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Fantasy (diverse)



Eoin Colfer

Meg Finn und die Liste der vier WĂĽnsche

rezensiert von Thomas Harbach

Obwohl Eoin Colfer in erster Linie mit seinen „Artemis Fowl“ Abenteuern im Rampenlicht der literarischen Öffentlichkeit steht, hat er vorher und nachher eine Reihe von unterhaltsamen, aber zum Nachdenken anregenden Geschichten erzählt. Seine schriftstellerische Karriere begann der in Irland lebende und arbeitende Grundschullehrer mit kleinen Geschichten für seine Schüler. Aus diesen Fingerübungen heraus haben sich die ersten Bücher wie „Benny und Omar“ entwickelt. In diesem inzwischen fortgesetzten Text beschreibt er die Freundschaft zweier sehr unterschiedlicher Jungen in Tunesien. Colfer konnte hier auf seinen Erfahrungsschatz aus einem Gastjahr in Nordafrika zurückgreifen. Die Achtung des jeweils Anderen und Rassenvorurteile bildet den kritischen Hintergrund des sehr unterhaltsamen Romans. Nach den ersten beiden Romanen um den jugendlichen Meisterdieb und dem überraschenden Erfolg mit hohen Verkaufszahlen und einigen Literaturpreisen verordnete sich Colfer selbst eine Pause von dieser Figur. In dieser Zeit verfasste er im Jahr 2000 den nicht weniger unterhaltsamen Roman „The Wish List“, die Geschichte zweier Jugendlicher auf dem Weg in die Hölle oder den Himmel. Und das ist ernst gemeint.

Zu Beginn der kurzweiligen und trotz der oft ernsten Thematik sehr lustigen Story brechen die vierzehnjährige Meg Finn und ihr Kumpan Belch Brennan in die Wohnung eines Rentners ein. Wie Finn in diese schwierige Situation kommt, erfährt der Leser erst am Ende der Geschichte. Geschickt spielt Colfer mit den Erwartungen seiner Leser. Natürlich geht der Einbruch schief, der Besitzer der Wohnung steht mit einer Schrottflinte vor ihnen. Meg Finn kann nicht zuletzt dank ihrer Überredungskünste fliehen, während der mitgebrachte Hund Belch sich im Bein des Rentners festbeißt. Dabei entwindet Belch ihm die Schrottflinte und folgt seiner treulosen Kumpanin. Die Flucht Finns endet in einer Sackgasse vor einem Gastank. Der dumme Belch möchte sie nur erschrecken und schießt einmal in die Luft. Leider verirrt sich eine der vielen Kugeln im Tank und beide werden im wahrsten Sinne des Wortes zerrissen. Schnell finden sich ihre Seelen der beiden vor unterschiedlichen Toren wieder. Finn vor einem strahlenden, Perlen behängten Tor und Belch in seiner neuen Inkarnation als sabbernder, rotäugiger Hundjunge – er hat sich mit seinem Dobermann zu einem neuen, aber auch nicht intelligenteren Wesen vermischt – vor dem Hölleneingang. Das Problem an der Sache ist, dass Beelzebub an diesem Tag zwei Seelen im Kalender hatte. Nichts ist schlimmer, als seinem Chef erklären zu müssen, dass die Statistik wieder nicht stimmt.
Meg Finn ist einer der wenigen Seelen, bei denen die Minuspunkte ihres Lebens die gleiche Höhe wie die Pluspunkte erreicht haben. Darum schließen der Heilige Petrus und sein Gegenüber – der Erzengel- einen Pakt. Finn wird auf die Erde zurückgeschickt, um sich zu rehabilitieren. Scheitert sie, kommt sie in die Hölle. Da selbst der Heilige Vater mit dem Teufel keine Geschäfte ohne Hintertüren machen kann, wird der Belchhund auf Finns Fährte geschickt, um die Mission zu sabotieren. Dabei ist diese schon schwer genug: sie findet sich im Körper des Rentners wieder, dem sie helfen soll. Der sterbenskranke Mann findet die richtige Aufgabe für die junge Göre. Sie soll ihm helfen, sein verpfuschtes Leben gerade zu biegen. Er sieht vier Punkte seines Lebens, an denen seine Existenz in bessere, erfolgreichere Bahnen hätte gelenkt werden können. Und diese vier Punkte seines Lebens möchte er noch einmal revidieren, erleben oder einfach geradebiegen.

