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Fantasy (diverse)



Thomas Finn

Der eisige Schatten- Chroniken der Nebelkriege II

rezensiert von Thomas Harbach

„Der eisige Schatten“ ist der zweite Band der Trilogie „Die Chroniken der Nebelkriege“ - ein Fantasy- Jugendbuchabenteuer - des Hamburger Schriftstellers Thomas Finn. Insbesondere „Das unendliche Licht“ konnte durch einen gut gezeichneten Hintergrund ĂŒberzeugen. Mit der Stadt Hammaburg eindeutig als Hamburg zu identifizieren hat der Autor seiner Wahlheimat wie in „Der Funke des Chronos“ ein literarisches Denkmal gesetzt. Die Beschreibungen des alltĂ€glichen Lebens in einer fiktiven und doch zumindest historisch vertrauten Stadt gehörten zu den besseren Passagen des zum Teil fĂŒr ein jugendliches Publikum zu einfach geschriebenen ersten Buches. Da der Autor im Mittelteil seiner Serie auf jegliche Exposition verzichten kann, beginnt er die Handlung gleich mit einem Paukenschlag und bemĂŒht sich, das handlungstechnische Tempo sehr hoch zu halten und trotzdem seine Figuren weiter zu entwickeln.

Nach den turbulenten Ereignissen des ersten Buches scheint in Kais Leben wieder Ruhe eingekehrt zu sein. Sein Magister Eulertin ist in sein DĂ€umlingsdorf gereist und lĂ€sst Kai alleine in Hammaburg zurĂŒck. Diesem erscheint die Feenkönigin Berchtis und will Eulertin zusammen mit Kai ins Feenreich zu einem Treffen aller Magierkundiger einladen.

Bevor sich Kai aber auf den Weg machen kann, um Magister Euertin zu berichten, wird er vom Klabauter Koggs Windjammer und der Elfe Fiadora abgeholt. Auf der See hat man ein völlig vereistes Schiff gefunden. An Bord sind alle SeemĂ€nner gestorben, nur der Elf Gilraen hat erschöpft ĂŒberlebt. Die Legende berichtet von einem dunklen Magier namens Morgoyas, der seine Feinde mit Eis ĂŒberzieht.

Anschließend machen sie sich in einer von geflĂŒgelten Pferden gezogenen Kutsche auf den Weg zu Magister Eulertin ins DĂ€umlingsdorf Sperberlingen. Als die Gruppe nun endlich vollstĂ€ndig ist, brechen die GefĂ€hrten ins Feenreich auf, nur um festzustellen dass sie zu spĂ€t kommen: Das gesamte Feenreich ist mit Eis ĂŒberzogen und Berchtis erstarrt. Haben Morgoyas Schergen schon das Festland erreicht?

Wie im ersten Teil seiner Serie ist Thomas Finn sehr routiniert bei der Komposition des Buches vorgegangen. Gleich zu Beginn mit dem von Eis ĂŒberzogenen Schiff unterstreicht er die dunklere Stimmung des zweiten Buches. Mit einer kleinen Episode leitet der Autor schließlich auf die grĂ¶ĂŸere Bedrohung ĂŒber. Der Leser kann sich an Bord des Schiffes einen ersten Eindruck von Morgoyas KrĂ€ften machen. Nach diesem dunklen Auftakt erfolgt die fast obligatorische Reise, bis die kleine GefĂ€hrtentruppe wieder zusammen ist. Auf dem Weg dahin wird Kai und seinen Freunden mehrmals ĂŒbel mitgespielt. Dabei bemĂŒht sich Thomas Finn, auf der einen Seite den Gesetzen des Genres treu zu bleiben und im ĂŒbergeordneten Sinne nicht allzu viele Ausreißer zu prĂ€sentieren. Es sind eher die Details, die seinen Roman lesenswert machen. Das beginnt bei der DĂ€umlingsstadt, eine ruhige, mĂ€rchenhafte Passage ĂŒber die gruselige Etappe im Nachtschattenturm und endet bei dem alten Drachenkönig. Insbesondere hier spielt der Autor mit den Erwartungen des Lesers, es deutet alles auf eine Verantwortung des alten Drachenkönigs, der sich schließlich ebenfalls als Opfer entpuppt. Von der Actionseite ist der Luftkampf zwischen den geflĂŒgelten Pferden und den Drachen der Höhepunkt des Buches.

