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Fantasy (diverse)



Robert Asprin & JL Nye

Des Dämons fette Beute

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Des Dämons fette Beute“ legt der Bastei Verlag eine weitere Kooperation Robert Asprins mit seiner Co- Autorin Nye aus dem „Myth“ Universum vor. Alleine hinsichtlich der Seitenzahl von fast vierhundert handelt es sich beim vorliegenden Roman um eine der umfangreichsten Arbeiten der beiden, die mit einer Handvoll von Kurzgeschichten vor einigen Jahren begonnen hat. Nach Abschluss der Lektüre lassen sich verschiedene Punkte feststellen. Der vorliegende Roman gehört zu den besseren Kooperation der beiden Autoren im „Myth“ Universum, von der Qualität her reicht er nicht an die ersten alleine von Robert Asprin geschriebenen Romane heran. Die Seitenschinderei hält sich in Grenzen und die Dialoge sind pointierter bzw. auch in Hinblick auf den gesamten Plot Zielführender. Im letzten Roman „Class Dis- Mythed“ konzentrierte sich das Geschehen auf Skeeve und einige Mitglieder seines Teams, während Aahz schon auf Reisen gewesen ist. Hinsichtlich der Charaktere gibt es keine Überschneidungen zum Vorläufer. Das könnte die Theorie unterstützen, dass die beiden chronologisch nacheinander publizierten Romane gleichzeitig, aber in sehr unterschiedlichen Dimensionen im inzwischen sehr umfangreichen Myth Universum spielen. Plottechnisch machen die beiden Autoren aber den Fehler, viele bekannte Ansichten und Perspektiven aus den älteren Büchern der Serie einfach wieder aufzuwärmen und nur aus der verzerrten Perspektive des Perfekten nacherzählen zu lassen. Das wirkt insbesondere nach dem soliden Auftakt des Romans, auf den nachfolgend noch eingegangen werden soll, ermüdend und zerdehnt das nur selten mit wirklich packender Geschwindigkeit ablaufende Geschehen.

Auf einem Basar wird der Dämon Aahz angesprochen. Von einem schmutzigen Schwert, das nicht nur über eine lange, aber nicht unbedingt ruhmreiche Geschichte verfügt, sondern vor allem auch außergewöhnliche magische Fähigkeiten sein Eigen nennt. Aahz soll das Schwert kaufen, aber der sieht einer Investition seines geliebten Geldes voller Skepsis entgegen. Erst als ihm das Schwert anvertraut, das er das Versteck von anderen magischen Gegenständen kennt, die aus Aahz einen endgültig reichen Mann machen, kauft er das Schwert. Ohne zu ahnen, das sich die magischen Gegenstände überhaupt nicht miteinander verstehen. Die Jagd nach den anderen magischen Utensilien wird natürlich nicht nur zu einer Odyssee, sondern vor allem zu einem lebensgefährlichen Abenteuer.

