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Fantasy (diverse)



R. Scott Bakker

Der Krieg der Propheten 3:
Der Tausendfältige Gedanke

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Der Tausendfältige Gedanke“ beendet R. Scott Bakker seine Trilogie „Der Krieg der Propheten“. Die ersten beiden Teile sind unter den Titeln „Schattenfall“ und „Der Prinz aus Athritau“ ebenfalls als schöne Hardcoverausgabem Klett Cotta Verlag erschienen. Mit der Serie geht eine der intellektuell anspruchsvollsten Trilogien der neuen Fantasy- Geschichte zu Ende. Zusammen mit den ersten drei Bänden von „Thomas Covenant, dem Zweifler“ aus der Feder Stephen Donaldsons liefert die Serie sehr viele aktuelle politische Bezüge und betrachtet die klassischen High Fantasy aus einer sehr extremen Perspektive. Intellektuell ansprechend bedeutet allerdings nicht immer unterhaltsam oder gutgeschrieben. Insbesondere bei der zweiten Trilogie um den leprakranken Antihelden hat Donaldson den Bogen überspannt und trotz eines faszinierenden Hintergrunds seine Leser gelangweilt als stimuliert. R. Scott Bakker verzichtet zumindest mit dem Abschluss der laufenden Trilogie auf diese Klippen und führt die Serie zufrieden stellend zu Ende. Vor allem hat Bakker sehr konsequent seinen roten Faden beibehalten. Der „Krieg der Propheten“ ist von Beginn an als im Grunde ein umfangreicher Roman geplant worden und vom diesem Vorhaben hat sich der Autor auch nicht durch die kommerziellen Erfolge der ersten beiden Bücher abhalten lassen. Mit dem vorliegenden Band wird der Handlungsbogen beendet. Es empfiehlt sich, die drei Bücher als Einheit zu betrachten und sie ihm Grunde auch hintereinander weg zu lassen. Zwar fasst er auf den ersten Seiten – wie beim zweiten Band – die bisherigen Ereignisse sehr kompakt zusammen und bietet am Ende des vorliegenden dritten Buches ein Glossar an, das über einhundert Seiten umfasst, aber die geraffte Zusammenfassung kann nicht die Lektüre ersetzen. Bakker ist einer der wenigen Autoren, der sich auf der einen Seite in wichtigen Details nicht verliert, auf der anderen Seite aber die verschiedenen Hinweise in den folgenden Romanen nicht immer wieder aus der Versenkung herausholt und vor den Augen des Lesers hin – und her schwenkt. Vieles wird nur angedeutet, wer die Seiten quer liest, wird die zahlreichen Details einfach überlesen. Der Leser sollte sich nicht von den vielen inneren Monologen irritieren lassen, sie sind notwendig, um die einzelnen Figuren am Ende der Serie als Ganzes zu verstehen und ihre oft in der Vergangenheit liegenden Handlungen nachvollziehen zu können. Taten, welche direkt oder indirekt auf der gegenwärtigen Plotebene von elementarer Bedeutung sind. Auf der in den Büchern hier beschriebenen langen Reise hat Bakker seine teilweise sehr gebrochenen Figuren durch ein wirklich dunkles Zeitalter mit der bevorstehenden Apokalypse in einem kargen, lebensfeindlichen Land gebracht. Im vorliegenden dritten Band verschiebt er sehr konsequent die Perspektive des übergeordneten Erzählers. Im Original heißt die Serie deutlich passender „The Prince of Nothing“ und mit diesem im Grunde zynischen Titel wird Kellhus sehr treffend bezeichnet. War er im ersten Buch noch in erster Linie Beobachter, der ohne es unter Kontrolle zu haben, von den Ereignissen mitgerissen worden ist, hat er im Mittelteil der Trilogie als „Warrior Prophet“ – ebenfalls ein sehr schöner, poetischer Titel – begonnen, die Kontrolle über sein eigenes Leben zu gewinnen. Im vorliegenden Band verfolgt der Leser seine weitere