die Handlung zurück nach Lankhmar, die Stadt wird inzwischen von den Ratten kontrolliert - alleine das Abkommen, das sie den Menschen anbieten, ist eine bissige Satire auf die reale Politik - und der graue Mausling verwandelt sich durch einen Zauber selbst in eine kleine Ratte, um unter seinen Feinden zu spionieren. Leider verfällt er dem betörenden Einfluss eines Rattenmischlings und seine neuen Instinkte drohen seine Persönlichkeit zu überdecken.

Stilistisch - Joachim Körbers Übersetzung ist sehr passend - erreicht die Reihe mit “Die Schwerter von Lankhmar” einen überzeugenden Höhepunkt- teilweise wirken Fritz Leibers Beschreibungen wie reine Poesie vor einem realistischen Hintergrund. Seine Welt beginnt nicht zuletzt aufgrund der Begegnung mit einem Weltenwanderer und seiner Maschine wie eine Kristallkugel zu strahlen. Dieses an sich konterproduktive Science Fiction Element stört die phantastische Welt nicht, sie gibt wie das surrealistische Ende Fafhrd und des Grauen Maus lings Abenteuer den notwendigen Sagencharakter. In einer späteren Geschichte wird Fritz Leiber leider noch einmal auf die Unterwelt unter Lankhmar und die Ratten zurückkehren - “The Mouser goss Below -”, aber im vorliegenden Roman funktionieren alle Elemente sehr gut. Auch die Verwandlung des grauen Mausling - Nomen est Omen - in eine Ratte und das Einschleusen in eine überraschend zivilisierte Kultur - hier erinnert der Roman an eine Reihe von Märchen, welche die Ratten als Bewohner eines adligen Hofstaats beschreiben - wird niemals lächerlich oder belustigend beschrieben. Es ist ein dramatisches Element, das die zweite Hälfte des Romans bestimmt. Die Konfrontation mit seinen Feinden ist packend beschrieben und das große Aufräumen durch die Kampfkatzen wird im Vergleich zur bisherigen Handlung sehr kompakt, brutal, aber nicht sadistisch ausgedehnt beschrieben. In der ersten Hälfte des Buches bestehen Fafhrd und der Graue Mausling ihre Abenteuer zusammen, die zweite Hälfte des Buches konzentriert sich ausschließlich auf den intelligenteren Mausling. Diese Trennung hat Fritz Leiber aus unterschiedlichen Gründen in einigen seiner Geschichten vollzogen, in “Die Schwerter von Lankhmar” funktioniert sie das erste Mal überzeugend, auch wenn Fafhrd schließlich in der buchstäblichen letzten Sekunde nach Lankhmar zurückkehrt und schließlich hilft, die Rattenplage zu besiegen.

Das über seinem Roman nicht nur die alte Saga vom Rattenfänger in einer umgekehrten, interessant exponierten Konstellation schwebt, in welcher die Ratten die Menschen nicht fortlocken, sondern komplett in ihrer Stadt kontrollieren, zeigt sich an einigen anderen Stellen. So soll der graue Mausling während er die eine hübsche Frau küsst, auf keinen Fall eine Konkurrentin ansehen, sonst könnte etwas schreckliches passieren. Natürlich kann er der Versuchung nicht widerstehen. Fafhrd landet in einem Spielerparadies, in dem sich nach einer durchzechten Nacht mit Weib, Wein und Kartenspielen die leeren Geldschläuche wieder füllen und er am nächsten Abend in einer magischen Endlosschleife sich wieder dem Vergnügen hingeben kann. Es sind diese kleinen Episoden, die Fritz Leiber wie kaum ein anderer Pulpautor seiner Generation beherrscht. Dazu kommen seine Graustufen. Kein Schurke ist in seinen Bücher gänzlich verschlagen und böse, wie für die beiden “Helden” - die auch eher wie ehrenwerte Gauner wirken als klassische Heldenideale - gilt der Kampf um das Überleben in einer archaischen Welt. Erzähltechnisch und von seiner vielschichtigen Handlung her gehört “Die Schwerter von Lankhmar” zu seinen besten Arbeiten und wer sich nicht durch den ganzen Zyklus und Fafhrd und den grauen Mausling lesen möchte, wird im vorliegenden Einzelabenteuer - das zwar dank einiger gut verständlicher Seitenhiebe in den Zyklus integriert worden, aber von seiner Konstellation autark ist - einen guten Einstieg finden.

