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Fantasy (diverse)



Luca Trugenberger

Die Wege des Drachen 02. Das Siegel des Schicksals.

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Das Siegel des Drachens“ liegt der zweite Band der „Die Wege Drachen“ Trilogie des in Rom lebenden Psychotherapeuten Luca Trugenberger auf Deutsch vor. Der erste Band der Serie ist noch als Hardcover erschienen. Der Hinweise „Premiere im Taschenbuch“ soll vermutlich überdecken, das sich inzwischen der Fantasymarkt insbesondere im Hardcover übersättigt ist und sich insbesondere neue Autoren in diesen wirtschaftlich härteren Zeiten schwerer verkaufen lassen. Der abschließende Roman der Trilogie erscheint im Frühjahr 2008 wiederum als Taschenbuch.

Der Herr der Angst beginnt wieder mit seinen Aktivitäten. Er benötigt einen willigen Helfer unter den Bewohnern der Welt. Dieser wird zu seinem ersten Helfer und soll später mit kaum begrenzbarer Macht belohnt werden. Im Allgemeinen gilt er als unbesiegbar. Zu seinen weiteren Werkzeugen gehören die Heere der Orks, die schwarzen Degen und die Trolle.

In der Auseinandersetzung mit dem allmächtigen Bösen kommt wie im ersten Band dem jungen, teilweise noch etwas naiven Waldbewohner Damlo eine entscheidende Rolle zu. Zusammen mit seinen Gefährten, zwei königliche Zwergen und einem Halbelf macht er sich auf, den letzten verbliebenen Turm der Zauberer aufzusuchen, und dessen Magister das magische Kleinod – einen Reißzahn eines Drachens. Mit Hilfe dieses Artefakts hofft man der Identität des ersten Dieners auf die Spur zu kommen. Unterwegs werden sie von Wolfsreitern überfallen und getrennt. Auf seinem Weg wird er verschiedenen Prüfungen unterworfen. Er lernt verwöhnte Händler kennen und entdeckt die Liebe für sich. Erst durch den vermeintlichen Verrat der Freunde kommt er zur Besinnung und macht sich wieder auf seinen beschwerlichen Weg.
Im ersten Band der Serie hielt sich Trugenberger an einen sehr geradlinigen, phasenweise sogar eindimensionalen Handlungsstrang. Damlo und seine Gefährten reisten überwiegend zusammen. Das ermöglichte es den Lesern, die einzelnen Figuren sehr intensiv kennenzulernen, nahm der Geschichte aber auch eine gewisse Spannung. Im folgenden Band fügt der Autor seinem Universum eine Reihe weiterer, sehr unterschiedlicher Figuren hinzu und versucht die Handlung so auf mehrere Schultern zu verteilen. Gleich zu Beginn des Buches versucht er, gleichzeitig die Leser des Erstlings in den Bann zu schlagen und gleichzeitig Neueinsteigern den Hintergrund der Geschichte sowie der einzelnen Protagonisten zu erläutern. Diese Quadratur des Kreises erschwert die Lektüre sichtlich. Der Handlungsbogen setzt unmittelbar am Ende des ersten Bandes wieder ein, wird dann allerdings in den Hintergrund gedrängt. Stattdessen versucht sich Trugenberger als Psychologe und setzt sich vollkommen unnötig mit dem Innenleben seiner Figur auseinander. Der erste Band lebte von der teilweise erfrischen Naivität, seinem ausgesprochen ausgeprägten Instinkt und den teilweise komisch bizarren Gesprächen zwischen Damlo und seinen Begleitern. Mit dieser Wendung der Perspektive nimmt der Autor seinem Buch sehr viel von seinem Charma und versucht es intellektuell gewichtiger zu machen als er wirklich sein muss. Erst mit dem Diebstahl seines Geldes ist Damlo wieder auf sich alleine gestellt und die Handlung entwickelt sich in gewohnten und teilweise aus anderen Fantasy- Werken bekannten Bahnen weiter. Weiterhin ist Luca Trugenberger nicht bereit, den Lesern das gesamte Szenario zu öffnen und die einzelnen Bestandteile fügen sich dadurch teilweise schwerfällig und manchmal auch wenig phantasievoll ineinander. Sicherlich ist der Mittelteil einer Trilogie der am schwierigsten zu schreibende Roman, aber ein wenig mehr Leichtigkeit und vor allem Originalität außerhalb der einzelnen Figuren wären empfehlenswert gewesen. Im ersten Band überzeugte das Wechselspiel zwischen der äußeren Handlung und der inneren Reifung Damlos sehr sehr gut. Im vorliegenden Band ignoriert und negiert Trugenberger teilweise diese Entwicklung. Viele der hier angesprochenen Szenen hätten besser in den ersten Band gepasst. Auf der anderen Seite wäre nicht mehr viel Handlungsstoff übrig gelieben.