Entwicklung fast ausschließlich aus der Perspektive weiterer Nebenfiguren. Die ersten beiden Bücher konzentrieren sich dagegen überwiegend auf Kellhus Perspektive. Damit distanziert sich der Autor ein wenig von seiner Figur. Weiterhin kann er deutlich unbefangener die Bewunderung, aber auch die Furcht beschreiben, welche Kellhus inzwischen in seinen Mitmenschen auslöst. Einen ähnlichen Versuch gibt es in Frank Herberts „Dune“ Romanen. Mit dem Heiligen Krieg – ein Thema in beiden Serien – beginnt sich der Fokus zu verschieben, während der „überirdische“ Protagonist als Entscheider mehr in den Mittelpunkt des Geschehens rückt. Da Bakker im Grunde keine neuen Figuren seinem Roman hinzufügt, weiß der Leser inzwischen, wie sich zum Beispiel Esmenet – ehemalige Prostituierte und jetzige Frau Kellhus – oder Drusas Achamain als jetziger Ratgeber Kellhus verhalten. Die Dreieckskonstellation – Esmenet ist im ersten Buch Drusas Geliebte gewesen – sorgt immer noch für emotionale Spannungen, die aber nicht auf das Niveau einer archaischen Seifenoper absinken. Auch wenn Drusas und Esmenet sich erst nach der Trennung über ihre wahren Gefühle füreinander klar werden, gelingt es Bakker, seinen Figuren eine Verletzlichkeit zu schenken, welche ihr Handeln authentisch und nachvollziehbar macht. Es geht immer wieder um die kleinen persönlichen Schlachten, die im übermächtigen Schatten Kellhus geschlagen werden. Nicht selten muss das Persönliche vor den politischen Implikationen zurücktreten, aber Bakker hat den Mut, diese kleinen Erfolge als reine Pyrrhussiege darzustellen und seine einzelnen Protagonisten in ihren emotionalen Wüsten leiden zu lassen. Damit sind sie immer noch weit entfernt vom hypochondrischen Thomas Covenant, aber Bakkers Figuren wachsen als Persönlichkeit eher durch das Überwinden der eigenen Schwächen als durch ihre nach außen sichtbaren Taten. Eine weitere wichtige und vor allem unemotionale Rolle über der Krieger Canüir. Mit ihren sehr unterschiedlichen Ansichten, Hoffnungen, Wünschen oder Alpträumen halten sie den sehr geradlinigen geschriebenen Roman frisch und geben impliziert Kellhus eine erstaunliche Dreidimensionalität. Bakker fordert aber auch von seinen Lesern sehr viel Geduld. Seine Figuren entwickeln sich in erster Linie durch eine kontinuierliche Prüfung der eigenen Persönlichkeit. Im zweiten Buch musste sich Achamain der Tatsache stellen, dass mit Kellhus ein Mann die politische Bühne betreten hat, welcher die alten Prophezeiungen zum Leben erweckt. Er selbst übernahm die Rolle des Beraters in einem natürlich schicksalsträchtigen Konflikt. Für einen sehr aktiven Mann eine gänzliche neue Erfahrung. Im vorliegenden Buch setzt sich Esmenet nicht nur mit ihrem bisherigen Leben sehr expliziert auseinander, sie beginnt ihren früheren Liebhaber Achamain mit anderen, verständnisvolleren Augen zu sehen. Es ist erstaunlich, wie überzeugend und pointiert Bakker diese inneren Konflikte entwickelt und niedergeschrieben hat. Für keine andere Serie trifft das alte Sprichwort, jeder Mensch ist ein Eisberg besser zu als für „Der Krieg der Propheten“. Im ersten Buch hat der Leser die wichtigsten Protagonisten als Akteure kennen gelernt. In den Fortsetzungen beginnen sie als Menschen zu leben, in dem sich der Autor konsequent und stellvertretend für den Leser mit ihrem Seelenleben auseinandersetzt. Kaum zehn Prozent ihrer positiven wie negativen Eigenschaften und Persönlichkeiten sind an der Oberfläche zu erkennen. Ganz bewusst will Bakker nicht nur niederschreiben, wie sie handeln, sondern warum