Schon die Zusammenfassung zeigt, auf welche komplexen Themen – Gut und Böse, Freundschaft und Liebe, die Einmaligkeit des Lebens – Colfer in der mit knapp zweihundertfünfzig Seiten nicht überlangen Geschichte eingehen möchte. Er bedient sich dem Hilfsmittel, das Hollywood in Generationen von Filmen perfekt einstudiert hat. Zwei ungleiche Paare – Finn und der Renter, Belch und sein Hund, zwar ein Körper, aber höchstens ein halber Geist – erhalten schwere Aufgaben. Während sie diese zu lösen versuchen, kommen sie sich näher. Angereichert wird die Geschichte mit Anspielungen auf himmlische Komödien wie „Der Himmel soll warten“ oder „Feld der Träume“. Colfer verzichtet auf kitschige Szenen, oft überdeckt sein archaischer, sehr ironischer Stil jegliche unechte Gefühlsregung. Wer kein Verständnis für richtig schwarzen Humor hat, wird in diesem Buch verloren sein. Von den spitzfindigen Dialogen – hier seien besonders die Telefonate zwischen Beelzebub und seinem hierarchischen Gegenüber auf der göttlichen Seite herausgestellt – über die inneren Monologe Finns bis zu einer in vier große Episoden aufgeteilten Handlung liest sich das Buch sehr flüssig.

Auf den ersten Blick könnte die Geschichte als Konflikt zwischen den fast altmodischen Skrupeln und der modernen Gleichgültigkeit zusammengefasst werden. Das alles mit einer rasanten Achterbahnfahrt versehen, vielschichtigen und sehr unterschiedlichen Charakteren könnte nahe an Popcornunterhaltung herangerückt werden. Das Gegenteil ist der Fall. Wie es sich für ein gelungenes Jugendbuch gehört, ist die niveauvolle Unterhaltung nur die eine, auf den ersten Blick erkennbare Ebene. Wie bei einer Zwiebel fällt einer Schale nach der anderen.

