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Fantasy (diverse)



Eoin Colfer

Artemis Fowl- Der Geheimcode

rezensiert von Thomas Harbach

Obwohl er sich in den letzten Jahren auf eine Reihe von serienunabhängigen und auch für jüngere Kinder geeigneten Büchern konzentriert hat, kehrt Eoin Colfer immer wieder zu seiner populärsten Schöpfung – dem kleinkriminellen Genie Artemis Fowl – zurück. Im dritten Roman erzählt Colfer augenscheinlich eine sehr simple Geschichte. In Bezug auf den Hintergrund der Handlung konzentriert er sich ebenfalls augenscheinlich auf eine oft überraschende und vielschichtige Entwicklung seines Protagonisten Artemis Fowl als neue phantastische Ideen einzuführen.

Am Ende des zweiten Artemis Fowl Romans konnte der junge Großkriminelle seinen Vater aus der langjährigen Gefangenschaft der russischen Mafia retten. Trotzdem braucht er längere Zeit, um sich in einem Krankenhaus zu erholen. Artemis Fowls Mutter ist wieder bei Verstand. Beide Eltern wollen ihren Sohn wieder auf die Schule schicken und sein Vater möchte alle kriminellen Aktivitäten der Familie einstellen. Er sucht den Kontakt zu seinem Sohn und möchte ihm beibringen, dass Liebe und ein ehrliches Leben mehr zählen als Gold. Der ursprüngliche Familienmotto „Gold ist Macht“ soll möglichst tief in der unsäglichen Vergangenheit begraben werden. Artemis kann sich mit dieser veränderten Lage noch nicht anfreunden. So sehr er sich über den liebevollen Kontakt zu seinem Vater freut, so ehrgeizig ist er, seine kriminelle Karriere mit einem besonderen Coup zu beenden.

Aus der gestohlen Technologie der Unterwelt hat er einen drahtlosen Apparat entwickelt, der in seiner kompakten Form alle gängigen Technologien in einem Gerät konzentriert überlegen ist. Er verabredet in einem Londoner Restaurant ein Treffen mit dem Industriemagnaten Jon Spiro. Dieser soll ihm eine Unsumme bezahlen, damit Fowl den Wunderkasten nicht sofort auf den Markt bringt. Der umtriebige und rücksichtslose Spiro hat allerdings eigene Vorstellungen, wie der Deal abzulaufen hat und führt Artemis in eine Falle. Bei dem anschließenden Schusswechsel wird Artemis Fowls Leibwächter und Freund Butler tödlich verletzt und dem jungen Genie anscheinend seine Grenze in Bezug auf die eigenen kriminellen Aktivitäten aufgezeigt.

Im ersten Band lernten die Leser diesen vorschnell und abfällig als Kopie der Harry Potter Figur vor verurteilten intelligenten Meisterdieb kennen. Er nimmt den Unterirdischen – die Elfen, Zwerge und andere Sagenfiguren haben sich tief unter der Erdoberfläche ihr eigenes Reich aufgebaut und beobachten die Menschen ständig, um ihre Existenz zu sichern – mit einem Husarenstreich ihr gesamtes Gold zu stehlen. Im folgenden Buch erweiterte Colfer sehr geschickt seinen Kosmos. Der Leser war mit dem Stamm und deren Hintergrund aus dem ersten Roman vertraut. Darum konnte der Autor nicht nur neue Schauplätze und eine humorvollere Handlung präsentieren, sondern seinen Figuren neue Wesenszüge geben. Diese Wandlung zeigt sich am ehesten an Artemis Fowl, dessen Mission es im zweiten Roman ist, seinen Vater aus den Händen der Mafia zu retten und nicht unendlichen Reichtum einzusammeln. Außerdem erkennt er, dass er in erster Linie von den richtigen Leuten stehlen muss, um sein kaum vorhandenes Gewissen nicht zu belasten. Wer Diebesgut stiehlt, kann kein schlechter Mensch sein lautet seine verdrehte Moral. Diese Absurdität treibt Colfer im neuen Abenteuer trotz aller Beteuerungen des Gegenteils auf die Spitze.

