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Fantasy (diverse)



Garry Kilworth

Belagert die Sturmburg!

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Belagert die Sturmburg!“ legt der Piper Verlag zum ersten Mal im Taschenbuch den zweiten Band von Garry Kilworths ursprünglicher Trilogie „Gewiefte Wiesel“ vor.
In den letzten Jahren hat der Autor allerdings der Trilogie zwei weitere Bände hinzugefügt und es droht eine weitere Endlosserie. Bislang kündigte Piper die Veröffentlichung des dritten Bandes für das Frühjahr 2006 an. Ob die beiden anderen – oder weitere? – Romane folgen werden, steht noch nicht fest. Die Serie ist ursprünglich eher für ein jugendliches Publikum geschrieben worden. Die englische Originalausgabe richtet sich an Leseratten zwischen zehn und fünfzehn Jahren. Wie bei einigen anderen Veröffentlichungen des Verlages sprechen die gehobene Ausstattung und der Preis eher ein erwachsenes Publikum an. So ziert die Ausgabe ein schönes Titelbild von John Howe. Das das Buch mehrmals in die Nähe von Richard Adams „Watership Down“ gerückt wird, fällt es auf dem ersten Blick schwer, den Bogen zu phantastischer Literatur für Jugendliche zu schlagen.

In den letzten Jahren hat sich Kilworth einen sehr guten Namen als Autor von Tier- Fantasy Geschichten, oft für ein jugendliches Publikum konzipiert, erschrieben. In seinen Texten kritisiert er nicht vordergründig das menschliche Verhalten und nutzt die Tiere als bloße Imitationen der Menschen, sondern er karikiert mit einem Augenzwinkern die Arroganz und Selbstüberschätzung der Menschheit. Er überträgt diese nicht immer nur negativen Eigenschaften auf seine kleine Welt. In diesem Fall eine Insel, deren sie umgebende Deiche vom Meer bedroht sind. Da alle Tiere auf der Insel über keine Daumen verfügen und die Menschen vor vielen Jahren geflohen sind, versucht eine Gruppe von Aufständischen um das Wiesel Sylver die ungeliebten Menschen zurückzuholen. Dazu müssen sie einer Reihe von Hinweisen folgen. Der erste Band diente über weite Strecken als Exposition. Liebevoll führte der Autor die einzelnen, oft belustigenden kleinen „Kerle“ in die Handlung ein. Erst im Laufe des Buches zeichnete sich die gefährliche Mission für die ungewöhnliche Heldengruppe ab. Auch im zweiten Band der Serie bleibt er im Grunde diesem Konzept treu: neben der Quest bedroht eine Rattenarmee das Reich der Hermeline, denen die Wiesel dienen müssen. Im ersten Teil des umfangreichen Romans steht diese militärische Auseinandersetzung im Mittelpunkt des Romans, der zweite Teil nimmt den Faden mit der Suche wieder auf. Sylver erhält einen weiteren Hinweis, der ihn allerdings auf das Meer hinausführt.

Im Mittelpunkt steht allerdings die Belagerung der Hermelinburg. Die tapferen Verteidiger haben sich um ihren noch tapferen Prinzen Poynt und seinen außergewöhnlich begabten Sheriff gescharrt, um gemeinsam die Übermacht der Rattenarmee zumindest aufzuhalten. Obwohl sie keine Freunde sind, wollen die Wiesel den Eingeschlossenen helfen. Sylver schmuggelt in einem Husarenstreich Dank eines Pferdes die dringend benötigten Lebensmittel in die Festung. Er ging davon aus, dass ihm aufgrund seiner Tat Amnestie für seine „Verbrechen“ gewährt wird. Das Gegenteil ist der Fall. Der Prinz lässt ihn und seine Getreuen verhaften und foltern. Die Lebensmittel werden konfisziert und das Hermelinvolk muss weiter hungern. Ihnen gelingt die Flucht. Danach wenden sie sich wieder der Suche nach den Menschen zu und geraten unfreiwillig in die Hände von Prinz Poynts Bruder, einer Reinkarnation der dunklen Zeiten der Inquisition.

Wie im ersten Band bezieht der umfangreiche Roman seinen Reiz aus der ins Tierreich übertragenen, aber ansonsten gängigen Fantasy Geschichte. Dabei mischt Kilworth offensichtlich nicht nur die Legende von Robin Hood in einer phantastischen Inkarnation unter die Handlung, sondern variiert einige Motive aus der „Herr der Ringe“ Trilogie. Zu Robin Hood: die Wiesel sind Gesetzlose, haben aber ein Herz aus Gold. Sie überfallen die Hermeline in erster Linie mit Mut, Verstand und Geschick und nicht mit roher Gewalt. Auch wenn Kilworth auf überdrehte Situationen im Vergleich zum ersten Roman verzichtet, hat der Leser kontinuierlich den Eindruck, wie intellektuell überlegen die Gruppe um Sylver. Mit dem Prinzen und seinem Stellvertreter im Schloss – dem Sheriff – hat er zwei Karikaturen geschaffen, die Walt Disneys klassischem Zeichentrickfilm entsprungen sein könnten. Das eitle Prinzenhermelin, das seinen Untergebenen das Winterfell verbietet, weil es nur dem Adel zustehen sollte und der dumme, arrogante Sheriff. Ihnen schreibt Kilworth zwar die amüsantesten und im Grunde besten Szenen auf den Pelz. In dieser Situation liegt allerdings auch eine gewisse Problematik versteckt. Die beiden wirken in ihren Positionen eher lächerlich als gefährlich. Dadurch wird dem Roman auf der einen Handlungsebene eine gewisse Spannung entzogen.

