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rezensiert von Thomas Harbach
Obwohl das Subgenre von phantastischen Romanen mit Zeppelinen relativ schmal ist, haben die ehemaligen Königinnen der Lüfte nichts von ihrer Faszination verloren. Der Tarzanschöpfer Edgar Bourroughs gilt als einer der ersten, der die Giganten in seinen Romanen unterbrachte, in den siebziger Jahren schuf Michael Moorcock eine Trilogie packender Alternativweltromanen und den vorläufigen Abschluss bildete John Brosnan mit seiner „Skylords“ Serie.
Der junge kanadische Schriftsteller Kenneth Oppel, nimmt sich in seiner ebenfalls in einer unheimlich vertrauten und dann doch wieder fremden Parallelwelt diesem luxuriösen Transportmittel an und stellt die „Aurora“ neben seinen die Handlung tragenden Protagonisten – dem Kabinensteward Matt und Kate, der Tochter einer reichen Familie - in den Mittelpunkt einer abenteuerlichen, farbenprächtigen Geschichte. Oppel veröffentlichte seinen ersten Roman mit vierzehn Jahren. Internationales Ansehen erreichte er durch seine ebenfalls im Beltz Verlag erschienene „Fledermaus“ Trilogie „Silberflügel“, „Sonnenflügel“ und „Feuerflügel“. Im Original trägt „Wolkenpanther“ den Titel „Airborn“. Wie die Fledermäuse für die Luft geboren sind, so fühlt sich auch der junge Mann Matt nur in der Luft wirklich wohl.
Matts Vater diente schon auf der „Aurora“. Vor drei Jahren ist er bei einem Unfall ums Leben gekommen. Nicht nur um seinem verstorbenen Vater nahe zu sein, hat Matt die Stelle als Kabinensteward angenommen. Doch die „Aurora“ ist für ihn mehr als ein Arbeitsplatz, mit seinem Verdienst unterstützt er seine Mutter und Geschwister zu Hause. Sie ist sein Zuhause, sein Schutzwall vor den Unbilden des Lebens. Der Kapitän der „Aurora“ ist wie ein Vaterersatz, für die Crew hat sich der Talisman zu einem vollwertigen Mannschaftsmitglied entwickelt. Für viele ist er „leichter als Luft“. Nicht nur aufgrund seiner umfangreichen Kenntnisse des Schiffes kann er an vielen Stellen helfen und wie ein Schwamm saugt er alles Wissen über die „Aurora“ und die Luftschifffahrt auf. Sein Traum ist es, Segelmacher zu werden. Der erste Schritt einer möglichen Karriere zum Kapitän. Die neu gegründete Akademie kann es aus finanziellen Gründen nicht besuchen.
Gleich zu Beginn des Buches rettet er einen Ballonfahrer aus höchster Luftnot. Allerdings kommt seine Hilfe zu spät. Der Mann stirbt kurze Zeit später an Entkräftung. Er murmelt wahrscheinlich im Delirium etwas von Wesen mit Flügeln. Matt macht sich Vorwürfe, dass er den alten Mann vor dessen Tod angelogen hat. Kurz darauf erfährt er einen zweiten Tiefschlag. Obwohl er sich die Stelle verdient hat, geht der freie Posten als Segelmachergehilfe an den Sohn des Reeders. Sehr zum Bedauern des Kapitäns. In Matt bricht eine Welt zusammen. Seine perfekte Heimstatt bekommt die ersten Risse.
Mit Hilfe eines kleinen Propellerhubschraubers wird in letzte Sekunde die reiche Kate deVries mit ihrer Lehrerin in einem waghalsigen Manöver an Bord gebracht. Sie ist auf den Spuren ihres Großvaters – dem Mann, den Matt nicht hatte retten können. Kate zieht Matt in ihr Vertrauen und übergibt ihm das Tagebuch ihres Großvaters, in dem er – wahrscheinlich schon nicht mehr bei klarem Verstand – von seltsamen fliegenden Wesen berichtet.
Kurze Zeit später wird die „Aurora“ Opfer eines Piratenüberfalls und anschließend muss das Schiff mit letzter Kraft und Bug voran auf einer unbekannten Insel notwassern.
