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Fantasy (diverse)



Elia Barcelo

Das Geheimnis des Goldschmiedes

rezensiert von Thomas Harbach

Die spanische Autorin Elia Barcelo gibt mit dieser handlichen, schön gestalteten Hardcoverausgabe ihr "Romandebüt" in Deutschland. Nach einer lesenswerten Kurzgeschichte in Andreas Eschbachs Anthologie "Eine Trillionen Dollar" entspricht der hier vorliegende Text mit knappen 90 sehr großzügig bedruckten Seiten eher einer Novelle. Aber der klassischen Definition eines guten Gastes folgend packt die in Österreich lebende Spaniern sehr viel Klasse zwischen die Seiten. Die im Jahr 2003 entstandene Geschichte ist ihr achter Roman, davon drei für Jugendliche. Daneben schrieb sie eine Reihe von mit nationalen Preisen ausgezeichnete Kurzgeschichten für diverse Science Fiction Magazine in Spanien. Die Mutter von zwei Kindern, mit einem Österreicher verheiratet, unterrichtet in Innsbruck spanische Literaturgeschichte.

Eine emotional anrührende Geschichte, entspricht die Handlung einer Art Fantasy Variante von Niffeneggers "Die Frau des Zeitreisenden". In beiden Texten geht es um die Liebe. In Niffeneggers Roman fällt ein Mann durch die Zeit, lernt die große Liebe seines Lebens in unterschiedlichen Phasen ihres Heranwachsen und ihrer geistigen Entwicklung kennen und trotz aller Schwierigkeiten erleben sie eine kurze Zeit des Glücks. In Barcelos Geschichte möchte der Erzähler noch einmal auf der Durchreise an den Ort seiner einzigen, seiner größten Liebe zurückkehren und erlebt ohne nähere Erläuterung als Katalysator der kommenden Ereignisse diese Momente ein zweites Mal. Oder zum ersten Mal ?

Der Ich-Erzähler, ein Goldschmied, erfährt erst später die wahre Bedeutung von Celias bösem Spitznamen - die schwarze Witwe. Als neunzehnjähriger Junge sieht er die Freundin seiner Mutter zum ersten Mal wie neuen Augen. In einem Kino. Sie wird ihn kurze Zeit darauf verführen, weil sie in ihm einen anderen Mann sieht, ihn drei Monate leidenschaftlich an sich fesseln und dann verstoßen. Für einen Unbekannten, der in das kleine spanische Dorf einfällt, mit Dollars um sich schmeißt und einen Tag vor der Hochzeit Celia verlassen wird.

Dieser Mann -der sich als der Ich-Erzähler herausstellt - hat nur einen Wunsch, Celia noch einmal zu sehen, vielleicht sogar sie noch einmal zu lieben. Im Laufe der Geschichte kristallisiert sich ihr Wunsch heraus: Auf der Spitze des Empire State Buildings ihrem Liebhaber erneut zu begegnen. 1973 reiste sie nach New York, doch kehrte einsam in ihre alte Heimat zurück. Ihr Liebhaber blieb verschwunden.

Elia Barcelo lässt bewusst offen, ob die Geschichte ein Traum oder eine phantastische Realität ist. Sie beantwortet keine Fragen, sie stellt keine einfachen Lösungen in den Raum. Ihre Charaktere müssen mit dem selbst gewählten Schicksal leben. Auch die Reise in die Vergangenheit ist keine Offenbarung. Nichts ändert sich, im Gegenteil die vernarbten Erinnerungen brechen durch die erneute Begegnung wieder auf.

Erstaunlich ist die mangelnde Charakterisierung der Figuren. Liest man die Geschichte ein zweites Mal, erkennt der Leser, wie sehr sich die eigenen Vorstellungen in den Vordergrund schieben, sich Bilder aus der Vergangenheit aufdrängen - eine Jugendliebe, ehemalige Freundinnen oder Frauen, bei den weiblichen Lesern der erste Freund, der erste Kuss - und die Figuren dreidimensionaler erscheinen lassen. Die Autorin bleibt bei ihren Figuren unwillkürlich vage. Und doch wirken sie verletzlich, verzweifelt auf ein Wunder hoffend und natürlich. Insbesondere Celia entsteht mehr durch die Beschreibung ihrer Freude und Neider als ihre eigenen Handlungen.

