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Fantasy (diverse)



Uwe Gehrmann

Der Pakt der Mäuse

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Der Pakt der Mäuse“ legt der Künstler, Journalist und Karikaturist Uwe Gehrmann seinen ersten Roman vor. Genauso vielschichtig wie sein bisheriges Werk soll die zeitlose Geschichte aus im Grunde Nachbars Garten sein. Im Mittelpunkt stehen Mäuse und Katzen auf der einen Seite – an sich ein Widerspruch per se, wie sich beide Seiten bei den unter Druck notwendigen Waffenstillstandsverhandlungen immer wieder versichern – sowie die Ratten und ein Magier auf der anderen Seite. Mit seinem vollmundigen Prolog weist Gehrmann gleich darauf hin, dass der Leser einer tierischen Fantasy mit nicht immer nur ernsten Zwischentönen aber einer soliden, für die Protagonisten durchaus gefährlichen Handlung zu tun bekommt. Nach dem rasanten Auftakt beginnt der Autor erst einmal die einzelnen Protagonisten und ihre entsprechenden Positionen vorzustellen. Ein Mäusevölkchen hat sich ein seit längerem leer stehendes Häuschen zurechtgemacht. Die Idylle wird durch das Einziehen von Menschen gestört. Diese werden von zwei Katzen begleitet. Gleich zu Beginn wird eine der Mäuse von der Katze getötet. Es bildet sich aber noch eine zweite Front. Ratten beginnen mit Hilfe des Magiers aus dem Prolog, ihren Keller zu verlassen und ans Licht zu streben. Ein Zustand, der weder den Katzen noch den Mäusen sichtlich gefallen kann. So schließen die beiden Erzfeinde ein brüchiges Bündnis wider den tierischen Instinkt, um die neue Gefahr gemeinsam zu besiegen.
Gehrmanns Geschichte ist relativ simpel und birgt handlungstechnisch nur wenige wirkliche Überraschungen. Das ist nicht unbedingt negativ gemeint. Viele Romane leiden fast unter der Notwendigkeit, auf einen bestehenden Plot noch mehrere Ideen aufzuladen, ohne die Balance zwischen Handlung, Hintergrund und Charakterisierung zu beachten. Diesen Fehler macht Gehrmann nicht. Er nimmt sich die Zeit, nicht nur die einzelnen Protagonisten durchaus ernsthaft zu charakterisieren, ihnen menschenähnliche, aber nicht menschliche Züge zu geben. Das ist insbesondere in Hinblick auf den späteren direkten Konflikt wichtig. Der Leser soll die Bilder hinter seiner Geschichte erkennen und sich über die Allegorie Gedanken machen, aber keinen blanken Abklatsch bekannter Texte lesen. Ein haariger Weg, der über weite Strecken des Buches nach einem sehr gemächlichen Auftakt auch sehr gut funktioniert. Nachdem die Handlung zumindest in ihren Grundlagen extrapoliert worden ist, verschiebt der Autor spürbar und doch nuanciert die bisherige Basis. Alle tierischen Protagonisten erleben in dieser kurzen Zeitspanne aktiv oder passiv drastische Veränderungen in ihrem bisherigen Leben. Die Ratten beginnen zu Handeln, die Mäuse und Katzen müssen reagieren, wenn sie nicht den Kürzeren ziehen wollen. Während die Mäuse schon von der Grundkonstellation her als schreckhaft, aber planerisch sehr intelligent beschrieben werden, sind es die Katzen, die ihre Urinstinkte – in Bezug auf die Jagd, aber auch ihre einzigartige Stellung als Herr der Häuser, die Menschen bei sich dulden – über Bord werfen müssen, um in dieser einzigartigen Situation überleben zu können. Hier wäre es sicherlich sinnvoller gewesen, die Katzen etwas vielschichtiger zu charakterisieren. Auch wenn Gehrmann ihnen einen gewissen Humor schenkt, bleiben sie in der vorliegenden Geschichte zweidimensional. Mit inneren Monologen hätte der Leser näher an diese Protagonisten hingeführt werden können. Im Gegensatz zu den Mäusen bleiben ihm schließlich die Katzen wie in der Realität fremd. Allerdings entwickelt sich der Autor Gehrmann im Verlaufe seines Buches deutlich weiter. Nach den anfänglich eher umständlichen, seltsam steifen und manchmal künstlich überzeichneten Dialogen sind die letzten verbalen Schlagabtausche pointiert und witzig.
