Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Darkover (2)
:: Die Chroniken von Narnia (7)
:: Drachengasse 13 (2)
:: Saga vom magischen Land Xanth (2)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: Sachb√ľcher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Fantasy (diverse)



Patricia McKillip

Das Buch der Dornen

rezensiert von Thomas Harbach

In ihren m√§rchenhaften, fast intimen Geschichten spielt die preisgekr√∂nte Fantasy Autorin Patricia McKillip immer wieder mit unterschiedlichen Realit√§ten, verschiedenen Zeitebenen und vor allem mit ihren ausgefeilten Charakteren. Berufung ‚Äď in diesem Fall die Kr√∂nung der vierzehnj√§hrigen Tessera zur K√∂nigin von Raine ‚Äď ist nicht immer Bestimmung ‚Äď die Aufgabe, das K√∂nigreich vor einer noch unbestimmten, aber zumindest f√ľhlbaren Bedrohung von au√üen zu sch√ľtzen, f√§llt einem Waisen, einer jungen √úbersetzerin namens Nepenthe, zu. Diese junge Frau lebt f√ľr ihre B√ľcher, ist eine der besten √úbersetzerinnen des K√∂nigreichs und diesem treu ergeben. Eines Tages erh√§lt sie von einem ihr unbekannten jungen Magier ein Buch in einer unbekannten Sprache. Dieses soll sie eigentlich in die Bibliothek zur√ľckbringen, doch aus einem ihr nicht erkl√§rbaren Grund beh√§lt sie das Buch und beginnt den unbekannten, mit dornen√§hnlichen Buchstaben geschriebenen Text zu √ľbersetzen. Es ist die Geschichte des gro√üen historisch aber nicht belegten K√∂nigs Axis, der zusammen mit dem maskierten Zauberer Kane die zw√∂lf K√∂nigreiche erobert. Faszinierend √ľbersetzt sie diese Geschichte. Zuerst ist sie der Meinung, nur eine Sage in der Hand zu halten, nach und nach erkennt sie mit Hilfe ihrer Freunde einige historische Bez√ľge und insbesondere die treu ergebene Zauberin Kane ‚Äď im Laufe der fiktiven Handlung konzentriert sich die √ľbergeordnete Autorin Patricia McKillip sehr stark auf diese Figur ‚Äď gewinnt an Dreidimensionalit√§t.

In einer Parallelhandlung erkennt der Leser, dass die junge Königin Tessera kein Interesse an den Regierungsgeschäften hat. Ihre Berater verzagen, während sie scheinbar träumend durch die dunklen Wälder wandert, es droht eine Rebellion und der seit Jahrhunderten schlafende König erscheint der jungen Thronerbin und warnt sie weniger vor den inneren Konflikten, als vor einer Bedrohung aus der tiefsten Vergangenheit.

Patricia McKillips selbst in der deutschen √úbersetzung noch sprachlich dichter Roman funktioniert auf verschiedenen Ebenen. Ganz bewusst steuert sie mit ihrer mehrschichtigen Handlung von den eher klassischen Klischees weg zu einer sagenhaften Struktur. Die erste Ebene ist die Illusion ihrer Protagonistin Tessera in tausenden von fiktiven Welten, ihren B√ľchern. Gleich zu Anfang wird sie als talentierte √úbersetzerin beschrieben, die sich im Grunde nur in der Bibliothek wohl f√ľhlt. Als sie diese R√§ume verlassen muss, um einer Freundin einen Gefallen zu tun, bricht ihre geordnete Welt zusammen. Sie verliebt sich in ein neues Buch, ohne diese Faszination wirklich erkl√§ren zu k√∂nnen und beginnt es heimlich zu √ľbersetzen. Dieser Bruch der Regeln ist der Katalysator f√ľr die Rettung des K√∂nigreichs. Impliziert deutet die Autorin an, dass insbesondere in unserer heutigen, schnelllebigen und oberfl√§chlichen Welt die Weisheit der Vergangenheit auch noch eine Rolle spielen kann und das Buch gelesen und verstanden werden sollten. Sie sind zwar auch ein Teil der Vergangenheit, aber ein entscheidender Teil, dessen Wurzeln in die Gegenwart reichen k√∂nnen. Obwohl das reine √úbersetzen eine konzentrierte, aber wenig aufregende Angelegenheit ist, kombiniert Patricia McKillip diese T√§tigkeit mit dem Inhalt des zu √ľbersetzenden Stoffes. Durch eine Parallelhandlung erf√§hrt der Leser zwar ein wenig distanziert ‚Äď es bleibt im Dunkeln, ob es sich um eine historische Chronik oder eine Sagengeschichte handelt, darum wird dieser Teil des Buches auch im Grunde verschl√ľsselt und emotionslos wirken ‚Äď von den Ereignissen. W√§hrend der K√∂nig der Nacht Axis in seinem Portrait die Z√ľge Alexander, des Gro√üen tr√§gt, erscheint die symbolische Figur der Kane deutlich dreidimensionaler. In ihrer Liebe zum K√∂nig Axis unterwirft sie ihre fast grenzenlosen magischen Kr√§fte seinem Ziel. Dabei k√ľmmert sie sich nicht um die Gerechtigkeit, ertr√§gt Axis Geliebten aufgrund der Deformation ihres Gesichts und hilft ihm in den entscheidenden Schlachten. Diese Passagen h√§tten durchaus umfangreicher ausfallen k√∂nnen, insbesondere bei der Motivation der einzelnen Protagonisten bleibt die Autorin √ľber weite Strecken der Handlung hinter den Erwartungen zur√ľck. Erst als diese historischen Figuren auf die Gegenwart zur√ľckzugreifen drohen, wird die Komplexit√§t des Buches und der dahinter stehenden Idee dem Leser bewusst. In diesem Augenblick gewinnt das Buch an Spannung, w√§hrend insbesondere die erste H√§lfte des kurzweilig zu lesenden Romans unter der umfangreichen Exposition leidet.

