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Fantasy (diverse)



Manfred Theisen und Christian Wortberg

Der Geist der Bücher

rezensiert von Thomas Harbach

Nach „König der Welt“ veröffentlicht das Autorengespann Manfred Theisen und Christian Wortberg ihren zweiten Roman. Der Listverlag hat die Geschichte in einem schönen Hardcover mit einem schlichten, aber auffälligen Coverdesign veröffentlicht. Teisen hat nach seinem Studium als Redakteur in einer Kölner Zeitungsredaktion gearbeitet, Wortberg unter anderem als Schauspieler und Drehbuchautor. Seit 2004 schreibt er Romane für Jugendliche. Beide Autoren haben verschiedene Preise für ihr Werk bekommen. Auch wenn die Idee von „Der Geist der Bücher“ auf den ersten Blick an die Jasper Fforde Buchserie um die Detektivin „Tuesday“ erinnert, schlagen die beiden Autoren den Handlungsbogen auf der einen Seite deutlich weiter, auf der anderen Seite können sie aber insbesondere im rasanten, aber zu oberflächlichen Showdown nicht alle Fragen der Leser beantworten. Das grundlegende Thema – neben dem Versuch, fast spielerisch Jugendliche an die Klassiker der Literatur heranzuführen – ist das sich stellen. Der fünfzehnjährige Ben hat bei einem Flugzeugabsturz seine Eltern verloren. Er alleine hat überlebt. Er wächst bei seiner Tante in den USA auf. Sie ist eine bekannte Pulitzerpreisträgerin und versucht, dem einsamen Jungen ihre Liebe zu geben. Der Auftakt des Romans ist packend, rührend und überzeugend. Mit wenigen Worten beginnt Ben seine Lebensgeschichte zu erzählen, der Ton ist teilweise ein wenig ironisch makaber – so soll er ausgerechnet zu seiner Tante in die Staaten FLIEGEN -, aber auf der anderen Seite aber auch für einen fünfzehnjährigen Jungen ungewöhnlich reif. Am Ende des Buches, wenn die Autoren den Vorhang gänzlich heben, erfährt der Leser, warum sich der Anfang der phantastischen Geschichte so nahtlos mit dem Ende verbinden sollte. Bens Tante versucht ihm etwas zu erklären, Ben hört aber nicht zu und fährt mit dem Taxi zur Schule. Er ist wieder einmal zu spät. Im Taxi hört er wie aus dem Nichts Stimmen. Etwas geschieht mit seiner Tante, er eilt zurück in ihr Haus und findet es verlassen. Zwischen den Buchseiten von „Romeo und Julia“ steckt ein zerbrochenes Amulett. Das öffnet ihm die Türen zu den literarischen Welten. Auf der Suche nach seiner verschwundenen Tante beginnt er im Shakespeare Drama. Leider wird Romeo von den Schattenklingen ermordet. Diese scheinen nach Ben als Person und dem Amulett als Gegenstand zu suchen. Zusammen mit Julia und Romeos bestem Freund Mercutio kann er fliehen und landet in einer anderen ihm aus den Büchern seiner Tante vertrauten Welt. Auch hier ist er nicht lange sicher, fast hat er das Gefühl, als solle er zusammen mit seinen neuen Freunden in eine bestimmte Richtung getrieben werden.

„Der Geist der Bücher“ ist ein rasant geschriebener, kurzweilig zu lesender Roman. Es macht dem Leser schon vergnügen, zusammen mit Ben die verschiedenen literarischen Szenarien zu besuchen. Dabei reicht das Spektrum von wenig aufregend – Robinson Crusoe – bis das grundlegende Werk auf den Kopf stellend. Wenn der liebeskranke Werther schließlich ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben Julia und Ben gegen die erneut eindringenden Schattenkrieger verteidigt, wirkt diese Szene überzogen und doch ansprechend. Nach und nach beginnt Ben die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Welten zu erkennen. Es sind alles die Lieblingsbücher seiner Tante, sorgfältig in einem separaten Schrank aufbewahrt. Ihr Geschmack ist breit gestreut. In Charles Dickens „Oliver Twist“ wird ihm das Amulett natürlich gestohlen. In E.T.A. Hoffmanns „Das Mädchen von Scudery“ muss er neben der Suche nach einem weiteren Hinweis im Grunde gleich den Kriminalfall mitlösen. Das Schöne an den verschiedenen Welten ist der fehlende Kompromiss vor dem einfachsten Geschmack. Es fehlt die typische Indianergeschichte – kein Karl May oder Cooper. Stattdessen werden Madame Bovary oder „Krieg und Frieden“, „Das Graf von Monte Christo“ oder „Don Quixote“ gestreift. Nicht alle Bücher werden dem in erster Linie jugendlichen Pu8blikum etwas sagen, aber zumindest versuchen Wortberg und Theisen ihre Leser nicht nur zu unterhalten, sondern oft dank der manchmal sehr zynischen Kommentare Bens auch auf die Inhalte und Schwächen dieser Werke hinzuweisen. Wenn der junge Werther in dem wunderschönen Mädchen eben die Julia erkennt, bleibt dem Leser nichts anderes übrig, als zumindest zu lächeln. Auch die Kombination der einzelnen Bücher – so wahllos sie auf den ersten Blick auch scheinen – ist gut gelungen. Aufgrund einer verbalen Zusammenfassung würde es ein mit dem Stoff nicht vertrauter kaum für möglich halten, dass Shakespeare und Dante so gut harmonieren. Das Dantes „Inferno“ natürlich den Zielpunkt der Reise darstellt und sich Ben dem Oberschurken Gondar hier stellen muss, ist sehr gut durchdacht. Auch die Charakterisierung des Antagonisten – der über weite Passagen des Buches nicht in Erscheinung tritt – ist hervorragend gewählt. Seine Entstehung ist originell, seine Helfershelfer zumindest grob skizziert. Die Ähnlichkeit zu den dunklen Kriegern aus Tolkiens „Herr der Ringe“ ist eher zufällig. Auch am Ende scheuen die beiden Autoren nicht vor dem Erwachen aus der Phantasie und dem notwendigen Übergang ins Heranwachsenenleben. Von Erwachsensein lässt sich noch nicht sprechen, aber Ben ist aber am Ende der Geschichte aus seinem bisherigen emotionslosen Leben aufgrund des Todes seiner Eltern aufgewacht. Er bringt am Ende für ihn persönlich ein weiteres Opfer. Diese Passagen zeigen ganz deutlich, dass die beiden Autoren auf der einen Seite ihre literarischen Leihstücke ernst nehmen, auf der anderen Seite aber auch versuchen, den Charakteren eine Perspektive, aber keine Ausflüchte zu verleihen.