Die ersten Bücher zeichnete eine liebevolle, ungewöhnlich detaillierte Charakterisierung der einzelnen handelnden Personen aus. Auch in der deutschen Übersetzung wirkten die Dialoge schlagfertig, intelligent und vor allem trotz aller Plottechnischer Widrigkeiten natürlich. Ganz bewusst parodierte Asprin nicht nur die gängige Fantasy- Literatur, er extrapolierte Strömungen seiner Gegenwart – die ersten Romane erschienen immerhin fast vor dreißig Jahren – mit einem kindlichen, aber niemals kindischen Vergnügen. In den letzten Romanen hat sich das Bild komplett verändert. Die Bücher strotzen nur so vor kindischen Situationen, dummen Dialogen und vor allem nicht lustigen Szenen. Nach dem noch erträglichen Auftakt macht Robert Asprin zusammen mit der gänzlich überforderten Co Autorin den Fehler, die einzelnen magischen Gegenstände nicht überzeugend zu charakterisieren und die Handlung von ihren Persönlichkeiten weiter tragen zu lassen. Die Gegenstände sollen intelligent sein, aber in Wirklichkeit werden sie eindimensional und vor allem uninteressant beschrieben. Zu den traurigen Höhepunkten des Buches gehört eine sich über mehrere Seiten hinziehende Diskussion zwischen drei magischen Vehikeln, die sich schließlich in Wohlgefallen auflöst, den Plot nicht voranbringt und vor allem den Leser nur noch langweilt. Außer den magischen Gegenständen führen Nye und Asprin nur noch eine weitere neue Figur ein, die wahrscheinlich in den folgenden Bänden weiter extrapoliert werden sollte. Nicht zuletzt aus diesem Grund wäre es voreilig, die bislang oberflächliche und vor allem hinsichtlich seiner Persönlichkeit noch sehr rudimentär ausgearbeitete Figur zu kritisieren. Viel schlimmer ist, das Asprin und Nye mit Aahz, einer der Schlüsselfiguren der Serie, nichts anfangen können. Als Figur wirkt er nicht überzeugend genug, nicht selten verhält er sich entgegengesetzt der Erwartungen der Leser, die ihn immerhin schon seit mehr als fünfundzwanzig Jahren als Grantler kennen. Diese charakterlichen Veränderungen werden nicht weiter erklärt, der Leser steht im Grunde vor einer ihm bislang in dieser Dimension negativ wenig bekannten Figur. Viel schlimmer ist, das er sich auf seiner im Grunde absurden Suche nach den magischen Gegenständen entweder selbst in dumme Situationen bringt, die viel zu einfach aufgebaut sind und deren Auflösung rudimentär bis gar nicht vorhanden ist. Auf der anderen Seite versuchen die Autoren dieses Ungleichgewicht wieder auszugleichen, in dem sie in einzelnen Episoden vor den Helden und ihren gegenständlichen Begleitern Hürden aufbauen, die sie im Grunde ohne literarische Tricks nicht überwinden können. Viel schlimmer ist weiterhin, dass sich insbesondere Nye nicht um eine Kontinuität im MYTH Universum kümmert und bislang etablierte Regeln je nach Gutdünken über Bord wirft bzw. im absoluten Notfall wieder aufnimmt. Da hilft es auch wenig, dass manche Episode wirklich unterhaltsam ist.
Diese gehen in der nach den vielleicht ersten dreißig Seiten langweiligen und vor allem vorhersehbaren Geschichte unter.

Hinsichtlich der Struktur des Buches tauchen beim Leser auch eine Reihe von Fragen auf. Es ist nicht das erste Mal, das ein MYTH Roman sehr dynamisch auf den ersten Seiten beginnt, dann allerdings in einem langweiligen Mittelteil unterzugehen scheint, bevor das Ende hastig und vor allem wieder auf die unabänderliche Fortsetzung schielend kurz vor dem Redaktionsschluss niedergeschrieben worden ist. Mehr und mehr hat der Leser das wahrscheinlich durch den relativ an Jahren frühen Tods Robert Asprin das Gefühl, als könne er schon lange nicht mehr längere Texte schreiben und hat nur die ersten Seiten wirklich selbst verfasst. In keinem Buch wird dieser Bruch zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Autoren offensichtlicher als ihm vorliegenden Roman. Im Vergleich zur englischen Originalausgabe, von der es zum ersten Mal seit vielen Jahren keine Paperbackausgabe mehr gegeben hat, ist die Bastei Ausgabe sorgfältig vom Lektor durchgesehen worden. Die englische Taschenbuchausgabe wimmelte nicht nur von grammatikalischen Fehlern, sondern unterstreicht schon im Titel, wie unverfroren die Autoren mit dieser einst wirklich lesenswerten Serie umgegangen sind. Robert Asprin hat in einem Vorwort deutlich erklärt, dass alle MYTH Romane Skeeve als Helden haben, während als M.Y.T.H. Inc. Romane aus unterschiedlichen Perspektiven anderer Figuren erzählt werden. Also ist der vorliegende Roman im Grunde ein M.Y.T.H. Inc. Buch. Diese Kritik könnte als kleinlich empfunden werden, sie unterstreicht aber, wie lieblos Robert Asprin und JL Nye mit dieser ehemals wirklich lesenswerten Serie umgehen.

Robert Asprin & JL Nye : "Des Dämons fette Beute"
Roman, Softcover, 378 Seiten
Bastei 2008

ISBN 3-7834-0420-5929

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