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Fantasy (diverse)



Luca Trugenberger

Damlo und der Weg zum Glück

rezensiert von Thomas Harbach

Obwohl der Piper Verlag die eher kommerzielle Heyne- Fantasy Reihe in sein intellektuelles und anspruchsvolles Programm integrieren musste, gelingt es den Verantwortlichen immer wieder, im Rahmen der ursprünglichen Struktur Texte für ein eher jugendliches Publikum zu veröffentlichen. Nach Peter S. Beagles „Das Zauberhaus“ oder Andreas Steinhöfels Neuveröffentlichung „Der mechanische Prinz“ erscheint mit der hier vorliegenden italienischen Fantasy- Geschichte um den sympathischen rothaarigen Außenseiter Damlo ein weiterer sehr empfehlenswerter Text. Mit Italien stellt der Verlag nach Spanien – Elio Barcelos „Das Geheimnis des Goldschmiedes“ und Ana Maria Matutes „Der vergessene König Gudu“ – ein zweites südeuropäisches Land im Bereich der Phantastik dem deutschen Publikum vor. Damit schließt sich der Bogen zum Heyne- Verlage. Neben den Romanen von Lino Aldani erschien dort eine sehr empfehlenswerte Anthologie italienischer Science Fiction.


Mit „Damlo und der Weg zum Glück“ aus der Feder des gebürtigen Schweizer Luca Trugerberg legt der Piper Verlag eine schöne Hardcoverausgabe seines ersten Romans vor. Nach seinem Medizinstudium arbeitete Luca Trugenberger einige Jahre als Schauspieler. Vielleicht rührt daher sein sehr gut lesbarer und unterhaltsamer Ansatz. Stilistisch fast zu simpel, aber immer wieder durch cineastische Szenen unterbrochen erzählt er das Schicksal des jungen Außenseiters Damlo Rotschopf. Zwischen 2003 und 2004 veröffentlichte er insgesamt drei Romane für ein jugendliches Publikum konzipiert. Obwohl er hauptberuflich als Psychotherapeut in Rom arbeitet und lebt, findet er die Zeit, eine weitere Trilogie – die so genannte Schattentrilogie - um den gleichen Charakter zu schreiben. Mit diesem Zyklus begann er schon im Jahr 2002, schob dann die anderen Roman dazwischen, und führt ab diesem Jahr seine Mischung aus Tom Sawyer und J.R.R. Tolkien mit ihrem epischen Entwurf fort. Dabei entspricht der Damlo Charakter nur oberflächlich Mark Twains Schöpfung, handlungstechnisch lehnt sich der Romane allerdings zu sehr an eine „Herr der Ringe“ /Hobbit Mischung an.

Trugenbergers „Held“ wächst in einem kleinen reizenden Dorf mitten in einem aus alten Bäumen bestehenden Wald auf. In diesen Bäumen wohnen zum Teil die Menschen. Die alten Sagen berichten von einer gemeinsamen Gründung des Dorfes durch einen Menschen und einen Drachen. Schnitzereien schmücken diese Geschichte aus. Damlo, gerade kurz vor seinem vierzehnten Geburtstag und damit einen Schritt zum Erwachsenen, wächst bei Tante und Onkel auf. Diese betreiben die örtliche Herberge. Damlo gehört zu einer kleinen Gruppe von Menschen mit feuerroten Haaren. Außerdem leidet er unter epileptischen Anfällen. Die meisten dieser Kinder werden selten älter als sieben Jahre. Darum sind seine Verwandten besorgt, dass er plötzlich sterben könnte. Von den anderen Kindern im Dorf wird er nicht nur wegen seines Aussehens, sondern auch wegen seiner eher schüchternen, zurückhaltenden Art gehänselt. Meistens zieht er sich in seine Phantasiewelt zurück. Körperlich ist er schnell und gewandt, um seinen jugendlichen Verfolgern zu entkommen. In seiner Vorstellung als strahlender Held besiegt er seine „Feinde“. Als er die Gruppe Jugendlicher einmal zu sehr provoziert, trifft ihn auf der Flucht ein Stein von einer Schleuder. Er versinkt in tiefe Bewusstlosigkeit. Tage später erwacht er meilenweit weg auf einem Wagen. Zwei kriegserfahrene Zwerge auf einer wichtigen Mission haben ihn unter dem Verdeck ihres Wagens gefunden und gesund gepflegt. Einer der beiden ist der Thronfolger des Königs der Zwerge. Als Damlo sich zu Fuß auf die Rückreise machen möchte, greift ein Rudel Wölfe an. Mit letzter Kraft besiegen die drei so unterschiedlichen Charaktere das Rudel Wölfe. Zukünftig wollen sie sich gemeinsam ihren Feinden stellen. Für Damlo ist es das ersehnte große Abenteuer, dem er mit einer gesunden Portion Optimismus, aber auch der Erkenntnis, dass „er Angst hat“ begegnet. Und diese so schwierige Gabe, die eigenen Grenzen trotz aller Hindernisse zu überwinden, wird ihm auf seinem zukünftigen Weg helfen.

