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Fantasy (diverse)



Samit Basu

Der letzte Held

rezensiert von Thomas Harbach

Eine ungebrochene Stärke der Piper- Fantasy Reihe sowohl als Taschenbuch als auch Paperback/ Hardcover sind die Ausflüge in ungewöhnliche Welten der Fantasy- Literatur. Wer diese Einleitung als Widerspruch zur Intention jeder Art von Fantasy sieht, sollte bedenken, dass es in erster angelsächsische und amerikanische Autoren zu uns schaffen, während im Rahmen des Piper- Verlages neben Italien, Spanien, Skandinavien jetzt auch Indien geschafft hat. Fast parallel zu einer empfehlenswerten Anthologie des kleinen Projekte- Verlages mit dem Titel „Es geschah morgen“ (insgesamt achtzehn indische Science Fiction Geschichten mit einer sehr phantastischen und weniger wissenschaftlichen Ausrichtung) erscheint mit „Der letzte Held“ das erste Buch von Samit Basu, einem sechsundzwanzigjährigen Journalisten und Drehbuchautoren, der in Kalkutta geboren worden ist. Ob ihm der Klappentext allerdings mit der gleich folgenden Kategorisierung als indischer Terry Pratchett gerecht wird, steht auf einem anderen Blatt. Mit Pratchetts Stammübersetzer Andreas Brandhorst hat man seinem Buch zumindest einen sehr routinierten und in Sachen Humor gut aufgestellten Autoren zur Seite gestellt. Dabei greift Basu wie der Brite mit seiner Scheibenwelt in Form eines manchmal skurrilen, aber immer schrägen Humors nicht nur auf die Mythen und Legenden Indiens – die würden schon ausreichen, einen Band zu füllen – zurück, sondern kennt keine Grenzen. Er karikiert er wieder erkennbar diese Vorgänge und beginnt dann mit ihnen zu spielen und sie zu verändern. Zusätzlich verzichtet auf die gängigen Fantasy- Klischees von Bösewichten und Helden und reduziert seine Protagonisten auf das Wesentliche. Die ganze Welt sucht die Macht, nur der letzte Held hat noch edle Ideale und soll den finsteren Herrscher Danh- Gem daran hindern, die Weltherrschaft zu übernehmen. Unbewusst verbindet Basu eine lockere, auch in der Übersetzung spürbare humorvolle Schreibart mit diesen diversen Legenden und Sagen, er arbeitet sie durch diese wie ein Arzt bei einer Untersuchung durch seinen Fragebogen, entmythifiziert sie und beginnt sie dann für seinen eigenen Roman zu benutzen und zu nutzen. Dabei besteht die zugrunde liegende Handlung nur aus einer gängigen Quest, einem ungewöhnlichen Helden, einer Handvoll von exotischen Kameraden und einer schier übermenschlich erscheinenden Aufgabe. In diesem Kontext also keine Überraschungen oder Herausforderungen. Im Gegensatz zu Terry Pratchett, der im Laufe seiner Scheibenweltromane mehr und mehr unsere Realität – inklusiv historischer und fiktiver Figuren – parodiert und parodiert, konzentriert sich Basu auf die manchmal ein wenig zu überzogen beschriebenen Konfrontationen zwischen einzelnen Gruppen, deren Position in dem kosmischen Weltengeflecht nicht unbedingt gleich zu erkennen ist. Mit dem Herrscher Rakshas Danh- Gem und seiner Prophezeiung oder besser Drohung einer Rückkehr führt er nicht unbedingt eine originelle, aber vor dem exotischen Hintergrund einer aus westlicher Sicht fremdartig- faszinierenden Kultur überzeugende Figur ein. Mit der vorstehenden Rückkehr steigt auch die magische Aktivität und die schon lange verschwundenen, mythischen Monster kehren zurück. Um den Aktivitäten entgegen zu wirken, gibt es zumindest in Bumas Universum zwei Möglichkeiten: Nichts tun und der Dinge harren, die da kommen oder die Prophezeiungen selbst zu erfüllen, auch wenn man bei dieser nicht immer sauberen Vorgehensweise auf den ersten Blick eine Reihe von Regeln zumindest biegen, wenn nicht brechen muss. Und so entschließt sich die oberste Zivilistin der größten Stadt Kol – ihre Position wird sehr ambivalent beschrieben, als wenn sich Busas nicht entscheiden kann, auf welche Seite von gut und böse er sie wirklich stellen möchte. Dadurch verliert das Buch zumindest zum Auftakt sehr viel von seiner Faszination und wirkt zu steif und konzipiert als wirklich erzählt – und einen Helden zu schaffen. Man sucht sich einen Prinz Asvin, der gleich zu Beginn des Buches von Attentätern gerettet werden muss, bildet ihn in einer Hommage an die klassischen Heldenstoffe aus und sucht ihm ein Team. Diese Konstellation erinnert nicht nur zufällig an klassische Fantasy – siehe „Herr der Ringe“ oder gar die Pulpabenteuer eines „Doc Savage“ mit magischem Einschlag -, sondern der Autor nutzt diese Ausgangsbasis geschickt als Sprungbrett für die kommende Handlung. Hier kann der Held nicht wählen, hier werden seine Mitstreiter für ihn ausgesucht und nicht zuletzt dieser Ausleseprozess unterstreicht die anfängliche Hilflosigkeit des letzten „Helden“. Um nicht ganz in die Klischeefalle zu tapsen, lässt der Autor seine Figuren erst einmal zusammenwachsen mit allen gängigen Nebenaktivitäten – zwei Männer verlieben sich in die gleiche Frau – und Nebenkriegsschauplätzen. Bevor er sich aber mit diesem Handlungsstrang ganz der Lächerlichkeit hingibt, trennen sich die Wege der Gefährten wieder: Asvin ist dabei, seine Helden-Ausrüstung zu komplettieren und begegnet dabei einigen äußerst merkwürdigen Gestalten: dem immer wieder in die selbe Falle tappenden Rebellen Rabin Ood – eine Würdigung Robin Hoods als indischer Freiheitskämpfer getarnt, wenn auch seltsam überzeugen und im Kontext der Handlung kontraproduktiv - oder einer Sphinx mit selten dämlichen Rätseln. Die Zauberin Kirin hingegen erfährt die wahren Hintergründe der Geschehnisse.
An dieser Stelle differenziert sich auch der Erzählstil: während Asvin der vor sich hin stolpernde Heldentolpatsch bleibt und damit wie eine eher unlustige Parodie auf Robert Asprins „Dämonen“- Saga ohne Skeeve daherkommt, entfaltet sich um Kirin fast schon ein "ernster" Fantasy-Erzählstrang. Das scheint etwas merkwürdig, funktioniert aber überraschend gut und liest sich flüssig. Auffällig ist, daß Busas ausgerechnet der Frau in der Gruppe mehr zutraut als den ansonsten in der indischen Folklore oft zu Unrecht heroisierten Männern.

