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Fantasy (diverse)



Terry Pratchett

Der f├╝nfte Elefant

rezensiert von Stefanie Kramer

"Der f├╝nfte Elefant" ist das nunmehr vierundzwanzigste Buch von der genial-skurrilen Scheibenwelt, die, in England l├Ąngst Kult, auch hier in Deutschland immer mehr Fans und Besessene findet. Zun├Ąchst als Geheimtipp unter Arbeitskollegen und Schulfreunden weitergereicht, findet die Scheibenwelt unaufhaltsam den Weg ins Rampenlicht der ├Âffentlichen Aufmerksamkeit.

F├╝r all jene, die bisher das Pech hatten, nicht ├╝ber scheibenweltbesessene Freunde zu verf├╝gen und sich unter diesem obskuren Titel ├╝berhaupt kein Bild machen k├Ânnen, hier eine kurze Einleitung:
Die Scheibenwelt ist eine Welt, die sich von unserer Rundwelt grunds├Ątzlich ein mal dadurch unterscheidet, dass der Sch├Âpfer sich viel mehr Spa├č und Kreativit├Ąt erlaubt hat. Sie ist platt wie ein Pfannkuchen, hat einen Durchmesser von 10 000 Kilometern und wird von vier riesigen Elefanten getragen, die wiederum auf dem R├╝cken der noch riesigeren Schildkr├Âte Gro├č A‘ Tuin stehen.
Science Fiction-Freunde fragen sich nat├╝rlich sofort, wie die Schildkr├Âte und die Elefanten im luftleeren Raum ├╝berleben k├Ânnen. Ganz einfach: Die Scheibenwelt existiert in einem g├Ąnzlich anderen Universum als unserem. In einem Universum, das jede Menge Platz f├╝r Magie hat. Eine solche Welt beherbergt selbstverst├Ąndlich keine normalen Bewohner, sondern alle Arten von altbekannten Fantasystatisten: Zauberer, Hexen, Trolle, Zwerge, Werw├Âlfe, Vampire und ├Ąhnliche Zutaten f├╝r ein gutes M├Ąrchen.
Was allerdings den gewaltigen Unterschied zwischen einem Fantasy-Urgestein wie Tolkien und Pratchett ausmacht, sind die Charakter der Scheibenweltler. Sie sind anarchistisch, manchmal gemein, ├Âfters mal begriffsstutzig, fast immer selbsts├╝chtig und durch und durch glaubw├╝rdig. Keine Heroen und ├ťbermenschen, sondern v├Âllig normale Leute, von denen manche allerdings vor Sonnenaufgang wieder in ihrem Sarg liegen m├╝ssen.

Das aktuelle Buch "Der f├╝nfte Elefant" behandelt die Konflikte, die entstehen, wenn die verschiedensten Kulturen auf einander treffen. Und zwar in einem d├╝steren Land mit dem Namen ├ťberwald, eine Mischung aus Draculas Transsylvanien und dem Freistaat Bayern.
Die dortigen Zwergenv├Âlker sind im Begriff, einen Zwergenk├Ânig zu kr├Ânen. Eine Aktion, die von den anderen m├Ąchtigen Parteien – Werw├Âlfe und Vampire – mit Interesse verfolgt wird. Und m├Âglicherweise sogar sabotiert, denn die uralte Kr├Ânungssemmel der Zwerge wird gestohlen. Ohne die Semmel ist eine Kr├Ânung nicht m├Âglich und es droht, ein Krieg zwischen den konservativen und den modernen Zwergenv├Âlkern auszubrechen. Sam Mumm, Kommandant der Stadtwache von Ankh-Morpork, wird nach ├ťberwald geschickt um den Fall zu l├Âsen und diplomatische Verbindungen mit dem neuen Zwergenk├Ânig aufzunehmen. Gar nicht einfach, wenn sowohl die Hauptverd├Ąchtigen als auch die Diplomaten ├ťberwalds ├╝ber Unmengen von spitzen Z├Ąhnen verf├╝gen und nicht kooperieren m├Âchten.
Ankh-Morpork ist das Pendant einer mittelalterlichen Gro├čstadt mit Gilden (wie z.B. einer Diebesgilde und einer Assasinengilde) und einer Stadtwache. Die Figur Sam Mumm ist Scheibenweltfreunden bereits aus mehreren B├╝chern bekannt daf├╝r, dass er ein trockener Alkoholiker ist und spezialisiert auf die L├Âsung der abstrusesten Kriminalf├Ąlle. Unterst├╝tzt wird er dabei von Karotte (ein Mensch) und Angua (Karottes Freundin, eine Werw├Âlfin).

"Der f├╝nfte Elefant" gl├Ąnzt, wie alle Scheibenweltromane, durch Detailreichtum und skurrile Einf├Ąlle. Die Handlung ist sehr abwechslungsreich und unvorhersehbar.
Es gibt einige recht spannende und lesenswerte Passagen, aufgelockert durch den einen oder anderen Gag.

Terry Pratchett versteht es meisterhaft, die ganz allt├Ąglichen Missverst├Ąndnisse und Irrt├╝mer unserer "aufgekl├Ąrten" und "intellektuellen" Welt auf die Schippe zu nehmen und so viele zweifelhafte "Errungenschaften" und Denkweisen als das zu entlarven, was sie eigentlich sind: komplett lachhaft.
Es gibt aus dieser Reihe noch weitere, sehr empfehlenswerte, B├╝cher wie z.B. "Alles Sense!", ein schwarzhumoriger Klassiker, oder "Voll im Bilde!" in dem Hollywood sein parodistisches Fett weg kriegt. Scheibenweltanf├Ąngern soll an dieser Stelle etwas gesagt sein: Lassen Sie sich nicht davon abschrecken, dass die jeweils ersten zwanzig Seiten manchmal sehr komplex sind. Wenn Sie sich erst einmal da durch gebissen habt, gibt’s echt was zu lachen. Dran bleiben lohnt sich!

Pr├Ądikat: F├╝r Fans des englischen Humors durchaus geeignet. Ein Buch f├╝r l├Ąngere Busfahrten und Scheibenwelts├╝chtige oder einfach nur so zwischendurch.

Warnung: Mit der Scheibenwelt ist es wie mit Monty Python. Entweder man hat Verst├Ąndnisschwierigkeiten oder man lacht sich krank. Die Autorin dieses Berichts ├╝bernimmt keine Haftung f├╝r eventuelle Folgensch├Ąden beim Kauf eines Scheibenweltbuches...

Terry Pratchett: "Der f├╝nfte Elefant"
Roman, Softcover, 415 Seiten
Goldmann Verlag 2000

ISBN 3-4425-4509-9

Weitere BŘcher von Terry Pratchett:
 - Eine Insel
 - Klonk

Leserrezensionen

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