Das Buch zerfällt im Grunde in verschiedene Teile. Handlungstechnisch zieht sich Trugenberger nach einem guten, atmosphärisch dichten Auftakt im wahrsten Sinne des Wortes auf alternatives Tolkien Gebiet zurück. Die dunklen Reiter entsprechen den schwarz gekleideten Schurken, die Zwerge mit ihrer geheimnisvollen Fracht könnten eine Inkarnation der beiden tapferen Hobbits darstellen, es finden sich Orks und sprechende Bäume, die Magie ist im Gegensatz zum „Herr der Ringe“ ausgerottet worden. Trotzdem wird der aufmerksame Leser den Verdacht nicht los, dass Damlo im Laufe seiner Entwicklung auch die gute Magie zurückholen kann. Die Diener der Finsternis sind zu bekämpfen und nicht umsonst steht im Mittelpunkt der Reise eine Quest. Trugenberger schafft es zwar mit seinem einfühlsamen Stil, seinen genauen, auf ein jugendliches Publikum abgestellten Beschreibungen und seinen zwischen den Zeilen dominierenden Ideen die Leser in seine „Welt“ zu ziehen, es bleibt aber immer eine gewisse Spur Unbehagen und negative Vertrautheit zurück.

Der zweite Teil ist die Welt, die auf der einen Seiten unendlich vertraut ist – Räuber, Könige und ausgestoßene Prinzen, tapfere ungewöhnliche Helden, ein auf den ersten Blick unbedeutendes Fundstück, dessen wahre Bedeutung sich erst im Laufe der Handlung und der beiden folgenden Bände herausstellt - in welche der Autor auf der anderen Seite aber sehr viele originelle Ideen integriert hat. So ist die Geschichte der Dorfgründung – die Liebesgeschichte zwischen einem Menschen und einem Drachen – nur ein kleiner Höhepunkt der vielen Nebenhandlungen. Gleich zu Beginn seiner Odyssee erhält der sagenfeste Damlo eine Auffrischung seines schon umfangreichen, aber theoretischen Wissens. Dabei zeichnet der Autor unauffällig, aber sehr effektiv ein hintergründiges Portrait seiner Welt. Auch das Verhältnis der „Menschen“ zur Natur – ihre Häuser vorsichtig in die Kronen der mächtigen Stämme gebaut, Bäume können zumindest zu Damlo sprechen, der unter ihren Wurzeln Schutz gesucht hat – hilft in erster Linie jugendlichen Lesern , ein entsprechendes Verständnis zu ihrer Umwelt zu gewinnen. Dabei verhält sich Trugenberger als angenehmer, unauffälliger Gastgeber. Seine Bösewichte sind laut und dreckig und gemein. Der Autor umgibt sie – wahrscheinlich unwillkürlich – mit der Atmosphäre des Schmutzigen im Gegensatz zum „reinen“ Damlo.

Der wichtigste Bestandteil der Geschichte ist allerdings der Charakter Damlos selbst. Schon seine kleine Statur und seine roten Haare stempeln sie zum Außenseiter. Er ist das Gegenteil eines klassischen Superhelden. Obwohl er in seinen Träumen ein Held ist und die Welt vor dem Dunkel retten möchte. Es ist davon auszugehen, dass er es wahrscheinlich in der deutlich später spielenden „Schatten“ Trilogie auch schaffen wird. Bestechend an diesem Buch ist das Einfühlungsvermögen, mit dem der Autor – sicherlich auch aufgrund seiner beruflichen Erfahrung – den Lesern seinen Helden nahe bringt. In einigen Situationen ist er überfordert. An anderen Stellen bemüht er sich, seine Krankheit in den Griff zu bekommen. Tragisch sind die Szenen, in denen er mit seinem bisherigen vierzehnjährigen Leben abrechnet und stolz auf das Wenige erreichte ist. Manchmal schreit der Junge einfach los, wenn er eigentlich kämpfen sollte, dann ist er wie gelähmt. In einigen wenigen Szenen wächst er über sich hinaus und möchte seiner neuen Familie – den beiden Zwergen – etwas von der burschikosen Liebe zurückgeben.

