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Fantasy (diverse)



Robert Asprin & Jody Lynn Nye

Als Dämon brauchst du nie Kredit

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Als Dämon brauchst du nie Kredit“ legt das Team Asprin/ Nye einen weiteren Roman aus der populären „Dämonen“ Serie vor. Der Bastei- Verlag druckt vorsichtshalber noch einmal die Vorwort aus „Ein Dämon macht Geschichten“ nach, in dem einzelne kürzere Texte der beiden Autoren zusammengefasst worden sind. Mit dieser Intention möchte der Verlag unterstreichen, warum es sich lohnt, die schwächelnde Serie weiterzulesen oder überhaupt als Neueinsteiger zu beginnen. Dabei könnte der fundamentale Unterschied nicht größer sein. Während die Kurzgeschichten eher lieblos und selten originell daherkommen, ist der vorliegende Romane zumindest theoretisch eine Satire auf den American Way of Life, auf den unkontrollierten Konsumrausch, das Käufer/ Verkäuferverhalten inklusiv der oft unsinnig und wenig hinterfragten Sonderangebote in den großen Malls sowie die stetige Versuchung der Kreditkarte. Alles Attribute, die einen großartigen Hintergrund bilden könnten, wenn scharfsinnige und bissige Autoren sich mit den inzwischen sehr gut vertrauten Charakteren auf den Weg machen, die Serie aus der Sackgasse hinaus in die Gegenwart zu führen. Leider verfügen zur Zeit weder Asprin noch Nye über die entsprechenden schriftstellerischen oder intellektuellen Fähigkeiten. Sie legen die Finger nur auf die Wunde des inzwischen zu einem globalen Phänomen gewordenen Konsumentenverhaltens, lassen sich aber von ihrer in der Exposition gut angelegten Story durch oft unnötige und zu lang ausgewalzte Nebenkriegsschauplätze ablenken. Bei ihrer Hatz durch die Bereiche Mall und Kreditkarten kommt immer wieder die Frage nach der Identität und wie leicht es sein kann, in einer vollelektronischen Welt – hier einfach durch Magie jeglicher Art ersetzt – einen Menschen zu übernehmen und zu ruinieren. Nicht zuletzt aus diesem Grund tritt Skeeve im vorliegenden Roman nicht in Erscheinung. Und doch durchzieht sein oft naives Wesen den gesamten Roman. Aahz, Chumley – ein Troll – sowie Massha erfahren, dass Skeeve angeblich für 350.000 Goldtaler in einer entfernten Dimension in einer Mall eingekauft hat, während er in der Realität in einer anderen Dimension sich aufgehalten hat. Seinem Lehrmeister Aahz reicht er nicht, diese Forderung zurückzuweisen, sondern es wird in ihm der Ehrgeiz geweckt, den dreisten Identitätsdieb zu stellen und ihn zu zwingen, die Rechnung zu begleichen.

