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rezensiert von Susanne Feistel
Auf Darkover ist das Zeitalter des Chaos angebrochen. Mehr als eintausend Jahre sind seit der Landung der Menschen auf dem Planeten mit der blutroten Sonne (siehe „Die Landung“) vergangen und niemand erinnert sich mehr an den Ursprung ihrer Zivilisation.
Die Herrschaftshäuser von Darkover sind in blutige Kriege miteinander verwickelt. Intrigen und Fehden sind an der Tagesordnung im Gerangel um Macht und den Thron von Thendara. Der alte König wird nicht mehr lange leben und sein Sohn, genetisch nicht fähig einen eigenen Thronfolger zu zeugen, kommt als neuer König nicht in Frage. Der nächste Anwärter auf die Krone ist ein recht skrupelloser Cousin des Königssohns – Damon-Rafael von Elhalyn.
Allart Hastur von Elhalyn, Bruder von Damon-Rafael, ist eine der Hauptfiguren von „Herrin der Stürme“. Obwohl er nichts mit den Machtspielen seines Bruders zu tun haben will, wird er unweigerlich mit hineingezogen. Eine zweite Hauptfigur ist Dorilys, die dem Buch seinen Titel gibt. Sie ist die Tochter des mächtigen Bergfürsten Lord Aldaran, der in eine Fehde mit seinem eigenen Bruder verwickelt ist.
Sowohl Allart, als auch Dorilys verfügen über das so genannte Laran, eine angeborene übersinnliche Kraft, die bei jeder Erblinie andere Fähigkeiten beinhaltet. Bei Allart handelt es sich um die Vorhersage – er kann alle möglichen Zukunftsversionen, die sich aus seinen Handlungsmöglichkeiten ergeben, vorhersehen. Sein Laran war für Allart seit seiner Geburt ein Fluch, denn er konnte kaum einen Schritt gehen, ohne seinen eigenen Tod oder den anderer Menschen in seiner Umgebung zu sehen.
Dorilys’ Gabe ist eine völlig andere – sie kann Gewitterstürme verursachen und lenken, im kleineren Maßstab kann sie Menschen mit Elektroschocks zusetzen. Bei ihrer Geburt hat Dorilys bereits ihre Mutter unbewusst getötet und im Alter eines Teenagers stellt sie eine Gefahr für alle dar, die sich nicht ihrem Willen beugen.
Allart und seine ebenfalls mit Laran geborene Verwandte Renata werden nach Aldaran geschickt. Renata soll Dorilys helfen, ihre Kräfte zu kontrollieren und nicht mehr unwillkürlich zuzuschlagen. Allart dagegen ist im Auftrag seines Bruders Damon-Rafael unterwegs: Er soll Lord Aldaran dazu bewegen, nicht in die Kämpfe um den Thron einzugreifen…
Bei dieser Prämisse würde man eigentlich ein mit Action geladenes Buch erwarten, diese Erwartung wird aber kaum erfüllt. Stattdessen zeichnet Marion Zimmer-Bradley ein Bild der Gesellschaft, wie sie sich aus den wenigen Siedlern (siehe „Die Landung“) entwickelt hat. Ein feudales System aus Adligen und Gemeinen ist entstanden, Waffen und Technik entsprachen bis zu diesem Zeitpunkt den mittelalterlichen der Erde.
Die Oberschicht hat den ausschlaggebenden Vorteil durch das Laran, das durch die Mischung von Menschen mit den ursprünglichen Einwohnern von Darkover zustande kam (siehe „Die Landung“). Nur in den herrschenden Familien kommen nennenswerte Begabungen vor, die über Jahrtausende herangezüchtet wurden. Eben dieses Zuchtprogramm, das zu Beginn der Besiedlung notwendig war, um die genetische Stabilität der Population zu gewährleisten, steht nun wieder zur Debatte. Über Generationen hinweg wurden möglichst starke Begabungen herangezüchtet, ohne auf Inzucht und physische Schäden bei den ‚Ergebnissen’ zu achten. Probleme sind vorprogrammiert.
Um diese gesellschaftlichen und moralischen Schwierigkeiten darzustellen, verzichtet MZB fast vollständig auf spannungsgeladene Action. Sie setzt komplett auf ihre Charaktere. Die Intrigen und Ränkespiele der Mächtigen verlaufen im Hintergrund, um hier und da die Figuren zum Handeln zu zwingen oder sie in menschliche Konflikte zu manövrieren.
So sträubt sich Allart dagegen, für seinen derzeitigen Schutzherrn moderne Waffen zu erzeugen. Auch wenn der Feind vor den Toren sie mit solchen bombardiert. Doch Allarts Weigerung hat kaum Auswirkungen im großen Ablauf der Dinge: Die für Darkover ‚moderne’ und grausamere Kriegsführung setzt sich durch und dieses Buch markiert das Ende der alten Zeit.
MZB hat dieses Buch und „Herrin der Falken“ erst im Nachhinein geschrieben, als Fans sie darum gebeten haben, das „Zeitalter des Chaos“ ein wenig auszuleuchten. Dementsprechend ist es kein Wunder, dass „Herrin der Stürme“ für einen Darkover-Anfänger schwierig zu lesen ist. Es setzt sehr viel an Grundwissen und Interesse an den Charakteren voraus. Man sollte es erst lesen, wenn man schon einige andere Bände durch hat und sich in der Welt relativ gut auskennt. Im Gesamtbild von Darkover ist dieses Buch aber sehr interessant, weil es die sehr große Lücke zwischen der Landung und der Wiederentdeckung ein wenig schließt.
Marion Zimmer-Bradley: "Band 2: Herrin der Stürme"
Roman, Softcover
Droemer Knaur 2000
ISBN 3-4266-0963-0
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