Der erste Teil des Romans ist nach dem explosiven Anfang mit der dramatischen, aber letzt endlich fruchtlosen Rettung des waghalsigen Abenteurers atmosphärisch dichte Exposition. Wie in seiner „Fledermaus“ Trilogie vermittelt Oppel überzeugend seine Leidenschaft fürs Fliegen. Der gewaltige Zeppelin ermöglicht es ihm, eine eigene autarke Welt zwischen den Wolken zu erschaffen. Dazwischen finden sich verzerrte Anspielungen auf unsere Realität. Die Brüder Lumiere drehen immer noch erfolgreich ihre Filme. Diese werden im Bordkino gezeigt. Um der bedrückenden Realität zu entfliehen, schaut sich Matt die historisch tragische Geschichte des GILGAMESH an. Diesem puren Luxus steht die fast schon klischeehaft angelegte Geschichte des ehrlichen Jungen, aus einfachen Verhältnissen, der sich mit wachem Geist und Eigeninitiative durchs Leben schlägt und schließlich nach vielen Irrungen zumindest in einem Bereich sein Ziel erreichen kann. Dabei legt der Autor die Figur des Matt sehr sympathisch an. Trotz aller beruflichen Schwierigkeiten scheint ihm das Glück eher dank seines Fleißes hold zu sein. Insbesondere die Figur seines beruflichen Widersachers – ein reicher Schnösel – gewinnt im Laufe der Handlung an Tiefe. In einem der besten Dialoge des Romans erklärt dieser eher eingeschüchtert Matt, das er überhaupt nicht an eine Karriere an Bord eines Luftschiffes gedacht , das er seinen persönlichen Traum und sein Ziel noch nicht gefunden hat und das er im Grunde den ärmeren Matt bewundert. Dieser sieht ein, dass er den Konkurrenten falsch eingeschätzt hat. Es sind diese Passagen, die nicht nur ein jugendliches Publikum ansprechen, sondern generell aufzeigen, wie schnell man Vorurteile zur Hand hat und über andere den Stab bricht.
Weitere Facetten seines Charakters bieten Identifikationsmöglichkeiten für die Leser: Matt scheut sich nicht, seine Gefühle wie Angst aber auch Wut und Eifersucht offen auszusprechen. In Bezug auf seine eigene Gefühlswelt reagiert er zum Teil unreif und schüchtern. So wirken die letzten Abschnitte des Buches sehr überzeugend. Hier stellt Oppel die Unfähigkeit seiner jugendlichen Protagonisten dar, miteinander wie erwachsene Menschen umzugehen- die Abenteuer sind zu Ende und der Ernst des Lebens beginnt, mit allen Schwierigkeiten. Trotzdem zeichnet die Figur des Matts ein natürlicher, nicht bösartiger Humor aus, eine gesunde Mischung aus Vernunft und Abenteuerlust. Die oft überhitzten Dialoge mit Kate, in denen sein Realismus auf ihren Idealismus trifft, gehören zu den fließenden und unterhaltsamsten Passagen des Romans.
Die weibliche Hauptperson – Kate – besitzt Durchsetzungsvermögen – mehr als die gesamte Schiffsbesatzung -, aber auch eine notwendige Portion Charme. An ihrer Person zeigt Oppel auch die Probleme seiner an der Viktorianischen Gesellschaft angelegten Welt auf. Kates Eltern und ihre eher als Karikatur angelehnte Amme sehen in ihr ein potentiell zu verheiratendes Püppchen, sie selbst sieht sich als Abenteurer, die der Wissenschaft ihren eigenen Stempel aufdrücken möchte.
Wie so oft selbst in Abenteuerromanen üblich, geht es um die Entwurzelung junger Menschen. Für Matt bricht seine heile Welt zusammen, keine Karriere, die „Aurora“ gestrandet und letzt endlich die Bedrohung durch die Piraten, aber auch die ungestüme Kate. Diese verlässt zum wiederholten Mal absichtlich die sichere Welt ihrer Eltern, muss sich im Laufe der Ereignisse aber auch eingestehen, dass ihr egoistisches Verhalten andere Menschen verletzt und ihrer Existenz bedroht.
Der transylvanische Chefkoch Vlad lockert die oft bedrohliche Atmosphäre mit seiner exzentrischen Art – wahrscheinlich nicht von ungefähr angelehnt an den Schauspieler Bela Lugosi – deutlich auf. Viele andere Mitglieder der Crew – inklusiv des fast lethargischen Kapitäns Walken – sind eher eindimensional und klischeehaft angelegt.
