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rezensiert von Susi Feistel
Anm.: Diese Rezension bezieht sich auf die englischsprachige Originalversion "The Horse and His Boy" und nicht die deutsche Übersetzung.
Tief im Süden von Calormen wird am Ufer einer Meerbucht ein Korb angespült. Der Fischer Arsheesh findet ihn und darin einen Säugling. Arsheesh nimmt den Jungen auf und zieht ihn als seinen eigenen Sohn Shasta auf. Der Fischer ist arm und es ist eher die Regel als die Ausnahme, dass er Shasta als billige Arbeitskraft ausnutzt. Als Shasta älter wird, ist bald klar, dass er nicht der leibliche Sohn vom alten Fischer ist. Arsheesh ist dunkelhäutig und schwarzhaarig, während Shasta hellhäutig und blond ist. Der Junge ist neugierig und möchte wissen, was hinter den Bergen im Norden liegt, doch der ‚Vater’ ist lediglich am täglichen Leben interessiert und kennt nur das Dorf im Süden.
Eines Tages sucht einer der Adligen von Calormen, ein Tarkaan, bei den beiden Unterkunft. In der folgenden Nacht erfährt Shasta, wie er zum Fischer gekommen ist. Doch etwas noch viel Ungewöhnlicheres passiert: Das Pferd des Tarkaan fängt an, mit Shasta zu sprechen. Bree, so der Name des Pferdes, erzählt, dass es als Fohlen aus Narnia verschleppt wurde. Seitdem es denken kann, sucht das Tier eine Möglichkeit zur Flucht und Rückkehr nach Narnia. Mit Shasta scheint die Gelegenheit gekommen…
So beginnt das Buch "Der Ritt nach Narnia". Meiner Meinung nach ist es zusammen mit "Prince Caspian" das spannendste und beste Buch der Reihe. Die Flucht ist zu jedem Zeitpunkt spannend und es ist nicht klar, ob alles gut ausgeht. Es gibt keine freundlichen Wesen, die den beiden Unterschlupf gewähren. Sie sind ganz allein auf der Flucht, durch Steppen und Wüsten, verfolgt von wilden Löwen und immer von Angst begleitet.
Im späteren Verlauf gesellen sich noch zwei andere Flüchtlinge zu Shasta und Bree: die Stute Hwin und das Mädchen Aravis. Während Hwin das Schicksal von Bree teilt, läuft Aravis vor einer ungewollten Heirat davon. Beide Menschenkinder kommen aufgrund ihrer unterschiedlichen sozialen Stellungen zunächst gar nicht miteinander zurecht. Der Weg nach Narnia ist jedoch weit und sie müssen sich irgendwie zusammenraufen. Zunächst heißt es, unerkannt durch die Hauptstadt von Calormen zu kommen und dann durch eine unerbittliche Wüste. Dort müssen sie einen geheimen Bergpass finden – nur der führt nach Archenland, einem freundlichen Nachbarland von Narnia.
In Tashbaan, der Hauptstadt, wird Shasta von seinen Freunden getrennt und trifft auf ein paar alte Bekannte – Susan und Edmund aus "Der König von Narnia". Hier erfährt der Leser, dass sich die Geschichte während der Regentschaft der vier Kinder abspielt. Susan und Edmund verwechseln Shasta mit Prinz Corin von Archenland – die beiden Jungen sehen sich erstaunlich ähnlich. Bevor das Rätsel aufgeklärt werden kann, verschwindet Shasta lieber und sucht Aravis und die Pferde.
Mittlerweile hat Aravis von einer Verschwörung zur Eroberung von Archenland und später Narnia erfahren. Das muss auf alle Fälle verhindert werden – es beginnt ein Rennen gegen die Zeit. War das Buch bis dahin spannend, so legt es hier noch einen Zahn zu. Nicht nur, dass die Kinder vor dem Eroberungstrupp in Archenland sein müssen, es gibt auch noch das Rätsel um Prinz Corin und seiner Ähnlichkeit mit Shasta.
Wenn man die Bücher in der von Lewis gewünschten Reihenfolge liest (d.h. "Der Ritt…" nach "Das Wunder..." und "Der König..."), so ist dieses das erste Buch, das eine gewisse Vielschichtigkeit aufweist. Primär ist es linear, doch die Nebenhandlungen sind auf gar keinen Fall unwichtig. Erst am Ende ergeben die im Laufe der Geschichte auftauchenden Puzzleteile einen Sinn.
(Vorsicht Spoiler) Wie in "Das Wunder..." und "Der König..." kann man auch in diesem Buch wieder christliche Motive finden. Shasta ist in Wirklichkeit Prinz Corins Zwillingsbruder Cor. Bei seiner Geburt wurde prophezeit, dass er sein Land aus der größten Gefahr retten wird. Um das zu verhindern, hat ein Verräter Cor entführt. Durch einige Umwege landete er in einem Korb am Ufer des Meeres und wurde gefunden. Der Kreis schließt sich und Cor/Shasta kann auf seiner Flucht die Eroberung Archenlands verhindern. Für mich klingt das wie ein abgewandelter Mini-Moses.
C.S. Lewis: "Der Ritt nach Narnia"
Roman, Softcover, 180 Seiten
Ueberreuter
ISBN 3-8000-2087-4
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