Auf der anderen Seite macht es sich Thomas Finn an einigen Stellen auch zu leicht. Er fĂŒgt seinem Konzept außerhalb des originellen Hintergrunds wenige wirklich neue Ideen hinzu. Das Spektrum der bekannten Szenarien reicht eben von der Nibelungensage ĂŒber Anspielungen auf den „Herr der Ringe“ – insbesondere das Misstrauen zwischen den Zwergen und den Elfen – zu neueren Werken wie „Eragon“. Auch Kai als SchlĂŒsselfigur wird viel zu sehr in den Mittelpunkt der Handlung gerĂŒckt. Die Idee, das wieder ein „unschuldiger“ Junge aufgrund seiner einmaligen FĂ€higkeiten als letzter seiner Art schließlich die bekannte Welt retten wird, ist zu oft verwandt worden, als das ein Autor ihr wirklich noch etwas Originelles abgewinnen kann. Hier wĂ€re es empfehlenswert gewesen, gegen die bekannten Klischees zu schwimmen und Kai zumindest zeitweise in den Hintergrund zu rĂŒcken bzw. mit seinen FĂ€higkeiten scheitern zu lassen. Außerdem bietet Thomas Finn fĂŒr einen Roman mit mehr als fĂŒnfhundert Seiten Handlung zu wenig wirkliche Handlung an. Stellenweise wĂ€re es sinnvoller gewesen, die guten Beschreibungen zurĂŒckzufahren und das eigentliche Geschehen voranzutreiben. RĂŒckblickend bietet der Autor sobald die Handlung zu langweilig zu werden droht immer eine gute Idee oder eine packende Szene an, aber als Ganzes betrachtet kommt insbesondere die ĂŒbergeordnete Thematik der gesamten Trilogie nicht weiter voran und am Ende des Buches ist der Lesers gut unterhalten, aber nicht unbedingt schlauer. Hier wird Thomas Finn vor allem im letzten Band Gas geben mĂŒssen, um nicht am Ende des Romans und damit der Serie abrupt die TĂŒr seiner Welt abschließen zu mĂŒssen.

Der Auftakt des Buches ist eine nicht unbedingt glĂŒckliche Hommage an Walt Disneys „Der Zauberlehrling“. Die Akzeptanz durch den Leser erfolgt eher zĂ€hneknirschend als auch voller Überzeugung.
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Thomas Finns „Der eisige Schatten“ kann ohne einen zumindest implizierten Ausblick auf den letzten Band nicht schließen. Trotzdem hat der Betrachter nicht das GefĂŒhl, nur einen typischen Mittelband gelesen zu haben. Handlungstechnisch wenig originell, aber zumindest flott entwickelt mit einem sehr ĂŒberzeugenden Hintergrund bemĂŒht sich der Autor, dem Leser insbesondere die Protagonisten des ersten Buches noch nĂ€her zu bringen. Wie sehr sich der Autor in seine eigene Welt verliebt hat, wird an den vielen Details deutlich, die er immer wieder einstreut, ohne den eigentlichen Spannungsbogen zu unterbrechen. Dazu ist er sich nicht zu schade, insbesondere lockere Ideen und Nebenhandlungen schließlich am Ende ĂŒberzeugend in den Hauptstrang zu integrieren und die Aufmerksamkeit seiner Leser mehrmals locker zu ĂŒberprĂŒfen. Wer gleich zu Beginn des Buches bei der LektĂŒre schludert, wird am Ende einige der nuanciert gesetzten Pointen nicht gleich verstehen.

„Der eisige Schatten“ ist ein wĂŒrdiger Nachfolger von „Das unendliche Licht“. Die angesprochenen SchwĂ€chen finden sich ebenfalls im ersten Band. Zuweilen hat der Leser das GefĂŒhl, als wĂ€re Thomas Finn in Hinblick auf sein Publikum noch ein wenig unsicher, versucht teilweise abzuschĂ€tzen, was der jungen Menschen zumuten kann, was erklĂ€renswert und wichtig ist, was der Strom der Handlung an das Ufer der Leser spĂŒlen kann. In wie weit die bislang unterhaltsame Serie im dritten Band zufrieden stellend zu Ende gefĂŒhrt wird, muss sich noch zeigen, dass Thomas Finn ein sympathischer Unterhalter mit einigen sehr guten Ideen, aber vor allem einem sicheren Auge fĂŒr Details ist, hat er auch mit „Der eisige Schatten“ unterstrichen. Trotzdem befriedigt das Buch nicht als Ganzes, der Leser hat das GefĂŒhl, eine fremdartige und doch irgendwie vertraute Welt kennen gelernt zu haben, er darf aber nicht in ihr spielen.





Thomas Finn: "Der eisige Schatten- Chroniken der Nebelkriege II"
Roman, Hardcover, 512 Seiten
Ravensburger 2007

ISBN 3-4733-5269-1

Weitere Bücher von Thomas Finn:
 - Das unendliche Licht
 - Das unendliche Licht
 - Der Funke des Chronos
 - Weißer Schrecken

Leserrezensionen

Leserrezensionen
18.09.07, 15:42 Uhr
Seraphina
unregistriert


Wie eine Mischung zwischen ERAGON und HARRY POTTER erscheint mir der zweite Teil der "Chroniken der Nebelkriege"-Trilogie!
Allerdings nur oberflächlich betrachtet, denn der Autor Thomas Finn verwendet für seine Story nur wenige Aspekte davon und spinnt mit vielen eigenen Ideen eine völlig selbstständige Geschichte .