Der Krieg gegen die Ratten dagegen erinnert an mittelalterliche Auseinandersetzungen. Sehr intensiv beschreibt der Autor die Belagerung der Feste und die Not der Einwohner. Das mit viel Ironie die magischen Ideen der Rattenzauberer – Schnecken und Läuse regnen vom Himmel – negiert werden, zeigt, wie sich Kilworth gegen die typischen Klischee des Fantasy- Literatur sträubt. Die brutale, bissige Rache der Ratten an ihren Feinden dagegen geht unter die Haut und steht in einem scharfen Kontrast zu den ansonsten eher leichten und witzigen Szenen.

Die Suche nach den Menschen ist dagegen über weite Strecken eine bekannte Handlungskonzeption. In erster Linie Kinder haben den Tieren wohl unbewusst Hinweise hinterlassen. Sylver und seine Freunde sammeln diese ein und versuchen sie mit Hilfe der erfahrenen Magier – wahrscheinlich die einzigen Tiere auf der Insel, die einen näheren Kontakt zu den Menschen hatten – auszuwerten. Dabei gerät die Gruppe in einer Reihe von unterschiedlichen spannenden Abenteuern. Im ersten Band hat Kilworth seine die Handlung tragenden Wiesel ausreichend charakterisiert. Darum baut er im zweiten Band auf diesem Gerüst auf. Trotzdem wirken einige Handlungen eher mechanisch. Viel öfter hätte Kilworth die oft vordergründig lustigen Szenen ausbauen müssen. Da der Kampf um die Festung und der Sieg über die Ratten verständlicherweise sehr viel Raum einnimmt, bleibt für die eigentliche Suche gegen Ende des Buches nicht viel übrig. Das Labyrinth unter der Sturmburg gehört zu den atmosphärisch besten Teilen des Romans. Negativ wirkt dagegen die Widerholung der Gefangennahme der Wiesel. In diesem Fall zwar durch Prinz Poynts Bruder, trotzdem schleicht sich beim Leser ein ungutes Gefühl ein, wenn ihm auf dem ersten Blick Situationen bekannt vorkommen. Dieser Teil der Quest hätte auch zu einem bislang unbekannten natürlichen Hindernis führen können und nicht unbedingt zu einer zweiten Festung. Trotzdem gelingt es Kilworth, ein wenig mit den Erwartungen seiner Leser zu spielen und neue Impulse zu setzen.

Als Gesamtarbeit wirkt das Buch konzentrierter und zusammenhängender in Szene gesetzt. Aus den homogenen Kapiteln ragen in erster Linie die parodistischen Szenen bei den gefangenen Hermelinen heraus. Negativ dagegen die vollkommen einseitige und mit sadistischen Zügen versehene Beschreibung der Rattenarmee und im Vergleich zum ersten Band die verblüffende Wandlungsfähigkeit der Hermelinführer. Bei der Belagerung der Burg geht das Eindringen der Wiesel sehr schnell, der Leser vermisst aber zur Auflösung dieser spannenden Szene eine originelle oder böse Wendung der Handlung. Die Obrigkeit erhält ihre Lebensmittel, die Guten werden in den Kerker geworfen und nichts weiter hat sich geändert. Hier wäre es sinnvoll gewesen, den Prinzen und seinen Helfershelfer noch eine Lektion zu erteilen. Im ersten Band musste der Sheriff nach einer misslungenen Aktion auf einem Floss wieder zurück zur Burg kommen. Dabei hassen Hermeline das Wasser. Mit einer gehörigen Portion Schadensfreude hat Kilworth diese Szenen beschrieben. Dieses befreiende Gefühl kann der zweite Band der Serie leider nicht anbieten.
Auf der anderen Seite wirken die sympathischen Figuren in einer inzwischen dem Leser vertrauten Umgebung natürlicher und dreidimensionaler. Kilworth spricht mit seinem Roman nicht nur ein jugendliches Publikum an. Viele ironische Spitzen sprechen eher ein älteres Publikum an.

Um die Serie abschließen zu beurteilen, fehlen noch mindestens drei Bücher. Die ersten beiden Romane der Serie sind unterhaltsame Wieselgarne und im Vergleich zu vielen anderen Fantasy- Geschichten originell, aber nicht langatmig. Auf diesen über vierhundertfünfzig Seiten erzählt Kilworth viele kleine Geschichten und zwei gleich gewichtete, übergeordnete Handlungsbögen. Und die Wiesel um den Rebellen wider Willen Sylver mit ihren Hermelin Gegenspielern ist unterhaltsam genug, um einige dieser Seiten spaßig, aber nicht albern zu füllen.

Garry Kilworth: "Belagert die Sturmburg!"
Roman, Softcover, 454 Seiten
Piper 2006

ISBN 3-4922-8594-5

Weitere Bücher von Garry Kilworth:
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