Der zweite in diesem Sammelband zusammengefasste Sampler “Schwert und Eismagie” ist eine eher durchwachsene Arbeit. Das liegt nur noch an den zum Teil unterdurchschnittlichen oder eher fragmentarischen Geschichten, das liegt noch mehr an den beiden längeren Arbeiten “Die Frostmonstreme” und “Eisladen”, die einen Zyklus von insgesamt fünf thematisch aufeinander aufbauenden Geschichten einladen. Die letzten drei dieser fünf Texte finden sich erst in der nächsten Sammlung. In diesen Geschichten verlassen die beiden Helden die unmittelbare Umgebung von Lankhmar - selbst wenn sie wie in “Die Schwerter von Lankhmar” auf eine sehr lange Reise gehen, ist die mächtige Handelsstadt allgegenwärtig - und erleben einige Abenteuer in den Eislanden, ihre Ambitionen sind auch andere. Im Grunde wollen sie die Abenteuer und das Vagabundenleben hinter sich lassen, um sich zurückzuziehen. Sie gehören handlungstechnisch zu den stärksten Arbeiten dieser Sammlung, unterscheiden sich aber durch ihre sehr stringenten Plots und vor allem die fehlende zum Teil ausufernde Fabulierfreude Fritz Leibers. Sie sind trotzdem kraftvoll geschrieben und unterhalten auf einem soliden Niveau, das allerdings mehr an die Pulpmagazine erinnert, für die unter anderem auch Robert E. Howard geschrieben hat.
Die Titelgeschichte dieser dritten Sammlung von Abenteuern um Fafhrd und den Grauen Mausling “Der traurige Henker” ist derartig komplex geschrieben worden, das man in ihr im Grunde weniger eine Geschichte denn das Expose für eine sehr lesenswerte Novelle sehen muss. Einer der Tode - stellvertretend für die schier unüberschaubare Götterwelt - möchte in einer bestimmten Zeit zweihundert Seelen in die anderen Ländern überführen. Die letzten beiden Seelen, ihm fehlen, sind Fafhrd und der Graue Mausling. Zusammen mit dem Leser verfolgt er deren Abenteuer, dessen Ende er natürlich kennt. In seiner typisch ironischen Art lässt Fritz Leiber schließlich alle Seiten auf ihre Art und Weise gewinnen. Dazwischen findet sich die Begegnung mit einer wunderschönen Frau, latent sadistische Quälerei von schönen und natürlich weiblichen Sklavinnen und ein Plot, der durch die Komprimierung noch mehr gekünstelt wirkt als er es vielleicht in der Form einer Novelle gewesen wäre. “Schöne und Bestie” ist noch kürzer, ganze zweieinhalb Seiten. Hätte Fritz Leiber diese “Legende” in eine seiner längeren Arbeiten integriert, wäre die durchaus nicht schlechte Idee auf fruchtbareren Boden gefallen als in dieser weder Fisch noch Fleisch Art. Obwohl diese sehr kurzen Geschichten eine gewisse Aura eines geborenen Erzählers umgibt, wirken sie nicht substantiell genug und sind eher lieblos herunter geschrieben. Diese Unvollständigkeit ist frustrierend.