So hat die Autorin nicht nur das K√∂nigreich von Raine zu entwerfen ‚Äď hier bleibt sie skizzenhaft und der Hintergrund ihrer Welt unterscheidet sich nicht sonderlich von einer Reihe ihrer anderen B√ľcher -, sondern zwei wichtige Protagonisten. Einmal die junge K√∂nigin Tessera, deren Wanderungen in den dunklen W√§ldern einen zu breiten Raum im Vergleich zu Unruhe in ihrem K√∂nigreich einnehmen, und die junge Waise Nepenthe. Ihr Charakter w√§chst im Grunde in erster Linie durch ihre Handlungen und w√§hrend der √úbersetzung macht sich der Leser mit dieser Figur vertraut. Diese ungew√∂hnliche Vorgehensweise wirkt faszinierend und schnell gew√∂hnt man sich an die ruhige, sympathische, aber zumindest von diesem Text besessene junge Frau. Der Leser folgt ihren sich widersprechenden Emotionen, der Sucht, die Geschichte zu √ľbersetzen, die Furcht vor der Entdeckung ihrer l√§sterlichen Tat und schlie√ülich die Erkenntnis, dass ausgerechnet in dieser Geschichte der Dornen der Schl√ľssel zur Gegenwart steckt. Im Gegensatz zu einigen anderen ihrer B√ľcher verzichtet sie g√§nzlich auf die so f√ľr ihr Werk so charakteristische Innenperspektive. Das Bild ihrer Protagonisten formt sich ausschlie√ülich aus ihren Handlungen und den Beschreibungen, aber nicht ihrer inneren Motivation. Auf den ersten Blick wirkt diese Vorgehensweise wie bei einem Film oder Theaterst√ľck Distanz schaffend, auf den zweiten Blick dagegen eine interessante literarische Herausforderung, sowohl die Figuren als auch die Handlung entsprechend zu gestalten.

Ihre konzentrierte Sprache, die F√§higkeit, auch gro√üe Ereignisse in klare, verst√§ndliche Worte zu verpacken und die Struktur ihrer m√§rchenhaften Geschichte bilden eine f√ľr das gegenw√§rtige Fantasy- Genre einzigartige Einheit. Jedem Protagonisten widmet sie einzelne Kapitel, die im Laufe des Romans nahtlos ineinander flie√üen. Ungezwungen und vor allem nicht konstruiert. Dazu kommen eine Reihe von sprachlichen Bildern ‚Äď elementar in einem Buch, das sich mit Sprachen in Wort und Schrift auseinandersetzt ‚Äď und √ľberraschenden Metaphern. Ganz bewusst spielt die Autoren mit den oft inzwischen zu Klischee erstarrten Bestandteilen der High Fantasy. Viele Passagen wirken nicht nur m√§rchenhaft, sie unterliegen auch den Gesetzen dieses Subgenres. Sowohl das Waisenkind als auch die kindliche K√∂nigin findet der aufmerksame Leser als entsprechende Inkarnationen in M√§rchen der zweiten Generation ‚Äď Hans Christian Anderson oder die russische Fabeln - wieder, McKillip spielt mit diesen Konzepten und entwirft im Hintergrund eine eigene, eine fremdartige, doch hinter den Rosen ungew√∂hnlich vertraute Welt. Die Autorin spricht durch ihre Charaktere Themen wie Eigenverantwortlichkeit und Verantwortung gegen√ľber Dritten an. Nicht mahnend, sondern beispielhaft und das macht den Reiz dieser kurzweiligen Geschichte aus. √úber die B√ľcher hinaus gibt es eine reale Welt zu entdecken und zu meistern. Genau wie manche Leser muss sich Nepenthe dieser Herausforderung stellen und f√ľr ihre Leser meistert sie diese Aufgabe.

Patricia McKillip: "Das Buch der Dornen"
Roman, Softcover, 315 Seiten
Blanvalet 2006

ISBN 3-4422-4391-2

Weitere BŁcher von Patricia McKillip:
 - Meereszauber

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht mŲchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::