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Fantasy (diverse)



Peter S. Beagle

Das Zauberhaus

rezensiert von Thomas Harbach

Obwohl Peter S. Beagles Name unsterblich mit seinem Roman Das letzte Einhorn verbunden bleiben wird, ist sein kleines, aber feines Oevre darüber hinaus lesens- und entdeckenswert. Der 1939 in New York geborene Beagle schreibt seit den sechziger Jahren. Von seinen bislang acht Romanen und Kurzgeschichtensammlungen erschienen allerdings fünf in den neunziger Jahren. Nach dem Ausflug in die klassische Fantasy mit den beiden Werken The Innkeeper´s Song und Giant Bones schließt sich der Kreis mit diesem schon 1999 in Amerika erschienen Buch , denn einer von Beagles ersten Romanen - A fine and private Place- ist auch eine Geistergeschichte.

Die Ich-Erzählerin dieses Buches ist die dreizehnjährige in New York lebende Jenny Gluckstein. Wie scheinbar jeder normale Teenager dieser Stadt raucht sie Pot, ihre Eltern sind geschieden und ihre Mutter neu verliebt, dazu hat sie einen Hauskater. Während sie ihre Mutter zu wenig versteht - und diese verzweifelt versucht, eine Kommunikationsebene zu der dickschädeligen Jenny aufzubauen, verstehen sich Kater und Jenny zu gut. Wer jetzt meisterliche Dialoge wie in Beagles He!Rebeck - vielleicht seinem reifsten Roman - zwischen Tier und Mensch erwartet, wird bitterlich enttäuscht. Zu zuckersüß und oberflächlich ist das Verhalten der Beiden. Selbst als der Kater ihr einmal wahrscheinlich im Laufe der turbulenten Geschehnisse das Leben rettet, springt der Funke nicht auf das Publikum über.

Der Freund von Jennys Mutter ist Biologe und erhält in England den lukrativen Auftrag, auf einer abgeschiedenen Farm den Boden zu kultivieren. Der Schock, aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen zu werden, lässt Jenny erstarren. Aus der Großstadt aufs Land.

Die Entwurzelung ist eines der wichtigsten Themen bei den Büchern für junge Erwachsene. Entweder verändert sich die vertraute Umgebung oder der im Mittelpunkt stehende Jugendliche wird gezwungen umzuziehen. Die Anpassung an die neuen Umstände nehmen dann in viel zu vielen Romanen einen zu breiten Raum ein. Beagle scheint kapitelweise auch in diese Falle zu laufen, doch viele der dann so typischen und klischeehaften Reifeschocks federt er mit seinem meisterlichen Stil und seinen skurilen Einfällen geschickt ab.

Das beginnt schon beim Aufbau der Geschichte. Erlässt Jenny die Geschichte als Neunzehnjährige erzählen und mehr als einmal rümpft sie rückblickend über sich selbst die Nase. Neunzehn ist noch nicht das Alter eines Erwachsenen und so hält Beagle geschickt die Beziehung zu seinem jugendlichen Lesepublikum aufrecht, das einen älteren Erzähler nicht ohne die üblichen Vorurteile gegenüber Erwachsenen akzeptiert hätte. Die in Selbstgespräche schriftlicher Art ausufernden Passagen steigern den Unterhaltungswert dieser im Kontext des Gesamttextes zu langen Passagen ungemein.

Auf dem Land und in England angekommen, lernt Jenny schnell zwei Mädchen in ihrem Alter -zumindest auf den ersten Blick ihrem Alter - kennen: eine junge Indinerin Meena und Tamsin, den Geist des Hauses. Je mehr sie sich mit der jung vor mehr als dreihundert Jahren gestorbenen jungen Frau auseinandersetzt, desto mehr erkennt sie, dass Vergangenheit und Gegenwart immer noch verbunden sind und zumindest eine Gefahr für Tamsin - und wahrscheinlich auch Jenny - manifestiert. Über den Anderen viel zu schreiben, hieße wichtige Plotelemente zu offenbaren. Das Zauberhaus bietet weniger Handlung, aber dafür mehr Gefühl. Der Leser muss selbst die einzelnen Verbindungen entdecken.