In “im Schattenland gefangen” und vor allem dem ebenfalls eher als Fragment denn als Geschichte zu bezeichnenden “Der Köder” versucht der Tod sich zum zweiten und dritten Mal alleine in dieser Sammlung an den beiden Helden zu rächen und ihre Seelen in die ewige Verdammnis zu schicken. Während er bei “Im Schattenland gefangen” zu Beginn ihre Odyssee durch die Wüste verfolgt, schickt er ihnen schließlich seine Häscher auf die Fährte, um die geschwächten Kämpen in einem unfairen Kampf zu besiegen. Da insbesondere der graue Mausling einen guten Kontakt zu einem der größten Zauberer Lankhmars hält, rettet dieser die Helden im Vorbeiflug aus der gefährlichen Situation. Insbesondere das Ende ist frustrierend unzufrieden stellend, schlägt aber den Bogen zu einigen Charakteren und Situationen aus “Die Schwerter von Lanhmar” und wirkt daher eher wie eine Einführung zu diesem empfehlenswerten Buch. “Der Köder” wiederholt im Kern Elemente aus dem letzten Drittel von “Der traurige Henker”. Wieder ist es eine Frau, die sich als Falle für die beiden Helden herausstellt. Zu Beginn diskutieren sie darüber, wer oder ob beide die holde Maid in ihre Arme nehmen sollen, dann kommt es zum Zweikampf mit den Schurken - deren Entstehen ist die einzige wirklich originelle Idee der Sammlung - und am Ende liegen sich Fafhrd und der Graue Mausling wieder in den Armen. De Häufung dieser kurzen, sehr geradlinigen und im Vergleich zu seinen Novellen sehr einfach gestrickten Kurzgeschichten nimmt der Sammlung “Schwerter und Eismagie” ihren Reiz. Dieses Manko können auch nicht die letzten beiden “Eislanden”- Novellen gänzlich überdecken.

Als Würdigung vergangener Abenteuer und gleichzeitig Einführung für neue Leser eignet sich “den Göttern ausgeliefert” am besten. Mit seinem präsenten ironischen Stil, seiner niederen Wertschätzung den meisten Religionen gegenüber und seiner Fähigkeit, aus einer einfachen, fast simplen Idee mit Hilfe von intelligent präsentierten Versatzstücken eine eindrucksvolle Geschichte zu schaffen, überzeugt Fritz Leiber mit diesem kurzweilig zu lesenden Werk. Die Götter zürnen Fafhrd und dem grauen Mausling, die sich in einer Kneipe melancholisch ihren Erinnerungen hinterher hängen. Sie haben schon lange nicht mehr über die Götter geflucht, von Anbeten oder Opfern kann bei ihnen ja keine Rede sein. Also schicken sie die beiden Helden in einer Art Spiel auf eine Reise in die Vergangenheit, in der sie allen ihren Frauen und Antagonistinnen wieder begegnen und um ihr Leben kämpfen müssen, um schließlich zumindest für den Augenblick als devote Diener in den Armen zweier Frauen zu landen, mit denen sie eine intensive Vergangenheit haben. Das Schöne an der vorliegenden Geschichte ist für Stammleser, das er in schneller Abfolge - ohne die besonderen Charakterzüge zu vernachlässigen - eine Art Präsentation der besten Feindinnen und Freundinnen der Helden mit vielen Emotionen vorgesetzt bekommt. Die Erinnerungen an die besseren Geschichten mit den einzigartigen Schöpfungen Leibers werden wieder belebt und angeregt, manche Novelle noch einmal zu lesen. Für Neuleser finden sich die charakteristischen Elemente von Leibers Sword and Sorcery Geschichten. Die beiden Helden, überdimensionale Abenteuer, dunkle Magie und natürlich schöne Frauen, die entgegen von Robert E. Howards “Conan” Geschichten alles andere als hilflos oder devot sind. Sehr kompakt stellt Leiber die Figuren in wenigen, aber prägnanten Sätzen vor und ermöglicht es so vor allem Neueinsteigern, sich in seinem Kosmos wenigstens oberflächlich orientieren zu können. Eine melancholische Geschichte mit deprimierten Helden, die vor allem Fritz Leibers Fähigkeit als Sagenerzähler unterstreicht.