sie so handeln. Das erfordert allerdings auch sehr viel Geduld vom Leser und wer nur Wert auf actionorientierte Fantasy mit überdimensionalen Heldenidolen legt, wird sehr schnell mit den Figuren, aber auch vor allem dem Autor die Geduld verlieren. Bakker ist allerdings auch mit den vorliegenden Büchern ein Risiko eingegangen. Handlungstechnisch berührt er sehr viele Klischees: der von uralten Prophezeiungen beschrieene Retter in einer dunklen Zeit; ein alter Zauberer, der schließlich zum Ratgeber wird; natürlich eine Hure mit einem Herzen aus Gold, die noch lieben kann und am Ende die direkte Konfrontation mit dem dunklen Lord. Alles klassische Fantasy- Elemente, die handlungstechnisch nicht mehr viele neue Ideen beinhalten. Die Faszination der vorliegenden Trilogie kommt daher weniger aus der Plotebene, sondern alleine von der philosophischen Tiefe, mit welcher Bakker sich mit seinen sehr unterschiedlichen Figuren auseinandersetzt. Mit sichtlichem Vergnügen formuliert er im Grunde im ersten Band die vom Leser erwarteten Klischees und beginnt diese mehr oder minder direkt in den nächsten beiden Bänden der Serie auseinander zu nehmen. Nicht immer gänzlich überzeugend und teilweise ein wenig zu offensichtlich konstruiert, aber faszinierend und vor allem nuanciert. Bakker arbeitet sehr wenig mit Holzhammermethoden und die brutalen sowie sexuell aggressiven Szenen dienen weniger der Befriedigung niederer Leserinstinkte, sondern sollen seine implizierten Botschaften pointiert unterstreichen. Es lässt sich nicht verhehlen, dass handlungstechnisch sicherlich mehr drin gewesen wäre. Bakker ist weniger der epische Erzähler im Stile eines George R. R. Martins, der in seiner laufenden Fantasy- Serie den Leser über mehrere tausend Seiten mitreißt und schließlich erschöpft am Ende eines Zwischenstopps einfach absetzt. Bakker möchte zusammen mit seinen Lesern nachdenken und reflektieren. Keine Tat ohne Folgen, keine Entscheidung ohne Konsequenzen. Teilweise treibt er diese Entwicklung im vorliegenden dritten Band auf die Spitze. Man hätte sich mehr Szenen mit Kellhus gewünscht, in welchen er als tragischer Held einfach nur agieren könnte. Gegen Ende des Buches und damit des fortlaufenden Handlungsstranges räumt ihm Bakker den entsprechenden Platz ein, aber teilweise beginnt sich der Leser zu fragen, ob diese eher als Verbeugung vor den Gesetzen des Genres zu verstehende Geste nicht inkonsequent wirkt und vor allem zu spät kommt. Am Ende seiner emotionalen Achterbahnfahrt fehlt dem Buch eine wirkliche Überraschung, ein Paukenschlag, welcher die interessanten und dreidimensional angelegten Figuren in ihrem Innersten erschüttert. Bakker stellt zwar am Ende des Buches durch seine Figuren vieles in Frage, aber ihm fehlt der Mut, diese Fragen auch entscheidend zu beantworten. „Der Krieg der Propheten“ gehört eindeutig zu den besten Fantasy- Serien der Gegenwart, aber auch zu den Trilogien, welche den Leser und Autoren fordern. Am Ende des vorliegenden Buches hinterlässt der Autor eine Leere im Leser, ein größeres Kompliment kann man nicht geben. Sollte man die Bücher noch einmal lesen, wird man die einzelnen Entwicklungen und Personen mit anderen Augen sehen. Auch das spricht für die Serie.

R. Scott Bakker: "Der Krieg der Propheten 3: Der Tausendfältige Gedanke"
Roman, Hardcover, 600 Seiten
Klett Cotta 2008

ISBN 3-6089-3785-4

Weitere Bücher von R. Scott Bakker:
 - Der Krieg der Propheten 2. Der Prinz aus Atrithau
 - Schattenfall 1: Krieg der Propheten

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