Auch im Mittelteil werden viele neue Kreaturen vorgestellt: Nereiden, Sulphur ( Elementargeister ), Dryaden ( weibl. Baumgeister ) und Nachtmahre ... um nur einige zu nennen!
Andere - bereits im ersten Teil genannte Wesen - werden im Verlauf der abenteuerlichen Reise der Helden-Gruppe näher beleuchtet. Dazu gehören v.a. die Däumlinge, die Zwerge, die Elfen, die Hexen und nicht zuletzt auch die Drachen!
Erscheint das Reich der Däumlinge noch ganz wie aus einem Märchen entsprungen, so werden die Zwerge sehr traditionell "tolkien-mässig" dargestellt - als Krieger, Bergleute und Handwerker! Mich freut allerdings, dass man überhaupt was von ihnen hört, denn es gibt nicht sehr viele Fantasy-Bücher, die sich ZUSÄTZLICH zu anderen Völkern auch mit der Kultur der Zwerge befassen.
Die Geschichte der Elfen wird allerdings nur in Rückblicken von der Elfe Fiadora und Gilraen, einem neuen Gefährten der Helden-Gruppe erzählt, denn seit geraumer Zeit befindet sich fast das gesamte Volk in der Sklaverei der grausamen Hexenkönigin Morgoya.
Wo wir schon bei den Hexen sind: Verachtet und verfolgt von der ( scheinbar ) ehrbareren Zunft der Magier haben diese eine eigene Kaste gebildet und leben ihre Magie enthemmt aus ( z.B. durch wilde, entrückte Tänze auf den Hexenfesten ).
Am Ungewöhnlichsten sind hier jedoch die Drachen, auf welche in diesem Band am meisten eingegangen wird. Die intelligenten Kreaturen besitzen z.B. ein Organ ( die sog. Drachenperle ), mit der sie untereinander kommunizieren können - anscheinend sogar über größere Entfernungen hinweg! Auch mit Menschen können sie so ( telepathisch ) "sprechen". Die ältesten, höher gestellten Drachen sind sogar in der Lage menschliche Gestalt anzunehmen! Soviel erst mal dazu! Ach ja, das frischgeschlüpfte Drachenjunge Olitrax ist einfach süß ... den mag ich genauso gerne wie die kleine Saphira ( aus ERAGON ) ... und er/sie/es spielt natürlich auch eine wichtige Rolle!

Was mir auch ganz gut gefallen hat, waren die vielschichtigen Fortbewegungsmöglichkeiten mit denen unsere Helden konfrontiert werden ( wer sagt, dass man in einer pseudo-mittelalterlichen Fantasy-Welt nur zu Fuß gehen darf? ^^ ): Ob nun in einer Kutsche, die von geflügelten Rössern gezogen wird, auf dem Rücken eines Greifen oder dank dem sog. "Weg der Bäume" ( nein, hat nix mit Ents zu tun *zwinker* ist ganz was Neuartiges! ) ... alles ist möglich!

Etwas irritierend und ein wenig unpassend, fand ich hingegen den gelegentlichen Gebrauch von Zauberstäben in diesem Band. Meiner Meinung nach ist deren Einführung eigentlich unnötig, denn anders als bei HARRY POTTER sind die Magier dieser Welt sehr gut in der Lage ohne solche Hilfsmittel zu hantieren ( z.B. können sie die Magie sehr erfolgreich mit ihren bloßen Gedanken oder Worten anrufen und den magischen Strom mit den Händen lenken ). Ganz besonders ist mir das bei dem Hauptcharakter Kai aufgefallen. Er kann IMMER auf seine Feuer-Magie zurückgreifen - ob mit oder ohne Zauberstab! Hmm!

Im Vergleich zum ersten Teil ist der zweite um einiges düsterer. Hier sterben Leute ... viele Leute ... sowohl Menschen, als auch andere Wesen ... und nicht selten auf grausame Weise!
Zudem machen Kai und seine Gefährten des Öfteren Bekanntschaft mit weitaus grausameren und/oder gruseligeren Gestalten sowie Orten, als im ersten Band. Erwähnenswert wäre da besonders der Nachtmahr oder der Nachtschattenturm!

Zu Beginn des Buches zieht sich die Geschichte ein wenig zäh dahin, doch schon bald nimmt sie immer mehr Fahrt auf, bis die Ereignisse sich regelrecht überschlagen und man kaum zum Verschnaufen kommt ( und deshalb immer weiterlesen muss ).
Natürlich werden ein paar Geheimnisse aus dem ersten, sowie ein paar aus diesem Band enthüllt ... und die sind ziemlich verblüffend bis hin zu schockierend ( die besten Enthüllungen werden aber wohl für den letzten Band aufgehoben )!
Überhaupt gibt es in diesem Buch ziemlich viele ( z.T. noch ungelöste ) Geheimnisse, was die Geschichte somit so gut wie unvorhersehbar macht ... es läuft auch nicht alles wie am Schnürchen und Kai muss oft auf seine und seiner Freunde List und Tücke ( statt auf Macht ) zurückgreifen, um ein Ziel zu erreichen.

FAZIT:
Ein großartiger Mittelteil einer Fantasy-Trilogie für Jugendliche!
Sprüht nur so von Magie und tollen Einfällen ( düstere Töne inklusive )!
Besonders empfehlenswert für Fans von ERAGON und HARRY POTTER - mit denen es ohne Probleme mithalten kann!