Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Darkover (2)
:: Die Chroniken von Narnia (7)
:: Drachengasse 13 (2)
:: Saga vom magischen Land Xanth (2)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: SachbĂĽcher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Fantasy (diverse)



Terry Pratchett

Klonk

rezensiert von Thomas Harbach

„Klonk!“ ist inzwischen Terry Pratchett dreißigster „Scheibenwelt“ Roman. Er ist wie seine Schöpfung zu einer Intention geworden und kann es sich erlauben, seine Romane inzwischen ausschließlich für sich und dann für seine Leser zu schreiben. So greift er nicht mehr auf den plakativen und satirischen Humor der ersten Romane zurück, parodiert nicht mehr große oder kleine Werke der Fantasy- Literatur, nimmt Strömungen auf den Arm, sondern erzählt in erster Linie warmherzige, unterhaltsame und manchmal auch lustige Geschichten. Die dreißig bzw. neunundzwanzig vorangehenden Romane ermöglichen es ihm, mit jeder neuen Geschichte die Welt dreidimensionaler und farbenprächtiger zu gestalten, seine Protagonisten reifen zu lassen und diesen Prozess durch verschiedene Ereignisse zu untermalen. Dieser inzwischen umfangreiche Kosmos macht allerdings das unbeschwerte Einsteigen oder Aufentern nicht unbedingt leicht. So empfiehlt es sich, vor der Lektüre von „Klonk“ – das Geräusch einer Trolle- Keule und vom Titel her ein falscher Fingerzeig auf die Ernsthaftigkeit des Romans – sowohl den frühen „Guards!Guards“ zu lesen – hier lernen wir den Charakter Mumm zum ersten Mal kennen – als auch den kleinen Jubiläumsband „The Nightwatch“. Obwohl sich der augenblickliche Mumm sich deutlich von der ersten Inkarnation unterscheidet, besteht ein Reiz dieser Geschichte in der stetigen Veränderung der Protagonisten stellvertretend für die Veränderung auf der Scheibenwelt. In der Tradition großer Mystery- Romane spielt Pratchett mit dem Schein und Sein und zeigt ganz deutlich den Unterschied zwischen historischen Fakten – in diesem Fall eine bestimmte Schlacht zwischen den Zwergen und Trollen in einem bestimmten Tal festgehalten auf einem bestimmten Rundbild – und der damaligen Realität – diese kommt erst durch die Ermittlungen der Mitglieder der Wache mehr und mehr ans Tageslicht – auf. Dazu kommt der Mord an einem bekannten und populären Zwerg und es droht ein Rassenkonflikt zwischen den Zwergen und den Riesen, der die bislang bestehende Harmonie in der Stadt und auf der Scheibenwelt aus den Angel heben kann. Neben Mumm finden sich die obligatorischen Gastauftritte anderer, bekannter Wachmitglieder wie Captain Karotte, Nobdy Nobbs oder Fred Colon. Der Autor gibt oder schenkt ihnen kurze, aber signifikante Auftritte.

Trotz des manchmal zu starken Humors im Kontrast mit einer geradlinigen Ermittlungshandlung wirkt „Klonk“ deutlich reifer als die ersten „Scheibenwelt“ Romane. Die Dialoge sind weiterhin sehr pointiert und selbst in der guten Übersetzung von Andreas Brandhorst – man kann inzwischen von der deutschen Stimme Pratchetts sprechen oder schreiben – wirken diese fließend und so weit wie möglich scheibenweltrealistisch. Der Autor vernachlässigt aber nicht die grundlegende Handlung. Gleich zu Beginn teilt er den Roman in eine äußerliche Handlung – ein wichtiges Gemälde wird gestohlen – und eine innere Konfliktebene: die Stadtwache ist gezwungen, neue Mitglieder aufzunehmen und eines dieser Mitglieder ist ein Vampir. Hier übernimmt Pratchett das klassische Buddy- Konzept insbesondere des amerikanischen Thrillerkinos mit seiner schier unendlichen Zahl von möglichen Kombinationen und versetzt diese handlungstechnische Idee in seine phantastische Welt. Es ist aber nicht nur die Implikation der Idee, die diesen Roman überraschend gut funktionieren lässt. Pratchetts Bücher leben von seinen Charakter. Mit liebevollen Details entwickelt er Figuren wie die Vampirin Sally, die sich schnell an effektive Hilfe erweist. Dazu kommt der Kontroller Mr. Pessimal, der dafür sorgen soll, dass die knappen Haushaltskassen nicht über Gebühr in Anspruch genommen werden. Da beide Charaktere – genau wie Mumm – sehr gut in ihren Jobs sind, ist das Konfliktpotential zumindest in der ersten Hälfe des Buches schier unendlich. Pratchett macht aber nicht mehr den Fehler seiner ersten Bücher und lässt sich durch eine Reihe bizarrer Ideen von der eigentlichen Handlung ablenken. Nach der ersten Präsentation integriert er diese sehr dreidimensional gezeichneten Figuren in die geradlinige Ermittlungsarbeit und der Leser ist im Laufe des Buches überrascht, wie vertraut die Handlungen der Protagonisten, aber nicht unbedingt ihre exzentrischen Charaktere sind.