Im Verlaufe der immerhin dreihundertfünfzig Seiten fragt sich der Leser mehr als einmal, ob Gehrmann die insbesondere atmosphärische Dichte durchhalten kann. Neben sehr pointierten Dialogen setzt der Autor auf kompakte Beschreibungen. Nicht selten steckt die augenblickliche Wahrheit in den Nebensätzen. Mit seinem ansprechenden, aber nicht einfachen Stil verwehrt der Autor das schnelle Überfliegen mancher Passagen. In anderen Abschnitten fehlt ihm teilweise die notwendige Leichtigkeit, um nebensächliche Ereignisse handlungstechnisch ins richtige Licht und die passende Position zu rücken. Insbesondere zu Beginn verliebt sich Gehrmann sehr stark in seine eigenen Figuren und vernachlässigt die konsequente Weiterführung des Plots. Solange aber die Beschreibungen so ansprechend und farbenprächtig sind, lässt sich dieses Manko verschmerzen.
Ein bisschen geht der immer wieder angedeutete Sagencharakter im Verlaufe der Handlung verloren. Der Rückgriff auf Zitate aus den Werken Viktor Hugos, Peter Gans, Oskar Loerkes und schließlich Pablo Neruda ist nicht immer wirklich effektiv eingesetzt, hier wäre es sinnvoller gewesen, insbesondere den Mäusen eine eigene Kultur mit einer verbalen Sagenübermittlung zu schenken. Diese Ideen werden nicht sonderlich weit extrapoliert, hätten aber wahrscheinlich in dem mit 350 Seiten angemessenen Roman keinen exponierten Platz mehr gefunden. Trotzdem wäre es schön gewesen, mehr über die Geschichte dieses einzigartigen Völkchens zu erfahren. Uwe Gehrmann zeigt dagegen durchaus wünschenswerte menschliche Stärken wie uneingeschränkte Freundschaft, die unabhängig von Vorurteilen und Rassenunterschieden sein sollte. Vielleicht spiegeln seine tierischen Vertreter eine idealisierte Welt wieder, die es in dieser Form trotz der vielen dunklen Szenen mit ihrer geradlinigen Trennung zwischen schwarz und weiß nur in der Sage, dem Märchen geben kann. Im Gegensatz zu Richard Adams herausragenden Tierfabeln verzichtet Gehrmann weites gehend auf den menschlichen Schrecken. In Person des größenwahnsinnigen Alchemisten allerdings bleibt der Mensch allgegenwärtig. Als Krone einer nicht immer gelungenen Schöpfung und als größter Feind intelligenter Tiere. Wegen der Installation dieser klassischen Fantasy- Märchenfigur versetzt Gehrmann allerdings seine Tierfabel in den Bereich der Sage, der irrealen Geschichte. Alle anderen Elemente bis auf die sprechenden Tiere sind dagegen sehr realistisch gezeichnet. Akzeptiert der Leser diese Vorgabe ohne Nachfragen, entwickelt sich eine vielschichtige, insbesondere mit reichhaltigen Hintergrundinformationen in Form von verbaler Historie. Der Autor bemüht sich immer wieder erfolgreich, über die erste, sehr geradlinige Handlungsebene hinaus seinem Text eine positive Vielschichtigkeit zu geben. Das beginnt bei den Liedern und Gedichten und hört bei den fast aus dem Hanggelenk eingefügten Hören/Sagen Geschichten auf.
„Der Pakt der Mäuse“ ist eine unterhaltsame Geschichte, die in erster Linie von ihrer kompakt Erzählstruktur in Kombination mit einem sehr farbenprächtigen Hintergrund lebt. Für einen Erstling eine solide Arbeit, die mit viel Liebe zum Detail geschrieben worden ist. Die handlungs- und plottechnischen Schwächen werden durch die stilistischen Stärken – der Leser muss sich allerdings auf den ersten Seiten an Gehrmanns nicht immer leicht zu lesenden Stil gewöhnen - und die grundfeste, wenn auch nicht immer ausreichende Charakterisierung der einzelnen tierischen Protagonisten gut ausgeglichen.

Uwe Gehrmann: "Der Pakt der Mäuse"
Roman, Hardcover, 352 Seiten
Fabylon Verlag 2007

ISBN 3-9270-7112-9

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