Deutlich überzeugender sind die neuen Figuren, welche der Autor seinem Szenario hinzugefügt hat. Ticla ist die Tochter des Regenten. Natürlich ist sie ein intelligentes, temperamentvolles, manchmal dickköpfiges junges Mädchen. Sie spielt den Priestern Streiche, nimmt Fechtunterricht, klettert in Räume, in denen sie nichts zu suchen hat. Ein typischer Junge in einer Mädchenrolle. Von den neuen Figuren entspricht sie am meisten einem Klischee. Ganz bewusst hat Trugenberger die Figur entgegen Damlo angelegt, getreu dem Motto, das sich Gegensätze anziehen. Mit Ijssilien ist ihm eine Figur gelungen, welche wahrscheinlich viel öfter als man es zugeben will ihm in seiner beruflichen Laufbahn über den Weg gelaufen ist. Er ist ein bigotter Mann, der immer die Schuld bei anderen sucht. Insbesondere Frauen, die mit ihrem unsittlichen Benehmen die Männer reizen und selbst für die Folgen verantwortlich sind. Das er selbst mit seinem Emotionen und seinem Verhalten nicht zurecht kommt, ignoriert ist. Natürlich hasst er die unmoralische Ticla, die ihn immer wieder provoziert und versucht sie mit kleinlichen Intrigen und boshaften Anschuldigungen mundtot zu machen. Mit Norzak von Suruwo betritt der Diener des Schattens die Handlung. Wie so oft in diesen Romanen hat er sich unter einem falschen Vorwand als neutraler Beobachter an den Hof geschlichen und beginnt ebenfalls, gegen die herrschende Regierung zu opponieren, um das Chaos für seinen Herren zu nutzen. Dabei hat Norzak allerdings andere Vorstellungen und sieht sich selbst auf dem Thron, während der Herr der Schatten durchaus einen Krieg in dem kleinen Königreich gebrauchen könnte. Wer letzt endlich die Nase in diesem Machtspiel vorne hat, steht von Beginn an fest. Alleine der Weg gehört zu den interessanteren Passagen des Buches.

Alles in allem ist „Das Siegel des Schicksals“ eine durchschnittliche Fortsetzung. Obwohl stilistisch immer noch ansprechend geschrieben fehlt dem Roman der Charme des Originals. Einige Abschnitte sind sehr spannend und packend, dann wieder verfängt sich Trugenberger selbst in seinem Rahmen und bleibt an eher nebensächlichen Ereignissen hängen. Im Vergleich zum Auftaktroman fehlt ihm auch die Leichtigkeit, seine Figuren einfach „sein“ werden zu lassen und bemüht sich teilweise zu sehr, in ihren Handlungen die Motivation und das Ziel zu überdeutlich herauszustellen. Dabei nimmt er seinen Lesern die Freiheit, dem Geschehen unbefangen zu folgen. Der Roman baut noch genügend interessante Aspekte für den abschließenden Band der Trilogie auf und als Ganzes betrachtet liest er sich unterhaltsam flott, aber für den Abschlussband sollte und muss sich Trugenberger deutlich steigern.



Luca Trugenberger: "Die Wege des Drachen 02. Das Siegel des Schicksals."
Roman, Softcover, 412 Seiten
Piper Verlag 2007

ISBN 3-4922-6634-7

Weitere Bücher von Luca Trugenberger:
 - Damlo und der Weg zum Glück

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