Also betreten sie die Dimension Flibber, in der sich diese ominöse Mall befindet. In Bezug auf außerordentliches Konsumentenverhalten hat Asprin in vielen seiner Romane ja den Basar auf Deva zu einer Institution des rücksichtslosen Kapitalismus in Reinkultur gemacht. Darum fällt es auf den ersten Blick schwer, diese Idee zu übertrumpfen. Wenn ein Aahz einen siebenprozentigen Sonderrabatt nicht unbedingt herausfordernd findet und selbst der Türschließer sich nicht durch die Menschenmenge – renitente Schlangenbildung ist eine der frühen wirklich lustigen Szenen – kämpfen kann, dann wird zumindest in eine andere Richtung gewiesen und alle Vergleiche mit dem unübersichtlichen und doch farbenprächtig faszinierenden Basar sind auf einen Schlag hinfällig. Die Problematik des Buches besteht dann allerdings in einer konsequenten Fortführung dieser Idee. Zu schnell wirkt dieser Mall im Grunde wie die amerikanische Einkaufsmeile, farblos, ideenlos, laut und gefährlich. Um etwas zu parodieren oder vielleicht eine Satire zu schreiben, ist die Übertreibung immer eine gute Vorgehensweise, diese fehlt im vorliegenden Buch gänzlich. Nur die Funktionsweise eines Einkaufszentrums auf die Schippe zu nehmen, kommt mindestens zehn Jahre zu spät. Der Schritt, den Kreditkarten ein gewisses Eigenleben und ungemein verführerische Fähigkeiten zu geben, wirkt aktueller und interessanter. Der Fluch und Segen der Kreditkarte – in diesem Fall im Vergleich mit einigen Tonnen Gold, welche der interdimensionale Barzahler ja mitschleppen muss – wird an verschiedenen Beispielen durchgespielt. Die ersten Ideen sind einwandfrei die besten, wie in seinen letzten eigenständigen Romanen hört Asprin nicht auf, wenn das Ziel erreicht ist, sondern versucht noch einen letzten verzweifelten Gag draufzusetzen, ohne dabei die elementare Handlung wirklich voranzutreiben oder neue rote Fäden auszusäen. Die erste Hälfte des Buches wirkt nicht zuletzt aufgrund dieser Schwächen einfach nur durchschnittlich, viel zu lang und zwischen den wenigen guten Ideen viel zu viel Raum für überdrehte Dialoge oder Monologe. Mit den Kreditkarten und deren Missbrauch kommt aber eine Idee ins Spiel, welche den Roman überraschend belebt. Die Frage der Identität des Käufers in Zeichen der PINs und TANs, der Kreditratings auch für Privatkunden und vor allem der Schwierigkeit, einmal in einem negativen Kreis von Fehlbeurteilungen oder gar Kartenmissbrauch gefangen seine Unschuld zu beweisen. Hier wäre es sinnvoller gewesen, Skeeve zumindest nach dem ersten ruhigen Drittel ebenfalls in die Handlung zu integrieren. So bleibt die Fußarbeit bei den vertrauten Charakteren wie Aahz – wieder auf dem Weg der alte arrogante Perverse zu werden -, Massha – sehr dünn und wenig wirklich beschäftigt – sowie Chumley – immer eine Figur, die entweder in Höchstform präsentiert oder am Rand liegengelassen worden ist -. Das Zusammenspiel der einzelnen Charaktere funktioniert aber nicht. Ihren Dialogen fehlt die ironische Schärfe, nicht selten wirken sie wie Einzelgänger, die ein Zufall in diese Mall gespült hat. Sie sind an einem fremden Ort, den sie nicht verstehen und der vor allem mit ihrem Verhalten gegen die bestehende Ordnung nichts anfangen kann. Konfliktpotential en masse könnte sich aufbauen, doch alles wirkt sehr geordnet, sehr seicht und vor allem wenig emotional. Natürlich kann eine Buchreihe nach mehr als zwanzig Jahren und über fünfzehn Titeln nicht mehr unbedingt so anarchistisch frisch wirken, das zu parodierende Genre hat sich verändert, die Autoren und vor allem auch die Leser haben sich verändert. Aber „Als Dämon brauchst du nie Kredit“ fehlt das Herz, der eine Moment, in dem sich die Handlung dreht, in welchem der überforderte Skeeve zum Beispiel über sich zum Helden hinauswächst, das Team als Einheit zu funktionieren beginnt und damit Berge versetzen kann. Es sind diese Augenblicke, auf die ein mit den Charakteren vertrauter Leser freut. Handlungstechnisch steht der Roman nicht nur deutlich über den schwachen letzten Werken, sondern auch über den Anfängen. Ein richtiger Plot und nicht mehr eine eher konstruierte Bedrohung, ein gezieltes Vorgehen als die „Nach uns die Sinnflut“ Haltung der ersten Bücher und vor allem weniger billige Witze, über die der Leser einen Augenblick laut lacht, um dann vergeblich den Sinn zu hinterfragen. Alles Punkte, die anzeigen, wie erwachen Skeeve und Aahz geworden sind. Es stellt sich die Frage, ob der Leser zusammen mit den Protagonisten auch wirklich erwachsen werden möchte. Skeeve und Aahz kennen sich lange genug und haben zu viele oft skurrile, aber liebenswerte Charaktere über sich versammelt, um wirklich aus dem Chaos heraus überzeugen zu können. Darum wählen Asprin und Nye die einzelnen Protagonisten, die für den Plot eines Romans benötigt werden, sehr sorgfältig aus und isolieren sie von dem Rest. Bei den ersten Büchern hat diese Vorgehensweise aufgrund der schwachen grundlegenden Ideen nicht funktioniert, im vorliegenden Buch harmoniert die seichte Satire deutlich besser mit den Charakteren und gibt trotz einiger Längen – mit dreihundertachtzig Seiten im deutschen Original ist das Buch um etwa einhundert Seiten zu lang – den Blick auf ein interessantes Thema frei. Dabei versuchen die beiden Autoren mit der Idee des Identitätsdiebstahls zumindest auf Problematiken in der aktuellen immer anonymer werdenden Gesellschaft hinzuweisen. Ein Philip K. Dick der Fantasy mit einem magischen Hintergrund werden sie deswegen nicht, aber es sind zumindest lobenswerte Ansätze vorhanden.

Auch wenn es seltsam klingt, „Als Dämon brauchst du nie Kredit“ ist eine Art Übergang zwischen den alten, anarchistischen Büchern und einer neuen, aktuelleren Ausrichtung des Zyklus in Hinblick auf die Themen mit einigen sehr lustigen – nicht albernen – Szenen, einigen sehr interessanten Ideen, die leider immer nur angerissen und nicht ausgeführt werden, und vor allem einem langsam sich wieder seiner Normalform nähernden Asprin. Die Betonung liegt auf Normalform und reicht längst nicht an seine fröhliche Unbekümmertheit zu Beginn seiner erfolgreichen Zeit heran. Vielleicht ein Buch eher für die Leute, die einmal sehen wollen, was wirklich hinter den Abenteuern eines „Perversen“ und seines ehemaligen Helfers steckt. Für Fans der ersten Bücher eine Überraschung, ob positiv oder negativ muss jeder selbst entscheiden, ob er sich selbst mit den Büchern weiterentwickeln möchte und vor allem Neues in einem bekannten Gewand akzeptieren kann.




Robert Asprin & Jody Lynn Nye: "Als Dämon brauchst du nie Kredit"
Roman, Softcover, 380 Seiten
Bastei- Verlag 2007

ISBN 3-4042-0559-2

Weitere Bücher von Robert Asprin & Jody Lynn Nye:
 - Ein Dämon schafft noch keine Ordnung

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