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rezensiert von Thomas Harbach
Peter Schmidt ist einer der prominentesten Vertreter des deutschen Kriminal- und Agentenromans. 1994 wurde er als Träger des Literaturpreises Ruhrgebiet ausgezeichnet, für seine manchmal humorigen Thriller erhielt er dreimal den deutschen Krimipreis. Das die Grenze zwischen futuristischen Stoffen und dem Ermittlungsgenre sehr schmal ist, unterstrich Peter Schmidt in Romanen wie "Das Prinzip von Hell und Dunkel", "Die fünfte Macht" oder "Gen Crash".
Die Manipulation der Gene und die Herausforderung der Wissenschaftler , in die Gottrolle zu schlüpfen, sind markante Schwerpunkte seines insgesamt fünften Science Fiction Romans. Den offenkundigen Bezug zu Michael Crichtons "Jurassic Park" und den sich anschließenden Steven Spielberg Verfilmungen nimmt er elegant und routiniert die Schärfe, in dem er einen der Charaktere lakonisch eben diesen Film zitieren lässt.
Die Grundidee ist vergleichbar: Dinosaurier werden dank der erstaunlichen Fortschritte der Genforschung wieder zum Leben erweckt. In Crichton/Spielbergs Version als Mittelpunkt eines neuen gigantischen Freizeitparks, in Peter Schmidts düsterer "Endzeit" Version als Mittel zum Zweck. Als Beweis eines kranken, kreativen Geistes und als Herausforderung an die kränkliche Zivilisation, die schnell aus ihrem vertrauten Bett gestoßen werden kann. Dabei ist Schmidt vorsichtig und konzentriert seine Handlung auf eine Stadt Die Isolation einer im Verhältnis kleinen Gruppe von Menschen ist seit Generation ein effektives Mittel, um eine Bedrohung unmittelbar und konkret zu fabulieren. Die eleganten Flugsaurier zerstören auf ihren Beutezügen eher unbewusst die Lebensadern menschlichen Fortschritts - die Stromleitungen- und spielen in der Dunkelheit ihre raubtierartigen Jagdinstinkte brutal aus.
Dagegen bildet sich eher zufällig eine Gruppe tapferer Helden: ein entschlossener Wissenschaftler und seine Tochter, eine raubeinige Journalistin sowie ein skeptischer Polizist. Schmidt gibt seinen Figuren relativ natürliche Charakterzüge: Keiner ist durch und durch gut, keiner dieser Alltagshelden vertritt die Böse Seite. Auffällig ist die Harmonie in der Gruppe Der Wissenschaftler und seine Tochter akzeptieren die Journalistin schnell in ihrem Leben, der Polizist bemüht sich im Rahmen seiner Vorschriften zu helfen und die Gefahr schweißt diese vier zusammen. Trotzdem ist die Bedrohung allgegenwärtig und bevor der Autor leider zum klischeehaften Showdown ausholt, lässt er einen aus der Gruppe auf dramatische Weise ums Leben kommen. Wie in einem guten Krimi muss die Gefahr spürbar sein. Ohne diesen makabren Höhepunkt hätte das letzte Drittel des Buches zu abgedroschen und klischeehaft gewirkt. Routiniert, fast lustlos bringt Schmidt seinen Roman mit einem offenen Ende zum Abschluss. Die in einem pathetischen Appell aufgeführten Motive wirken wie eine Entschuldigung und unterstreichen die Intention des Autoren, dem Monstergenre eine weitere Kopie hinzuzufügen. Er muss sich allerdings den Vorwurf gefallen lassen, in der zweite Hälfte des Romans nicht gegen die grundlegenden Gesetze opponiert zu haben .
Der interessante ursprüngliche Aufbau geht in den Actionszenen gänzlich verloren. Dabei bemüht sich Peter Schmidt sowohl in der Exposition als auch in der ersten Hälfte der Story sachlich, nüchtern und mit einem profunden Fachwissen bewaffnet, zwischen den Vorurteilen an die Gentechnik und dem praktischen Nutzen für die Menschheit zu vermitteln. Die Saurier spielen hier im Hintergrund schon eine wichtige Rolle. Aber wie in einem effektvollen wunderschönen Gemälde bestimmen sie mehr hintergründig die Atmosphäre als die eigentliche Handlung. Die Figuren sind alle auf der Suche, doch beim Leser bleibt der Eindruck bestehen, sie alle sind auf der Suche nach ihrer inneren Zufriedenheit, nach profundem Wissen aber nicht nach einer zu diesem Zeitpunkt mehr imaginären Bedrohung. Besonders störend ist der ständige Hinweis auf die mögliche Verleihung des Nobelpreises. Peter Schmidt macht dem Leser nicht bewusst, ob er die gierige Scheuklappenforschung anprangern möchte oder hinter diesen Bemerkungen eine andere Absicht - wie zum Beispiel die geistige Einseitigkeit dieses einen Mannes und seines übertriebenen Egos - steht.