Je unerreichbarer diese Liebe zu sein scheint, um so mehr beharren die beiden so ungleichen Menschen auf ihren Zielen. Der junge Goldschmied und die ältere Celia bilden den gleichen Gegensatz wie die junge Celia dem gealterten Goldschmied gegenüber. Einmal schildert die Autorin kraftvoll die Ereignisse aus der Sicht des verliebten ungeduldigen jungen Mannes, der seinen Widersacher- sein anderes Ich am liebsten töten möchte- und dann aus dem geläuterten, aber nicht weniger emotionalen Blickwinkel des alten Manns. Beide Beziehungen sind in diesen Konstellationen zum Scheitern verurteilt und doch für die beteiligten Personen
wichtig und schön. Auf die große Liebe kann und sollte man ein Leben lang warten, sie komplettiert einen Menschen erst. Trotzdem beinhalten diese Geschichten unmöglicher Liebe immer romantische und tragische Elemente zu gleichen Teilen. Oft ist es für Autoren schwierig, die Gradwanderung zwischen echten Gefühlen und Kitsch dem Leser glaubwürdig zu vermitteln.

Durch den knappen, fast schon zu kurzen Text umschifft die Autorin geschickt viele klassische strukturelle Fallen und beleuchtet facettenreich den kurzen Zeitraum , in dem die Liebe in einem erzkonservativen Land Wunder bewirken kann.

Die kurze Geschichte an sich ist durch die Nutzung der verschiedenen Zeitebenen sprachlich anspruchsvoll, intelligent konstruiert und mit einem unglaublichen fast schon musikalischen Rythmusgefühl ausgestattet.

Die Handlung gleitet sanft dahin und doch überschlagen sich auf emotionaler Ebene die Ereignisse. Sie verbindet die einzelnen Ebenen zu einer märchenhaften Geschichte, dem Wunder einer Nacht. Und so überrascht es den Leser auch nicht, dass die Geschichte nur in einer einzigen Nacht und an einem einzigen Ort enden kann: In der Silvesternacht 1999 auf 2000 und "Ich werde auf diese Dachterrasse gehen, wo sie mich an Weihnachten 1973 gesucht hat, und werde, die Augen verschlossen vor dem Schnee, den Lichtern und dem Feuerwerk auf das Wunder warten". Der Leser muss für sich selbst entscheiden, ob er auch an das Wunder glaubt.

Die Liebesgeschichte entzieht sich jeder Logik und -ähnlich wie "Die Frau des Zeitreisenden" erlaubt diese stringente Handlung keine tiefer gehende Analyse. Vom wissenschaftlichen Ansatz her ist die Begegnung mit seinem eigenen Ich in der Vergangenheit ein Thema das Bände füllt. Das interessiert weder die Autorin noch stellvertretend Celia. Sie hat einen Augenblick das Glück, ihrer wahren, ewigen Liebe zu begegnen und für kurze Zeit aus dem tristen Alltag des kleinen spanischen Dorfes zu entfliehen. Danach schließen sich die Türen wieder.

Diese Elemente fängt die Autorin glänzend in dieser kurzen Geschichte ein. Es geht ihr um menschliche Schicksale und die SF Elemente sind nur der Aufhänger für einen Traum, einen Wunsch. Die Liebesgeschichte nimmt ihren Anfang in einem Kino und für alle endet sie vor der großen Leinwand des Lebens. Was will man als Leser mehr ?

Elia Barcelo: "Das Geheimnis des Goldschmiedes"
Roman, Softcover, 96 Seiten
Piper 2004

ISBN 3-4920-4626-6

Weitere Bücher von Elia Barcelo:
 - Das Rätsel der Masken
 - Das schwarze Brautkleid
 - Die Stimmen der Vergangenheit
 - Töchter des Schweigens

Leserrezensionen

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