In „Gefangen im Meer der Sterne“ segeln die beiden Glücksritter mit der ihrem Schiff Schwarzer Läufer in den tiefen Süden – um neue Kontinente zu entdecken und auszuplündern. In dieser Geschichte beschwört Leiber nicht nur die Faszination der Schifffahrt in archaischen Zeiten den Gefilden trotzend herauf, er spinnt auch eifrig Seemannsgarn, wenn die beiden nicht immer souveränen Helden von den zwar bezaubernden, aber auch unheimlichen Flimmerwischen auf den fremden Meeren hin- und her getrieben werden. Eine unterhaltsame Geschichte, in welcher Leiber mit wenigen überzeugenden Federstrichen ein gänzlich fremdes Szenario entwickelt und die Grenze zwischen Schein und Sein überschreitet.
Die Frostmonstreme ist der Auftakt einer Reihe von insgesamt fünf zusammenhängenden Geschichten, in denen die Freunde nach Eislanden gelockt werden. Gleich zu Beginn der Geschichte resümieren die beiden über ihr Leben und können sich ein letztes großes Abenteuer vor dem Ruhestand mit Weib, Weib und einem großen Anwesen vorstellen. Dieses Abenteuer tritt in Gestalt zweier schöner, aber unnahbarer und eiskalter Frauen auf sie zu. Denn Fafhrd und der Graue Mausling werden von den beiden Ratsfrauen der legendären Eislanden – die wenigen Hinweise erinnern förmlich an das nicht minder bekannte unbekannte Thule – angeheuert, jeweils zwölf tapfere Recken anzuwerben und mit ihren Schiffen in die Hauptstadt des unwirtlichen Landes zu kommen, um eine Invasion der Meermingols abzuwehren. Fafhrd heuert Beserker aus dem hohen Norden an, der graue Mausling die geschicktesten Diebe und Söldner Lankhmars. Die gemeinsame Reise der beiden Schiffe in das ferne Land gleicht schon eine Odyssee, da ihre Feinde nicht ihre Ankunft abwarten wollen. Sehr stimmungsvoll beginnt Fritz Leiber diesen lockeren Zyklus. Die Begegnung mit den faszinierenden, aber unheimlichen Frauen gleich zu Beginn des Handlungsbogens ist meisterlich gestaltet. Fafhrd und der graue Mausling reagieren überrascht und beleidigt, als sie den Auftrag erhalten, noch jeweils zwölf gleichwerte Männer zu verpflichten. Als könne jemand den größten Helden von Lankhmar auch nur annähernd das Wasser reichen. Die Reise selbst ist spannend beschrieben, vor allem gehört Fritz Leiber zu den wenigen Fantasy- Autoren, die sich ernste Gedanken über Auseinandersetzungen auf hoher See gemacht haben. Sie wirken nicht wie Landduelle oder Kämpfe, bei denen die Pferde durch Schiffe ersetzt worden sind. Mit den Geschichten um Eislanden hat Fritz Leiber wieder zu seiner alten Form zurückgefunden und die Mischung aus Sword und Sorcery ist stimmig und lässt außergewöhnlich gut lesen.