Pratchett selbst hat sich allerdings auch vom Image des reinen Fantasy- Clowns gelöst. So stellt „Klonk!“ trotz des unglücklichen Titels eine interessante Kriminalarbeit dar. Sehr routiniert hinterlässt der übergeordnete Erzähler eine Reihe von richtigen und falschen Hinweisen. Diesen folgend lernt der Leser mehr und mehr im Laufe der Ermittlungen das scheinbare und schließlich auch das richtige Motiv kennen. Diese Bausteine fügen sich überraschend harmonisch zusammen und selten hat man das Gefühl, einer konstruierten Handlung zu folgen bzw. am Gängelband des Autoren geführt zu werden. Das liegt nicht zuletzt an der inzwischen vertrauten Welt. Zusammen mit überzeugenden Charakteren kann Pratchett aus dem Vollen schöpfen. Dabei fällt der Bruch zwischen den Pseudomittelalterlichen Renaissance artigen „Ausgangswelt“ und der abschließend sehr modernen, fast gegenwärtigen Welt kaum ins Gewicht. Der Übergang ist sehr subtil gezeichnet und der Leser akzeptiert dieses als weitere Idee eines exzentrischen, aber selbstsicheren Autoren und beginnt nicht über die Folgen nachzudenken. Da Pratchett wie kein anderer den Hintergrund seiner Welt kennt bzw. kontinuierlich weiter ausarbeitet, kann er in solchen Fällen auf die geheimen Elixiere der Magier zurückgreifen.

Stellenweise übertreibt Pratchett allerdings auch in seinem Ehrgeiz, ein perfektes Buch abzuliefern. So wirkt der Plot teilweise zu mystisch und zu komplex angelegt. Wenn selbst Mumm sich zwingen muss, an das Geschehene zu glauben, stimmt etwas in der Intention nicht. Obwohl Pratchett sehr geschickt die inneren und äußeren Spannungen zwischen Trollen und Zwergen – in der Wachmannschaft und außerhalb – intensiviert, gelingt es ihm nicht, dieses Konfliktpotential handlungstechnisch zu nutzen und zumindest dieser Strang verläuft im Sand oder besser unter der Erde. Zusätzlich setzt sich der Autor unter Druck, da Mumm seinem Sohn jeden Tag um die gleiche Uhrzeit ein bestimmtes Kinderbuch vorlesen möchte. An einer Stelle des Romans muss er eine unglaubliche Strecke quer durch die Stadt in Rekordzeit zurücklegen, um seine Verabredung einzuhalten. So sehr ihn das als Vater heraushebt, so stark hebt sich diese Passage vom übrigen Teil des Buches ab und erinnert ein wenig an die alten, eher klamaukartigen als lustigen Roman Pratchetts. Trotzdem führt - die Stärke dieses Romans - der Autor die einzelnen, auch absurden Handlungsstränge zu einem nachvollziehbaren, in sich geschlossenen Ende zusammen.

Auf den ersten Blick erscheint nicht zuletzt dank des steifen und nicht unbedingt komischen Titelbildes und des plumpen Titels „Klonk!“ wie eine billige Parodie auf die Scheibenweltromane. Nach einem sehr guten Anfang – fast schon der Tradition des Da Vinchi Codes, nur eben mit Zwergen und Gemälden – verflacht die Handlung ein wenig. Der Autor nimmt sich die Zeit, die einzelnen, allerdings bekannten Charaktere in zum Teil neuen Rollen und Cliquen in diesen speziellen Handlungsbogen einzuführen. Ab Mitte des Buches beginnt die Handlung allerdings unnötig verwirrend zu werden und stellenweise hat der Leser das Gefühl, Pratchett schindet Seiten. Er greift nicht auf seine dialogtechnischen Fähigkeiten zurück- frühe Romane bestanden ja oft aus seitenlangen, lustig zu lesenden, aber kritisch betrachtet unnötigen Zwiegesprächen -, sondern sucht schon die Chance, einen komplexen Roman unterhaltsam zu gestalten. Wie alle vorangegangenen Roman um die Wache ist „Klonk“ eine der besseren - im Sinne des Plots und nicht des inhaltlichen- intellektuellen Unterhaltungswertes - Scheibenweltgeschichten, nach beendeter Lektüre hat man allerdings nicht unbedingt das Gefühl, wirklich von der Idee und der Umsetzung überzeugt zu sein.

Terry Pratchett: "Klonk"
Roman, Hardcover
Manhattan 2006

ISBN 3-4425-4616-8

Weitere Bücher von Terry Pratchett:
 - Der fĂĽnfte Elefant
 - Eine Insel

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::