|
rezensiert von Susi Feistel
Anm.: Diese Rezension bezieht sich auf die englischsprachige Originalversion "Prince Caspian" und nicht die deutsche Übersetzung.
Mehr als eintausend Jahre nach dem Goldenen Zeitalter von Narnia haben fremde Menschen das Land erobert. Die sprechenden Tiere und Fabelwesen wurden vor langer Zeit vertrieben oder leben versteckt. Inzwischen sind sie nur noch ein Mythos. Prinz Kaspian, Sohn des verstorbenen Königs und Neffe des jetzigen Herrschers, ist gerade mal in dem Alter in dem man Schwertkampf und Reiten lernt. Sein Kindermädchen hat ihm schon seit frühester Kindheit Geschichten über das alte Narnia erzählt, und Kaspian war begeistert.
Unvorsichtigerweise erwähnt er Narnia gegenüber von seinem Onkel, und dieser reagiert nicht sonderlich begeistert: Er entlässt das Kindermädchen und stellt stattdessen den Lehrer Cornelius ein. Doch Kaspian hat Glück – Cornelius hat Zwergenblut in sich und kann den Prinzen über einige Dinge aufklären. So hat Kaspians Onkel vermutlich den Tod seines Vaters und vieler seiner Freunde verschuldet, sowie den Thron an sich gebracht. Und wäre er nicht kinderlos, so wäre auch Kaspians Leben in höchster Gefahr. Cornelius setzt sich zum Ziel, seinen Prinzen zum echten König von Narnia zu machen. Ein Narnia, wie es mal war. In den folgenden Jahren lehrt Cornelius den jungen Prinzen alles, was er weiß.
Schon zu Beginn des Buches bemerkt man, dass Lewis die eigenen Erinnerungen an seine Kindheit verarbeitet. Es ist bekannt, dass seine Idee von Narnia sich aus den Geschichten seines Kindermädchens entwickelt hat. Kaspian wird von der Liebe zum alten Narnia erfasst, genauso wie die C.S. Lewis die Geschichten um seine Schöpfung niemals aufgegeben hat.
Kaspians Anspruch auf den Thron, wird für den falschen König zum Problem, als dieser selbst einen Sohn erwartet. Kaspians Leben ist in Gefahr. Sein Lehrer Cornelius ahnt das Risiko und schickt den jungen Prinzen vom Hof. Er soll die Bewohner des alten Narnia finden und in den Kampf gegen die Besetzer führen. Kurze Zeit später findet sich Kaspian tatsächlich in einer Runde von Zwergen wieder...
Diese Geschehnisse werden erst mit dem vierten Kapitel bekannt. In „Prinz Kaspian von Narnia“ beginnt Lewis das einzige Mal mit zwei getrennten Erzählebenen, die er im Laufe der Handlung zusammenführt. So landen wir zu Beginn des Buches mit den vier Kindern aus "Der König von Narnia" – Peter, Susan, Edmund und Lucy – auf außergewöhnliche Weise wieder in Narnia. Was einst ihr Regierungssitz Cair Paravel war, ist jetzt, eintausend Jahre später, eine Burgruine. Doch selbst im verfallenen Zustand erkennen die Kinder die Burg wieder. Mit der Ankunft des Zwergs Trumpkin erfährt der Leser die Geschichte von Prinz Kaspian. Mit ihm zusammen verlassen sie Cair Paravel und machen sich auf, dem künftigen König zu helfen, Narnia zu befreien…
Lewis hat diesen vierten Band der Narnia-Reihe direkt nach „Der König von Narnia“ geschrieben und so ist es das erste Buch in dem Lewis den Aspekt der Zeitverschiebung nutzt: Seine Idee war es, dass Zeit in Narnia sehr viel schneller vergeht als in unserer Welt. So konnten die Kinder aus "Der König..." in etwa gleichaltrig in einem Narnia reisen, in dem bereits ein Jahrtausend vergangen ist. So war es Lewis möglich, viel mehr von Narnias Geschichte zu erzählen, ohne dabei viel in unserer Geschichte zu arbeiten. Die Zeitverschiebung wird noch einmal in "Der silberne Sessel" und "Der letzte Kampf" deutlich.
Meiner Meinung nach ist "Prinz Kaspian..." zusammen mit "Der Ritt nach Narnia" das beste Buch der Reihe. Zum Einen ist es durch die nicht lineare Erzählweise sehr viel spannender geworden. Zum Anderen ist einem die Welt von Narnia bereits bekannt, ebenso die Kinder. Es wird nicht mehr viel Zeit mit Vorstellungen verbracht. Doch das geliebte Narnia hat sich in den vergangenen Jahrhunderten stark verändert, es ist in Gefahr und muss gerettet werden.
Die Philosophie "Es wird schon gut ausgehen..." kann man nicht mehr so gut glauben, denn die Geschichte erzählt, dass Narnia von Fremden unterworfen wurde und die Bewohner in alle Himmelsrichtungen vertrieben wurden. Damals hat niemand eingegriffen und wer sagt, dass die Geschichte dieses Mal gut ausgeht?
C.S. Lewis: "Prinz Kaspian von Narnia"
Roman, Hardcover, 192 Seiten
Ueberreuter 2003
ISBN 3-8000-2088-2
Leserrezensionen
:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::
|