Obwohl der Tenor des Buches auf guter, gehobener Unterhaltung liegt, finden sich immer wieder Passagen, in denen die Autoren eine gewisse Reife von ihren Lesern einfordern. „Der Geist der Bücher“ per se wirkt am Ende der Geschichte allerdings nicht bis zum Ende ausgespielt, hier wäre es sinnvoller gewesen, die Bedeutung guter Literatur – und damit ist jedes Buches gemeint, das nicht nur eine Geschichte gut erzählen will, sondern zumindest eine kleine Botschaft in seinem Herzen aus Papier trägt – noch mehr herauszuarbeiten und vielleicht auch aufzuzeigen, dass selbst alte Schinken moderne Inhalte vermitteln können. Dieser Aspekt geht an einigen Stellen aufgrund der häufigen Szenenwechsel verloren. Auch schwankt der Tenor des Buches manchmal zwischen lächerlich – insbesondere Freitag ist charakterlich wie eine überflüssige Parodie angelegt – und düster. Wie sehr die Reisen durch die verschiedenen literarischen Welten gefährlich sind, erfährt der Leser schon beim vorzeitigen Tod von Romeo. Das aber Ben nur aus der ersten Welt Charaktere mitnimmt, ist ein wenig unglaubwürdig. Hier wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, vor allem die Figur des Oliver Twist hätte sich angeboten. Zuerst deutliches Misstrauen zwischen Ben und dem Straßejungen und dann im Augenblick der größten Enttäuschung – als sich ein vorgeblicher Freund als Verräter entpuppt – eine positive Überraschung. Der Roman selbst ist mit seinen knapp dreihundert Seiten sehr kompakt, das erlaubt nicht viel Raum zur Charakterisierung der einzelnen Protagonisten. Über Bens Tante erfährt der Leser im Grunde nicht viel, zu wenig, um schließlich für diese Figur am Ende das notwendige Mitleid zu empfinden und mit ihr mit zu leiden. Auch Ben selbst ist nach einem guten Beginn zu eindimensional angelegt. Er macht sich später nur noch Sorgen um seine Gefühle zu Julia und ob er das Werk, in dem er aufwacht, schnell wieder erkennen kann. Schon in der zweiten Welt „Moby Dick“ wird nicht sanft mit ihnen umgegangen, hier versuchen die beiden Autoren allerdings auch die Glaubwürdigkeit des Plots zu sehr zu strapazieren. So werden die an Bord des Walfängers als blinde Passagiere entdeckt, Ben soll zusammen mit den Walfängern den gerade wieder auftauchenden Weißen Wal jagen und selbst die Harpune in diesen Auge werfen. Das er nur an einer Handbewegung Quiquegs scheitert, wirkt unglaubwürdig. Diese Kapriolen wiederholen die Autoren nur noch einmal, bei der Flucht natürlich aus der Festung in „Das Graf von Monte Christo“. Der Glaubwürdigkeit des Plots hätte es besser getan, wenn Ben mehr passiver Bebachter der Ereignisse gewesen wäre und vor allem versucht hätte, jegliche Abweichung zu den originalen Texten durch sein Erscheinen stetig zu korrigieren.

„Der Geist der Bcher“ ist ein gut zu lesender Roman, der allerdings einige unnötige Kompromisse in Bezug auf seinen Plot und seine Charaktere eingeht. Das die beiden Autoren sehr viel Spaß beim Schreiben gehabt haben, lässt sich schnell erkennen. An einigen Passagen wird ihr Spannungsbogen allerdings von der Tatsache eingeschränkt, dass sie nicht genau abschätzen konnten, wie weit sie wirklich in einem Buch für ein jugendliches Publikum gehen konnten. Der Roman bringt den Lesern eine Reihe klassischer Welten ein wenig näher und lädt ein, diese durch die Lektüre der entsprechenden Texte zu vertiefen. Damit haben die beiden Schriftsteller neben guter Unterhaltung ihr Ziel erreicht, wenn sie auch nicht immer ein Feuerwerk von dreidimensionalen Charakteren und wirklich zufrieden stellenden Aktionen abbrennen.

Manfred Theisen und Christian Wortberg: "Der Geist der Bücher"
Roman, Hardcover, 298 Seiten
List Verlag 2007

ISBN 3-4717-8948-0

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