Während er im ersten Band also ein dreister Dieb charakterisiert worden ist, beginnt sich im zweiten Roman so etwas wie Familiensinn zu regen. Folgerichtig lernt er im dritten Abenteuer Freundschaft und Verantwortung für andere Menschen kennen. Colfer bemüht sich, Artemis Fowls Entwicklungsprozess strukturiert und konsequent sehr zum Vergnügen seiner Leser fortzuschreiben. Bei Artemis Fowl gelingt es ihm aber nur oberflächlich. Besonders in der ersten Hälfte des Buches wirkt er wie im ersten Teil der Serie: arrogant, sich selbst überschätzend und vorlaut. Das steht in einem starken Kontrast zu der eigentlichen Intention des Autoren: Fowls Vater möchte nach seiner Gefangenschaft bei der russischen Mafia das Familienimperium reformieren auf den Pfad der Tugend zurückführen. Er sieht dies als ersten Schritt zurück zu einer echten Familie. Mehrmals stellt der Autor positiv heraus, dass damit in erster Linie der Wunsch der bisher kaum in Erscheinung getretenen und rechtzeitig von ihrem Wahn befreiten Ehefrau erfüllt wird. Außerdem bemüht sich Colfer, die Rückkehr zu den ideellen Werten und die Abkehr vom Familienkapitalismus in Reinkultur auch für jüngere, beeinflussbare Leser überzeugend zu beschreiben. Das der Widerstand gegen diese unpopuläre Wendung in der bisherigen Familientradition im bislang erfolgreichen Meisterdieb Artemis Fowl kumuliert, ist der Ansatzpunkt, den Colfer in den Mittelpunkt seiner Reihe zu stellen beabsichtigte. Selbstverständlich möchte sich Fowl nicht klanglos aus seiner bisherigen Karriere verabschieden und ein neues Leben beginnen. Eine intimere Beziehung zu seinen Eltern sieht er positiv, aber seine Vergangenheit will er nicht wie einen Mantel ablegen. Darum der letzte Coup mit katastrophalen Folgen. Zum ersten Mal in dieser Reihe kann er am Schicksal seines Leibwächters und Freundes Butler sehen, was eigene Fehler für andere Menschen bedeuten können. In diesen Szenen lebt die bis dahin eher oberflächliche, aber comichafte Handlung des Buches auf. Leider kehrt Colfer zu schnell zum Tagesgeschäft zurück und Butlers „Opfer“ wird zwar pflichtschuldig immer wieder erwähnt, aber nicht annähernd adäquat in die Handlung integriert. Der fehlende Mut des Autoren zu einer echten und nachhaltigen Veränderung ist nicht nur an Artemis Fowl festzumachen.


Seine anderen Charaktere sind auf einem konstant unterhaltsamen Niveau beschrieben. Im Gegensatz zu den ersten beiden Romanen agieren sie allerdings nicht untereinander, die Beziehungen wirken blass und oberflächlich. Dafür, dass sie inzwischen zum dritten Mal außerordentliche Abenteuer erleben, gehen sie ihre Aufgaben nur augenscheinlich als Team an. Ein Teil des Problems liegt in der Tatsache begründet, dass Colfer ihnen immer schwierigere Aufgaben zumutet. Zum Teil wirkt der Roman wie eine fantastische „Mission Impossible“ Serie und der Leser weiß von vorne herein, dass die Guten – dieser Begriff ist bei den Fowl Abenteuern durchaus dehnbar – nicht scheitern können. Stellten die oft frechen Dialoge insbesondere im ersten Buch ein Lesevergnügen dar, wirken sie hier eher plakativ. Ihnen fehlt der innovative Schwung. So schön es ist, alten Freunden wieder zu begegnen, so enttäuscht ist man, wenn diese keine neuen Impulse in die Beziehung einbringen. Einzig Butlers Schwester erhält auf der Seite des Fowl- Teams eine stärkere Einbindung in die Handlung, sie wirkt allerdings eher wie eine übermotivierte Elektra Inkarnation denn ein eigenständiger Charakter. Sehr schnell verschwimmen die Grenzen zwischen den einzelnen Figuren – insbesondere Butlers Schwester und die Elfin können leicht in einzelnen Szenen miteinander verwechselt werden.
Die neu eingeführten Charaktere auf Seiten der Antagonisten sind Karikaturen klassischer Bösewichter: der exzentrische Multimilliardär, dessen größtes Ärgernis die höheren Aktienkurse einer Konkurrenten ist erinnert an die überdrehten James Bond Gegenspieler. Während er zu Beginn des Buches durchaus bedrohlich wirkt und sein Computerimperium als moderne Inkarnation des Reiches des Bösen durchgehen könnte, verliert sich diese Atmosphäre sehr schnell im Lauf der Handlung. Wirken die Anspielungen auf populäre Comics – siehe die Restaurantszene – noch originell und voll bissigem Humor, gerät die abschließende Konfrontation eher zu einem müden Showdown. Das liegt aber weniger an der geradlinigen, aber unterhaltsamen Handlung, sondern an Colfers Unwilligkeit, seine Figuren dreidimensional zu entwickeln. Zu flach und vorhersehbar agieren im Grunde beide Seiten im Kampf um den „Control Cube“.