Das der Autor in erster Linie aus der Perspektive des Ich-Erzählers Matt die Geschichte erzählt, nimmt dem Handlungsbogen auf den ersten Blick einiges an Spannung. Dafür lässt er fast im „Gegenzug“ mehrere seiner Protagonisten plötzlich und gewalttätig ums Leben kommen. Diese spontanen Eruptionen von Brutalität zerstören ganz bewusst die eher phantastisch- märchenhafte Atmosphäre der Geschichte.
Diese Story ist eine abwechselungsreiche Mischung aus Piratengeschichte, Robinsonade und Evolutionstheorie. Dabei verzichtet Oppel auf trockene wissenschaftliche Thesen und stellt die Suche nach der verlorenen Tierart – eine Mischung aus Fledermaus und Tiger – unterhaltsam, dramatisch und ein bisschen dem Zufall untergeordnet dar.
Der Autor ist sich auch nicht zu schade, seine Leser mehrmals in die Irre zu führen. Sehr ausführlich – bei diesem vielfältigen Hintergrund notwendig -, zum Teil eher getragen führt Oppel die Leser in seine Welt und seine Geschichte ein. An mehr als einer Stelle wirft er dann allerdings den bisherigen Aufbau über Bord und präsentiert eine Wendung der Geschichte, die zwar nicht gänzlich unerwartet, aber zumindest überraschend ist. Bei einigen dieser Umwege kann der Leser die Wichtigkeit für kommende Ereignisse erahnen, andere – sehr dramatische Szenen – werden nicht weiter ausgeführt und hinterlassen ein gewisses Gefühl der Leere im Leser.
Mit Thomas Thiemeyer – der ein schönes Titelbild zur handlichen Hardcoverausgabe besteuert – Abenteuerromanen verbindet „Wolkenpanther“ eine romantische Ader. Im Zeitalter von Computern, Jetset und High Tech müssen die einzelnen Figuren sich auf sich selbst verlassen und ihre einzelnen Aufgaben lösen. Diese Neugierde auf das unentdeckte Land vermittelt Oppel seinen in erster Linie jugendlichen Lesern voller Abenteuerfreude und erzählerischer Klasse.
In erster Linie ist „Wolkenpanther“ eine klassische Abenteuergeschichte, aus einer anderen Zeit, aus einer anderen Welt zu uns hinübergesickert. Sie liest sich ungemein flüssig, gegen Ende der Handlung ein wenig abrupt und konstruiert. Die Schwächen könnten gleichzeitig die Stärken des Buches sein. Oppel steckt zu viele Ideen in die mit 550 Seiten nicht zu lange Handlung. Alleine die Piratenepisode – in der Mitte durch die Bruchlandung der „Aurora“ unterbrochen – gehört zu den besten an die klassische Literatur angelehnten Abschnitten des Buches. Hier spielt Oppel mit seinen Lesern, zeichnet im Grunde zuerst das Portrait eines Piratenkapitäns, der wie ein geschickter Kaufmann seine Opfer bestiehlt. Aus dieser Perspektive ist es für ihn ein Beruf wie jeder anderer. Erst nach und nach gibt er seinem Bösewicht eine rücksichtslose, brutale Ader mit auf den Weg. Der Höhepunkt – die direkte Konfrontation zwischen Matt und dem Piratenkapitän – überschreitet schließlich das bislang brüchige Gentlemen´s agreement. Dazwischen zeichnet Oppel ein warmherziges Bild der Wunder unserer Evolution. Über diesem steht Motto „Das Leben findet seinen Weg“. Der Kontrast ist das künstliche, unwirkliche Leben an Bord des gewaltigen Zeppelins. Wie Oppel diese einzelnen Elemente zu einem unterhaltsamen Ganzen kombiniert, ist die Stärke des sehr gut zu lesenden Buches.
Kenneth Oppel: "Wolkenpanther"
Roman, Hardcover
Beltz Verlag 2005
ISBN 3-4078-0941-7
Leserrezensionen
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12.01.07, 11:50 Uhr
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I love this book
unregistriert
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Wolkenpanther war mein erstes Buch von Kenneth Oppel. Nachdem ich es ausgelsen hatte kaufte ich mir sofort noch seine Fledermaus Trillogie so gut fand ich es. Dieses Buch hat alles was ein gutes Buch braucht eine tolle Story, zwei geniale Hauptpersonen und einen kräftigen Schuss Fanatsy. Leider ist das Buch nicht so bekannt. Zurzeit lese ich den zweiten Teil von Wolkenpanther. Das Buch heißt Wolkenpiraten und handelt von einer spannenden Bergung in Lufitigen Höhen. Sehr zu empfehlen.
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