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Darkover



Marion Zimmer Bradley

Band 1: Die Landung

rezensiert von Susi Feistel

Über einen Zeitraum von 30 Jahren hinweg hat Marion Zimmer-Bradley mehr als 20 Romane über ihre Schöpfung – die Welt von Darkover – geschrieben. „Die Landung“ beschreibt, wie diese Welt zu Stande kam und ist als erster Band der Reihe anzusehen.

Die Handlung spielt mehrere Jahrhunderte in der Zukunft. Die Menschen haben das All erobert, doch nicht aus Forscherdrang, sondern aus purer Notwendigkeit. Die Erde ist maßlos überbevölkert und ihre Ressourcen erschöpft. Es blieb den Menschen nichts anderes übrig, als fremde Planeten zu kolonisieren. Diese Fakten sind über das ganze Buch verteilt, zusammen mit ein paar nicht ganz so freundlichen Angaben, zeichnen sie ein wenig rosiges, aber sehr realistisches Bild von der Zukunft.

Die Erzählung selbst beginnt auf einem fremden Planeten – ein Kolonisierungsschiff mit mehreren hundert Siedlern an Bord musste dort bruchlanden. Das Schiff scheint zumindest vorläufig ein Wrack zu sein, Navigation und Antrieb sind nicht funktionstüchtig. Die gestrandeten Menschen teilen sich in zwei Gruppen: die einen glauben an eine Reparatur des Schiffes und eine baldige Abreise. Der andere Teil akzeptiert, dass man sich auf nicht absehbare Zeit auf dem Planeten einrichten muss.

In anderen Büchern von Marion Zimmer-Bradley muss sich der Leser oft erst durch ein Drittel des Buches arbeiten, ehe es tatsächlich richtig spannend wird. Meist wird man auch noch mit sehr vielen Namen und Orten bombardiert, die alle eine gewisse Relevanz haben. Nicht so in diesem Buch – hier wird der Leser mitten im Geschehen ausgesetzt und es ist von Anfang an spannend. Besonders wenn man schon ein paar andere Bände der Darkover-Reihe kennt und wissen will, wie alles anfing.

Rafael MacAran heißt der Charakter, mit dem man den Großteil der Geschichte erlebt. Er ist Geologe und mit den anderen Siedlern auf dem Weg zur Coronis-Kolonie. Bei dem Absturz verliert er seine Schwester, doch für Trauer bleibt nicht viel Zeit. Der Planet muss notdürftig erkundet werden – wo befindet sich der Planet, welches Klima hat er, wie lebensfeindlich ist er? Allein die Sichtung der Schäden am Schiff wird mindestens eine Woche dauern…

Während die Mannschaft des Schiffes und die Siedler ein Camp anlegen, machen sich MacAran, der Arzt Ewen Ross, die Navigatorin Camilla Del Rey und Experten in Zoologie und Botanik auf eine Erkundungstour zu einem Berggipfel, mehrere Tagesmärsche entfernt. Del Rey, die nichts anderes als Raumhäfen und –schiffe kennt, wünscht sich nichts sehnlicher, als dass das Schiff schnell wieder flott ist. Die anderen, alles Siedler, gewöhnen sich langsam an den Planeten mit der blutigen Sonne und den vier Monden. Der Gedanke, einen komplett unbekannten Planeten in Pionierarbeit zu besiedeln, ist für sie durchaus nicht ohne Reiz. Es wäre mal etwas anderes, als die bereits durch Terra-Forming angepasste Kolonie, zu der sie ursprünglich reisen sollten.

Auf dieser ersten kurzen Expedition beginnt MZB ihre Charaktere näher zu beleuchten und mit ihnen die verschiedenen Ansichten zur Situation. Bis zum Ende sieht man sie alle als Menschen, wie du und ich und der Nachbar von Nebenan. Sie alle mit ihren Stärken und Unsicherheiten sind einem sehr sympathisch, ebenso sind ihre Aktionen und Beziehungen zueinander nachvollziehbar.

Auf dem Rückweg zum Camp begegnet der kleinen Gruppe dann die erste wahrlich lebensbedrohliche Situation (von ein paar Hautreizungen durch Pflanzen und giftigen Ameisen abgesehen) – eine durch die Luft verteilte halluzinogene Droge. Sie alle werden temporär vom Wahnsinn befallen. Den Botaniker der Truppe kostet es das Leben. Doch dies ist nur ein Vorgeschmack auf das, was passiert, als die Droge auch im Camp ‚zuschlägt’…

Erst im Nachhinein merken die Gestrandeten, dass sie durch die Droge verändert werden. Teile des Gehirns, die schon vor langer Zeit ihre Funktion verloren haben, werden wieder aktiv…

Im Buch werden immer wieder philosophische und ethische Fragen eingestreut: Wie viel Technologie braucht der Mensch zum Überleben? Ist er schon zu abhängig von der Technologie? Definiert sich der Mensch nur durch seine technischen Errungenschaften? Besonders gut war die Diskussion um Geburtenkontrolle und Fehlgeburten. Auf der hoch entwickelten Erde kann man es sich leisten, Fehlgeburten auf ein Minimum zu reduzieren und auch missgebildete oder zu früh geborene Kinder durchzupäppeln und großzuziehen. Die Technologie macht es möglich, dass man die biologische Selektion außer Kraft setzt. Doch in der Wildnis ist es gerade diese Selektion, die vermutlich das Überleben der Siedler sichern wird. So werden absichtlich Fehl- und Frühgeburten nicht verhindert und der Natur freier Lauf gelassen…

Zimmer-Bradley verbindet geschickt menschliche Geschichten mit philosophischen Fragen in einer spannenden Geschichte um die Entstehung der Kultur von Darkover. Es ist ein guter und einfacher Einstieg in diese Welt. Man sollte jedoch den nächsten Roman bereithalten, da man nach diesem Buch mehr erfahren will...

Marion Zimmer Bradley: "Band 1: Die Landung"
Roman, Softcover, 251 Seiten
Droemer Knaur 2001

ISBN 3-4266-0958-4

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