Der Spannungsbogen des Romans unterteilt sich in verschiedene, unterschiedlich gut geschriebene Abschnitte. Die Szenerie im Restaurant wird comichaft überzeichnet, der Einbruch in den Safe dagegen in bester „Mission Impossible“ Manier, der abschließende Showdown eher unwahrscheinlich und stark konstruiert. Trotz liest sich das Buch sehr unterhaltsam und wird seine eher jugendlichen Leser mitreißen. Erst im Nachhinein regen die unterschiedlichen Teile des Buches und weniger das homogene Ganze zum kritischen Überdenken des Gelesenen an. Die Überraschung des ersten Bandes hat sich mit den Folgeabenteuern relativiert und Colfer fehlt der Mut, seiner Handlung wirklich neue Impulse zu geben. Das liegt wahrscheinlich auch in der Tatsache begründet, dass inzwischen ein vierter Band in England erschienen ist. Da löst er insbesondere das augenscheinlich abschließende Ende des vorliegenden Buches nicht nur komplett auf, sondern führt einen neuen, in diesem Fall weiblichen Antagonisten ein. Der einzige Unterschied findet sich in der wackeligen Position Fowls zu Elfenreich. Während er in „Der Geheimcode“ durch seine Selbstüberschätzung in Schwierigkeiten gerät, bitten ihn im folgenden Band die Elfen, bei der Jagd auf eine Berufsverbrecherin um Hilfe. Stellt der dritte Band eher einen gewissen Stillstand in der persönlichen Entwicklung der Figuren dar, ist das vierte Abenteuer ein klarer Rückschritt.

Trotz einiger hier erwähnter Schwächen ist „Der Geheimcode“ eine unterhaltsame und farbenprächtige Geschichte. Colfer bemüht sich, den Plot in noch absurdere Höhen zu treiben und die Handlung rasant wie bei einer Achterbahnfahrt dahin schießen zu lassen. Bei dieser Geschwindigkeit verliert er seine Figuren und deren persönliche Schicksale vorübergehend aus den Augen. Es finden sich gute Ansätze, Artemis Fowl wieder zu einem hochbegabten, aber normalen Schüler zurückzuentwickeln. All zu leicht verliert Colfer diesen Faden zur Enttäuschung seiner Leser aus den Augen. Das Ende wirkt – insbesondere unter dem Eindruck des folgenden vierten Bandes – aufgesetzt und emotional hohl.

Eoin Colfer: "Artemis Fowl- Der Geheimcode"
Roman, Softcover
List 2005

ISBN 3-5486-0485-4

Weitere Bücher von Eoin Colfer:
 - Artemis Fowl - die verlorene Kolonie
 - Artemis Fowl- Das Zeitparadox
 - Artemis Fowl: Der Atlantis- Komplex
 - Cosmo Hill- der Supernaturalist
 - Fletcher Moon - Privatdetektiv
 - Meg Finn und die Liste der vier Wünsche
 - Und übrigens noch was

Leserrezensionen

Leserrezensionen
30.11.06, 15:14 Uhr
Dubbel
unregistriert


Ich kann teilweise zustimmen: Klar, besonders der erste Band war besser als Artemis Fowl- Der Geheimcode. Aber ich finde doch, dass die Geschcihte mitreißt, und auch Artemis Fowls Charakter weiter "zum Guten" gewandelt wird.
26.02.09, 01:57 Uhr
berg-ulme
Benutzer/in


registriert seit:
Aug 2007
Der beste Band ist bis jetzt "Die Verschwörung", da hier das erste Mal die "gesamt Truppe" auftritt, wie sie auch später Abenteuer erlebt. Als mittlerer Band hängt der Geheimcode ein bisschen durch. Jon Spiro weiss als Bösewicht nicht so recht zu überzeugen.