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Fantasy (diverse)



Sean Stewart

Der schwarze Dolch

rezensiert von Thomas Harbach

Im Gegensatz zum magischen Realismus, den Sean Stewart mit seinen neueren Romanen - zu denen auch der bei Piper ebenfalls erschienene "Hexensturm" geh√∂rt - anstrebt, handelt es sich bei "Der schwarze Dolch" im klassische Fantasy f√ľr ein eher jugendliches Publikum. Mit einem sch√∂neren Titelbild erschien der Roman Anfang 2003 zum ersten Mal im Hamburger Argument-Verlag in Deutschland. Das Piper Taschenbuch stellt - geht man vom Satzbild aus - eine unver√§nderte Neuausgabe.



Das Buch beginnt dort, w omeistensalleM√§rchenenden.DerjugendlicheHeld erk√§mpft sich einen Weg durch den Geisterwald in die magische rote Festung, holt einen wichtigen Gegenstand, f√ľr den alle vorherigen Helden des Reiches auf der obligatorischen Quest ihr Leben gelassen haben und deren Ruhm auf diversen dekadenten Feiern von sturzbetrunkenen H√∂flingen angebetet wird , bringt ihn Heim zum K√∂nig, heiratet dessen nicht sch√∂nste und nicht kl√ľgste, sondern einfach unverheiratete dritte Tochter und k√∂nnte bis ans Lebensende gl√ľcklich leben.



Hier beginnt nun nach denerstenf√ľnfzigSeitendereigentlicheRoman.Der satirische Eindruck, den die kurze Zusammenfassung erweckt, muss relativiert werden. Kursiv gedruckt finden sich im Roman immer wieder unterhaltsame und gut geschriebene Seitenhiebe auf die Institution Ehe / Partnerschaft, auf die machohaften Helden, die affektierten H√∂flinge und schlie√ülich eine Reihe von inneren Kommentaren, die der Held auf seiner ewigen Suche nach Frieden, Wohlstand und Sex manchmal zutreffend, √∂fter unzutreffend und st√∂rend als innere Rede von sich gibt. Da die meisten f√ľr ein junges Publikum geschriebenen B√ľcher den Reifeprozess behandeln, hat Stewart diese ungew√∂hnliche stilistische und sprachliche Ebene gew√§hlt, um auf moderne Art belehrend zu unterhalten. Damit distanziert er sich nicht von seinem Publikum, l√§dt sie aber leider auch nicht ein, √ľber die beschriebenen Situationen nachzudenken. Zu oft bleibt die Distanz zwischen Protagonisten und Betrachter bestehen. Zu unmodern und manchmal gezwungen m√§rchenhaft wirken die Beschreibungen. In seinen sp√§teren B√ľchern kann Stewart diese Klippen eleganter mit einer modernen Geschichte, die Fantasy Elemente enth√§lt, umschiffen.





Es geht Stewart nicht darum, eine weitere lustige phantastische Kom√∂die zu erz√§hlen, ernst und gesetzt berichtet er wirklich vom Schicksal eines Helden nach Abschluss seines angeblich gr√∂√üten Abenteuers. Geschickt berichtete Stewart, wie er eine Beziehung zu der Frau aufzubauen sucht, die ihn heiraten musste. Interessant sind die Passagen, in denen sich der unbedarfte und grundehrliche Held mit der internen Politik am K√∂nigshaus und der Verachtung auseinandersetzen muss, die ihm als Neuer und Empork√∂mmling entgegenschl√§gt. Die lesenswertesten Abschnitte des Romans schildern die innere Leere, die er zu f√ľllen hat, nachdem er seine sich selbst gesetzten Ziele erreicht hat. Das Leben geht schlie√ülich danach weiter. Es fehlt nur noch eine Hymne auf die glorreichen Helden, die an ihren Wunden nach Erreichen des Zieles in den Armen der sch√∂nen Frauen gestorben sind. Diese kurzlebigen Sternschnuppen hatten es auf jeden Fall leichter als mancher mit einem z√§nkischen Eheweib geschlagener Ritter.



In den oft in einem m√§rchenhaften Stil beschriebenen Passagen erzeugt der Autor eine intensive fremdartige Atmosph√§re, immer ein Auge auf seine klare Absicht gerichtet, die Geschichte eines jungen Mannes zu erz√§hlen, der auch gegen seinen Willen erwachsen werden muss. Im Vergleich zu einer Reihe anderer auf ein Jugendliches Publikum ausgerichteter Geschichte gibt es keine rettende Magie, keine magischen Kr√§fte und keine einfachen Happy- Ends. Intensiv beschreibt der Autor den Augenblick, in dem der Held realisiert, dass die eigentliche Tat nur der kleinste Bestandteil einer l√§ngeren Kette ist, in deren Mittelpunkt das Leben eines jeden einzelnen steht. Stewart l√§sst nicht morden, er sucht logische und allgemeinverst√§ndliche L√∂sungen f√ľr die Konflikte, f√ľr die Herausforderungen und f√ľr die Helden, die in dieser Zeit eigentlich niemand mehr braucht. Mit dem Protagonisten zusammen erkennen die Leser, dass das oft vorangestellte "und sie lebten fortan gl√ľcklich und zufrieden" eine Illusion ist, die Realit√§t deswegen aber nicht schlechter sein muss und ist. Mit einem rauen, ungehobelten, aber bauernschlauen Helden hat Stewart eine Figur geschaffen, mit der sich insbesondere heranwachsende Leser besser identifizieren k√∂nnen. Genau wie sein Publikum erschauert der Ritter von eigenen Gnaden vor dem Zauber der Frauen. Wie mancher Leser kann er mit Sex sehr wenig anfangen und wird deswegen von der erfahrenen Prinzessin mehr als einmal an der Nase herumgef√ľhrt.



Im Original hat Sean Stewart seinen Charakteren einen gewissen Dialekt in den Mund gelegt. Hannes Riffel hat sich bem√ľht, das sprachlich auf deutsches Niveau umzusetzen. Stilistisch wirken sowohl das Original als auch die deutsche √úbersetzung m√§rchenhaft steif und insbesondere das umfangreiche erste Kapitel fordert vom Leser notwendige Geduld. Stewart bem√ľht sich, seinen Protagonisten dem Betrachter mehr durch seine Handlungen als Beschreibungen n√§her zu bringen. Das gelingt ihm nur zum Teil. Erst wenn man erkennt, dass der Kern der Geschichte eine Entwicklungsstory ist, √∂ffnet sich der Vorhang der hier beschriebenen B√ľhne ein kleines St√ľck weiter und l√§dt den Leser ein, an der abenteuerlichen, unterhaltsamen und stellenweise lustigen Geschichte teilzunehmen.



Nicht ganz so offensichtlich ein Buch f√ľr die j√ľngere Generation wie Andreas Steinh√∂fels "Der mechanische Prinz" oder Peter S. Beagles "Das Zauberhaus" aus dem gleichen Haus, aber eine interessante, lesenswerte Geschichte, ein Buch, das nicht auf den ersten Blick seine Leser einl√§dt und ihnen einen Tisch voller Gaben pr√§sentiert, aber eine Geschichte, die einem langsam ans Herz w√§chst und die eher an das Leben als an Fiktion erinnert.

Sean Stewart: "Der schwarze Dolch"
Roman, Softcover
Piper 2005

ISBN 3-4922-6564-2

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