Die Schwierigkeit des gesamten Buches liegt in der Tatsache begründet, dass diese Endzeit vielleicht für einen sehr kleinen Teil der menschlichen Zivilisation für eine begrenzte Zeit Realität werden könnte, doch für unseren ganzen Planeten und die vielen Milliarden Menschen ist das lokale Züchten und Aussetzen von sich durch Eiablage vermehrenden Dinosaurier keine effektive Bedrohung. Eine Stadt erreicht nicht die fesselnde Faszination einer Insel, Hilfe in Form von Soldaten kann leicht von außen kommen, die Kommunikation ist nicht abgeschnitten und es bleibt immer noch die Flucht zu Verwandten oder Auffanglagern. In diesen Punkten ist Crichton/Spielbergs Version der effektivere Thriller. Von den Charakteren her und dem Background, den Schmidt hier entwickelt, überzeugt "Endzeit" als unterhaltsame, leicht zu lesende und in manchen Kapiteln sehr fesselnde Lektüre mit ernstem Hintergrund. Zu selten dringt der Autor allerdings tiefer in diese Materie ein. Auch nach Abschluss der Lektüre bleibt eine gewisse Lehre zurück. Es fehlen an einigen Stellen Überraschungsmomente. Damit sind nicht die obligatorischen Schockelemente in alter Thrillertradition gemeint, sondern für einen Roman mit über zweihundert Seiten Umfang verläuft die Handlung zu geradlinig und der Leser ist viel schneller als die agierenden Protagonisten auf der Fährte des Täters. Der Autor lässt nur eine Option offen. Schmidt bietet bedauerlicherweise in seinem Stoff keine Alternativen, die wenigen falschen Spuren tragen alle auf ihrem Rücken fast schon ein entlarvendes Warnschild .
Ob Peter Schmidt diese simple Handlungsführung bewusst gewählt hat, um direkt auf die Gefahren der Genforschung hinzuweisen, ist eine diskussionswürdige Frage. Der Kontrast zwischen dem detaillierten wissenschaftlich exakt recherchierten Background und der vordergründig laufenden Handlung ist phasenweise zu stark als das "Endzeit" ein komplett gelungener Roman sein könnte. Vielleicht ist der Autor auch nur wie viele von uns der Faszination der Dinosaurier erlegen.
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Peter Schmidt: "Endzeit"
Roman, Softcover, 204 Seiten
BLITZ-Verlag 2004
Leserrezensionen
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28.08.06, 23:43 Uhr
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Florian Hilleberg
unregistriert
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Peter Schmidts Roman stellt einen rasanten Cocktail aus „Jurassic Park“ und „Die Herrschaft des Feuers“ dar. Dabei hat der Roman nur einen sehr geringen Umfang von gerade mal 204 Seiten, was dazu führt, dass die Handlung in einem irrsinnigen Tempo abläuft und der Leser kaum Zeit hat Luft zu holen und die Handlung zu reflektieren. Genau so wenig wie die Protagonisten, die ebenso von einer Szene in die andere geworfen werden und die gesamte Zeit über sehr farblos bleiben. Auch die Charakterisierung der Akteure bleibt leider überaus klischeehaft und der Leser weiß recht schnell, wer hinter den Ereignissen stecken muss. Dadurch wurde auch das Krimi-Element verschenkt und ungenügend ausgereizt. Aus der Frage nach der Herkunft dieser Ungeheuer hätte man durchaus mehr machen können. Dabei ist das Grundgerüst des Romans durchaus spannend und gelungen: Ein pseudowissen¬schaftlicher Aufhänger, der mit der Angst der Menschen vor unbedachten Genmanipulationen spielt, ein wenig pompös vielleicht, wenn man bedenkt, dass gleich eine ganze Armee von ausgestorbenen Riesenechsen durch die Lüfte gleitet. Das Endzeit-Szenario ist ebenfalls sehr eindringlich beschrieben worden. Militär, welches die Zivilisten mahnt in den Häusern zu bleiben, sich selbst aber recht hilflos gegenüber den Monstern zeigt, was dazu führt, dass sich die beherzten Bürger selbst zu helfen versuchen. Natürlich fehlen auch die Untergangs¬propheten nicht, die dieses Mal in Form von Mitgliedern eines Vereins für Drachen auftreten. Dadurch bekommt der Roman einen Hauch von Mystik. Ein weiterer Reiz dieses Romans ist der, dass der Autor offen lässt in welcher deutschen Stadt das Grauen hereinbricht. So kann man selber entscheiden, ob man sich in der belagerten Stadt wähnt oder nicht. Die Innenillustration mag mir dieses Mal nicht zu gefallen, wirkt es auf mich doch eher wie einem Kinderbuch entliehen, zumal nichts anderes zu sehen ist, als auf dem vielfarbigen Cover. Fazit: Ein spannendes, rasantes Endzeit-Szenario, welches weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt und dabei kaum eigene Ideen zu entwickeln vermag. Für einen verregneten Nachmittag aber durchaus geeignet, wenn man Gefallen an den obern erwähnten Filmen findet.
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