In seinen bisherigen Romanen lag Peter Beagles Stärke in der Kombination der realistisch beschriebenen Gegenwart mit dem Übernatürlichen. Dabei griff er nicht auf die in der Literatur vorherrschenden Klischees zurück, sondern entwickelte eigene Figuren. Bis das Magische in diesem Buch in die Handlung eindringt , dauert es sehr lange, fast schon zu lange. Jenny gibt in ihren Aufzeichnungen immer wieder Hinweise, doch der Leser vermisst den Übergang in diese andere Welt. Hinzu kommt die Schwäche des Ich-Erzählers. Man weiß, dass Jenny nicht viel passieren kann.

Das Zauberhaus ist als Geschichte für Jugendliche konzipiert . Die Periode des Erwachsenenwerdens mit ihren Schwierigkeiten aber auch Chancen wird nur durch Jennys oft fehlerhafte aber amüsante Aufzeichnungen ihrer Erinnerung erträglich. Viele Jugendbuchautoren verwechseln immer noch Geschichten für junge Leute mit Geschichten mit jungen Leuten. Sie versuchen ihren Lesern auf den Zahn zu füllen und vergessen den Sense of Wonder. Nur wenige Autoren erreichen mit ihren Werken auch wirklich die Stimmung der Jugendlichen. Oft krampfen sie sich durch pupertäre Seelenlandschaften, die sie selbst nicht mehr verstehen.

Peter S. Beagle korrigiert diesen konzeptionellen Fehler dramatisch und voller Bravour. In der Sekunde, in der Jenny den verschiedenen magischen Kreaturen begegnet, brennt der Autor ein Feuerwerk von Ideen ab. Sie kumulieren in einem furiosen Höhepunkt mit einer dann verblüffend simplen aber schönen Auflösung.

Auf dem Weg dahin muss Jenny z.B. mit einem Boggart auf sympathisch witzige Art verhandeln und erkennen, was er am ehesten braucht. Der gestaltswandelnde Pooka wirkt auf den ersten Blick unsympathisch und verschlossen. Er entpuppt sich aber schließlich als einer der wichtigsten Helfer und weiser Ratgeber. Seine Hinweise sind nicht einfach zu entschlüsseln, doch stellen sie die unterhaltsamsten Passagen des Buches dar. Andreas Brandhorst hat sich mit diesen Figuren bei der Übersetzung alle Mühe gegeben, aber das Stuart Englisch, das sie sprechen, ist kaum passend ins Deutsche zu übersetzen. Darum ist der Kontrast zwischen Jenny und den einzelnen Kreaturen der Nacht im Vergleich zum Orginal nicht so einprägsam.

Beagle als einer der herausragenden Stilisten des Genres verbirgt seine erzählerische Klasse und Tiefe über weite Strecken des Buches. Das ist insoweit schade, als dass er bei einer besseren Komposition des Gesamttextes ein herausragendes und nicht nur ein überdurchschnittliches Buch geschrieben hätte.

Obwohl er den Handlungsort Dorset nie wirklich besucht hat, gelingt es ihm in den Beschreibungen, dass Land Thomas Hardys vor den Augen der Leser entstehen zu lassen. Im Gegensatz zu den Geistern, die den New Yorker Friedhof in A fine and private Place bevölkerten, finden Autor und Leser einen breiten Fächer unterschiedlichster Kreaturen vor. An die Qualität seiner ersten Geistergeschichte reichen die zum Teil unheimlichen Passagen leider nicht heran.

Warum der Piper Verlag das Buch allerdings als Fantasy herausgebracht hat, obwohl Beagle den Text in der Form klassischer Haunted House Geschichten konzipiert und geschrieben hat, wirft Fragen auf.

Das Zauberhaus ist zu Beginn ein typischer und flacher Roman für junge Erwachsene, in dessen Herzen sich eine andere Welt befindet. In dem Augenblick, in dem der Übergang gelingt, beginnt die Geschichte auch den erwachsenen Leser in ihren Bann zu ziehen und aus dem Wasser wird ein feiner Wein. Spät, aber nicht zu spät.

Peter S. Beagle: "Das Zauberhaus"
Roman, Softcover, 360 Seiten
Piper 2004

ISBN 3-4922-6536-7

Weitere Bücher von Peter S. Beagle:
 - Das letzte Einhorn und Zwei Herzen
 - I see by my Outfit

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