Das er mit der Entwurzelung – immerhin verlässt Damlo unfreiwillig seine Heimat – einen klassischen Themenzyklus der Jugendbuchliteratur aufgenommen hat, stört im Verlaufe der intelligenten und farbenprächtigen Hintergrundgeschichte wenig. Sehr überzeugend zeigt Trugenberger die Chancen und die Risiken dieser Veränderung auf. Da Damlo in seinem Heimatort keine Freunde finden konnte, macht er sich auf die „Suche“ nach ihnen. Ihm kommt seine Kontaktfreudigkeit und Neugierde zur Hilfe. Mit einer Mischung aus gesundem Selbstbewusstsein, der Erfahrung aus vielen alten Büchern und der Erkenntnis, dass er seine Angst überwinden kann, wächst er den Außenstehenden Betrachtern schnell ans Herz.

Störend ist das zurückdrängen der das erste Drittel des Buches beherrschenden märchenhaften Elemente zugunsten einer stringenten, aber eintönigen Fantasyhandlung. Allenfalls der Kampf gegen die Gruppe Wölfe durchbricht die sich entwickelnden Schemata im positiven Sinne. Besonders der Mittelteil mit der viel zu langen Reise und den oft kindisch wirkenden Klischees um die beiden so unterschiedlichen, doch herzensguten Zwerge wirkt aufgesetzt und konstruiert. Kaum erreicht Damlo sein Zwischenziel – die erste größere Stadt – nimmt der Handlungsbogen wieder Fahrt auf und unterhält deutlich geschmeidiger und abgerundeter.

„Damlo und der Wunsch ins Glück“ – hier erinnert sich der Leser unwillkürlich an ein altes, aber dummes Sprichtwort „es gibt nichts Gutes außer man tut es“ – weckt eine Reihe von Erwartungen, die vordergründig die hier präsentierte Handlung noch nicht erfüllen kann. Das ein „Held“ Angst hat, ist streng genommen auch nichts Neues. Viele gute Ansätze seiner Figur gehen im Laufe der Reise im wahrsten Sinne des Wortes verloren und aus dem sympathischen Außenseiter wird erstens ein Spiel der Ereignisse und zweitens ein gemäßigter jugendlicher „Fantasyheld“ mit körperlichen Defiziten. Selten helfen Damlo die Fähigkeiten, die er sich im Kampf gegen die jugendlichen Banden in seinem Heimatdorf angeeignet hat. Wenige emotionale Szenen widmet Trugenberger der Entwurzelung seines Charakters. Viel zu schnell gewöhnt er sich an die neue Situation.

Im Gegensatz zum popigen Titelbild der italienischen Originalausgabe spricht das optisch überzeugende Cover der deutschen Ausgabe eher eine ältere Leserschicht an. Auch für ihre anderen Jugendfantasybücher ist Piper diesen Weg gegangen. Die Diskrepanz zwischen dem eher als modernes Märchen zu deutenden Inhalt und der hier präsentierten Fantasygeschichte könnte Leser abschrecken, auch die beiden Folgebände zu kaufen. Trotz aller Schwächen gehört „Damlo und der Weg zum Glück“ zu den originelleren und lesenswerten Fantasy- Epigonen des „Herr der Ringe“. Für einen Erstling insbesondere im Bereich der Charakterisierung sehr gut geschrieben, sind die Abstriche eher in der H- Note zu finden. H wie in Handlung.

Luca Trugenberger: "Damlo und der Weg zum Glück"
Roman, Hardcover, 350 Seiten
Piper 2005

ISBN 3-4927-0101-9

Weitere Bücher von Luca Trugenberger:
 - Die Wege des Drachen 02. Das Siegel des Schicksals.

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