Die letzte und längste Geschichte der Sammlung “Eislanden” baut direkt auf ihrem Vorgänger auf. Zusammen bilden sie die Prämisse für die im nächsten Band folgenden drei weiteren Geschichten. Die Helden landen endlich in Eislanden und müssen feststellen, dass sich niemand um ihre potentiellen Beschützer kümmert und das die von den attraktiven Auftraggeberinnen heraufbeschworene Gefahr in dieser Konstellation nicht richtig zu sein scheint. Im Verlaufe des Zwei Fronten Auseinandersetzung müssen Fafhrd und der Graue Mausling nicht nur die Rime Inseln vor einer Invasion beschützen, sie greifen in einen Familiendisput zwischen Odin und Loki ein. “Eislanden” ist eine der Geschichten, denen Neil Gaiman letzte Romane wie “American Gods” in einer ironischen Subtilität am Nächsten kommen. Eine scheinbar bodenständige Fantasy- Handlung mit Kämpfen, Helden,. Schurken und schönen Frauen. Der Überbau besteht aus einer Auseinandersetzung zwischen Göttern, in diesen Konflikt werden einige Menschen mehr oder minder direkt hineingezogen. Im Vergleich zu seinen ersten Geschichten wirken die Götter allerdings eindimensionaler, weniger exzentrisch und damit auch wenig überzeichnet. Auch die Herausforderungen, denen sich die Helden stellen müssen, wirken weniger einfallsreich und direkter. Es fehlt Fritz Leibers unbändige Erzählkunst, die einige der frühen Arbeiten zum Teil unnötig aufgebläht hat. Trotzdem oder teilweise wegen der spürbaren Selbstdisziplin handelt es sich um sehr konsequente, sehr spannend geschriebene Fantasy- Geschichten. Neben dieser stilistischen Reduktion auf das Wesentliche wirken die Plots fokussierter und nachvollziehbarer. Im Vergleich zu Robert E. Howard, der seinen Helden “Conan” nur auf dem Papier hat altern lassen, entzieht Fritz Leiber in den jetzt folgenden Geschichten seinen Helden mehr und mehr ihren sagenhaften Ruf und macht sie menschlicher, sowie zugänglicher. Sowohl Fafhrd als auch der Graue Mausling gestehen sich - zu Beginn noch hinter vorgehaltener Hand - ein, dass sie altern und das die Zeit des wilden Abenteuer nicht nur für sie, sondern im Grunde für ihre Welt ihrem Ende zugeht. Diese Eingeständnisse setzt Leiber auch in seinen Geschichten konsequent und teilweise sarkastisch überzeichnet um. Diese neue Perspektive überdeckt einige schwächere und vor allem einige sich aus den ersten beiden Sammlungen wiederholende Plots. Wiederholung ist dieses Mal im wahrsten Sinne des Wortes gemeint, in einigen Geschichten - insbesondere wenn der Tod in das Spiel des Lebens eingreift - spielt der Autor absichtlich mit den Charakteren und seinen Lesern und lockt sie in eine literarische Falle, in dem er die Prämisse bekannt vorzeichnet, um dann eine gänzliche andere Geschichte zu erzählen.


„Der traurige Henker“ ist – wie auch die ersten Bände – elementarer Bestandteil einer der zeitlosesten Fantasy- Reihe der phantastischen Literatur. Wie Neil Gaiman in seinem pointierten Vorwort richtig herausstellt, kann der Leser immer wieder nach Lankhmar zurückkehren, ohne Angst zu haben, die Faszination des ersten Mals zu verlieren. Die Faszination von Leibers Werk liegt nicht nur in seiner erzählerischen Klasse, sondern vor allem auch in seiner vielschichtigen Welt. Lankhmar ist eine Mischung aus Renaissance und 1001 Nacht. Das sich Fafhrd und der graue Mausling in diesem farbenprächtigen Chaos zurechtfinden, ist ein Wunder, aber auch faszinierend. Die Details sind teilweise grotesk. Fritz Leiber ist ein Erzähler, der sich an seiner eigenen Geschichte berauschen kann. Diese zum Teil ausufernde Phantasie in einer plottechnisch ungebändigten Form macht den Reiz auch des dritten von der Qualität der Storys aber nicht mehr so herausragenden Bandes aus.

Fritz Leiber: "Der traurige Henker"
Anthologie, Softcover, 395 Seiten
Edition Phantasia 2006

ISBN 3-9378-9718-6

Weitere Bücher von Fritz Leiber:
 - Das Meerweib
 - Der unheilige Gral
 - Die Herren von Quarmall
 - Die Umtriebe des Daniel Kesserich
 - Hexenvolk

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