Mit zum Teil treffendem Humor ohne albern zu werden arbeitet sich Busas in seinen nicht immer komplexen Stoff ein und bemüht sich auf den ersten zweihundert Seiten, einen exotischen, aber überzeugenden Hintergrund für die kommenden Ereignisse zu erschaffen. Diese Zielstrebigkeit geht zu Lasten der Lesbarkeit, denn erstens stürmen sehr viele Fakten auf den Leser ein und zweitens wirken die Namen der einzelnen Pro- oder Antagonisten nicht nur fremdartig, sondern verklausuliert und oft unnötig lang. Die klassischen Fantasy- Figuren wie Orks, Elfen oder Feen werden durch unreine Geister ersetzt und zumindest im ersten band wäre es hilfreich gewesen, ein kleines Glossar dem Leser hilfreich zur Seite zu stellen. Was den Band überraschend auflockert, sind immer wieder Ausflüge in die Satire. So gibt es zum Beispiel eine Heldenschule, an der einst tatsächlich mächtige Schwertkämpfer ausgebildet wurden, bei der es sich inzwischen aber nur noch um eine Art Verwaltungsakademie handelt.

Im Laufe des Buches erkennt der Leser den offensichtlichen Versuch, nicht unbedingt eine eigenständige Geschichte zu erzählen, sondern den Text als Würdigung der klassischen Helden oder Pulpfiguren zu gestalten, mit denen Basus wahrscheinlich aufgewachsen ist. Wenn ein verkappter Tarzan im Dschungel seinen Schrei ausstößt oder das Dschungelbuch fast wörtlich zitiert wird oder eine Szene an „Alice im Wunderland“ erinnert, erinnert diese Vorgehensweise an die deutlich besseren zitierten Texte. Im Gegensatz zu einem souveränen Autoren wie Philip Jose Farmer, der liebevoll die Figuren seiner Jugend – hier reicht das Spektrum ja auch von Pulpfiguren wie Tarzan, Doc Savage oder „The Shadow“ über „King Kong“ wie zu Jules Verns berühmten Fogg – persifliert und in exotische Abenteuer, die auch ohne diese Charaktere funktionieren könnten, integriert – wirkt die Geschichte trotz eines in der deutschen Übersetzung leicht und fließend zu lesenden Schreibstils manchmal schwerfällig und seltsam albern anstatt von lustig. Berücksichtigen muss der Leser, daß Basus beim Verfassen dieses Romans erst dreiundzwanzig Jahre alt gewesen ist und seine zum Teil positiv überfließende Phantasie in eine über weite Strecken interessante, wenn auch nicht innovative oder gar originelle Handlung gesteckt hat. Der Verlag packt ihn zu schnell mit dem Prädikat des indischen Terry Pratchett in eine Marketingschublade und macht es damit auch seinem Erstling schwer, ein Publikum zu finden, denn der Leser wird weder Schenkelklatschen noch bösartig- bissigen Humor finden. Es ist eine märchenhafte Handlung, die zum Teil mit den gängigen Klischees des Genres zu spielen sucht, zum Teil aber auch sich in dieser Umgebung wohl fühlt und warmherzig eine Fülle von zum Teil exotischen und überraschenden Ideen produziert.

Samit Basu: "Der letzte Held"
Anthologie, Hardcover, 524 Seiten
Piper Verlag 2006

ISBN 3-4927-0124-2

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