Dabei verarbeitet Colfer auch eine Reihe von ernsteren Themen: die Problematik zwischen den Generationen, sich wirklich zu unterhalten und den Gegenüber als den Menschen kennen zulernen und zu akzeptieren, der er wirklich ist. Sehr sensibel baut der Autor oft Brücken zwischen der von ihrem Stiefvater verletzten – Gott sei Dank nicht das inzwischen überstrapazierte und damit weniger effektive Motiv der sexuelle Misshandlung, aber Missachtung – Meg Finn und dem todkranken Rentner. Auch wenn ihr die Wünsche – es sind nicht vier, da dieser einen Wunsch an seine inzwischen verlässliche Partnerin abtritt – auf den ersten Blick absurd vorkommen, lernt sie an ihnen die Vergänglichkeit des Lebens, die Einmaligkeit des Augenblicks kennen. Sie erkennt, dass es oft zu viel Mut kostet, eine Entscheidung, von der richtigen Entscheidung ganz zu schweigen, zu treffen. An ihrer Seite wird ihr Partner wieder jung und erfüllt sich am Ende seiner Reise einen so absurden Wunsch, dass man Ire sein muss, um ihn zu verstehen. Er möchte von den Klippen von Moher in den Atlantik spucken. Diesem Augenblick – gewürzt mit Szenen direkt aus den Slapstick Komödien der vierziger Jahren – gewinnt Colfer so viel emotionale Dramatik ab, dass der Leser von dem Geschehen trotz der Übertreibungen gefangen wird. Wenn die für die in erster Linie jüngeren Leser stehende Meg Finn von ihrem „Partner“ lernt, dient dieser als Resonanzkörper für die so genannten perfekten Erwachsenen. Ungewohnt offen, wenn auch ein wenig sentimental spricht er über sein verpfuschtes Leben und seine zerstörten Träume. Dabei sucht er die Schuld bei sich selbst und sucht keine ominösen Ausreden. Im Laufe der Ereignisse wird aus dem zuerst schroffen, abweisenden und sich selbst bemitleidenden Sterbenden ein Mann, der jeden Tag genießt und das Kind im Mann wieder entdeckt. Dabei macht Colfer nicht den Fehler, die übernatürliche Komponente zu sehr zu betonen. Es gibt keine Rettung in letzter Minute, sondern nur die Erfüllung der Aufgaben und Wünschen. Meg Finn ist und bleibt tot. Ihr Partner stirbt, nachdem er mit Hilfe von oben sich seinen letzten Wunsch erfüllen kann. Mit dieser konsequenten Weiterführung der Prämissen bleibt Colfer seiner Linie aus Hoffnung- Verzweifelung, Moral und Unmoral und vor allem seiner oft zum Schreien lustigen Antiheldin treu. Auch wenn Meg Finn selten ein gutes oder schönes Leben führen konnte, bleibt sie in ihrer Bauernschläue eine junge Frau, die Gerechtigkeit und Moral als wichtige Elemente ihres Lebens sieht. Und wer keine Gerechtigkeit erhält, muss sich diese holen. Dadurch gerät sie in einen Teufelskreis, der sie vor Petrus Türen führt. Die religiösen Motive bleiben in Hintergrund. Oft verzerrt der Autor insbesondere seine übernatürlichen Figuren beider Fraktionen bis ins Extrem. Selbst der Einzug der Technologie ist mit Hindernissen versehen. Das alle Anwälte in der Hölle landen, ist inzwischen ein liebgewordenes Klischee. Die Programmierer stehen ihnen inzwischen in der Beliebtheitsskala in nichts nach. Und wenn die oberen Instanzen doch lieber auf das Fingerzählen und die dicken Büchern zurückgreifen, wirkt diese Geste eher nostalgisch verklärt als amüsant. Ganz bewusst sind die Beschreibungen beider Ebenen eher oberflächlich und bestehen aus Anspielungen. Ähnlichkeiten mit den schwarz weißen „Rauschgoldengeln“ Holywoods und ihren mannigfaltigen Schwächen aus Frank Capras oft ähnlich ironisch- nachdenklichen Komödien mit James Stewart sind beabsichtigt.

Auch wenn Colfer den Hang zu komischen Übertreibung einiger an sich brutaler Szenen hat, ist die Geschichte eher etwas für Leser ab vierzehn oder jung gebliebene Erwachsene. In zu vielen Szenen verbergen sich elementare Botschaften, die das Zusammenleben unterschiedlicher Menschen vereinfachen könnten, wenn sie sich nicht alle selbst im Weg stehen würden.

„The Wish List“ ist Colfers reifstes Buch. Geschickt verbindet er die Botschaft des Respekts vor dem Anderen mit einer anarchistisch ironischen Geschichte.

Eoin Colfer: "Meg Finn und die Liste der vier WĂĽnsche"
Roman, Softcover
List 2005

ISBN 3-5486-0473-0

Weitere Bücher von Eoin Colfer:
 - Artemis Fowl - die verlorene Kolonie
 - Artemis Fowl- Das Zeitparadox
 - Artemis Fowl- Der Geheimcode
 - Artemis Fowl: Der Atlantis- Komplex
 - Cosmo Hill- der Supernaturalist
 - Fletcher Moon - Privatdetektiv
 - Und ĂĽbrigens noch was

Leserrezensionen

Leserrezensionen
12.01.07, 12:00 Uhr
Fruchtzwerg
unregistriert


Auf das Buch hat mich eine Freundin gebracht.
Erst war ich skeptisch doch dann trat begeisterung an diese Stelle. Ich verschlang dieses Buch innerhalb eines halben Tages.
Eoin Colfer ist ein Genie. Er schreibt irwitzige Dialoge zwichen Meg und dem alten Lowrie. Genau wie in Artemis Fowl.
Außerdem ist es schön zu sehen wie sich die Beziehung der beiden Hauptpersonen im Verlauf des Buches ändert.
Dieses Buch ist für jeden Fanatasy und Eoin Colfer Fan ein absolutes muss !!!