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Comics (diverse)



Elzie Crisler Segar

Popeye

rezensiert von Christian Humberg

Kaum Spinat für Popeye: Der mare-Buchverlag räumt mit Vorurteilen auf

Wir kennen ihn alle, diesen Pfeife auf Pfeife rauchenden Seemann mit den ausladenden Unterarmen, den zupackenden Fäusten und der doch eher gewöhnungsbedürftigen Aussprache. Zahlreiche Zeichentrickfilme, Comichefte und sogar ein (wenn auch wirtschaftlich verunglückter) Realfilm drehen sich um die beliebte Figur, trivialisieren aber zumeist nur, was ursprünglich ganz anders umgesetzt wurde. Der mare-Buchverlag räumt nun auf mit vorgefassten Meinungen und wer dachte, umfassend über Popeye den Seemann informiert zu sein, steht dank dieser Publikation vor ganz neuen Erkenntnissen. Es ist an der Zeit, dass auch junge Generationen von Comiclesern und -forschern Popeye kennen lernen. Den Mann selbst, nicht nur die Legende.

Geschichte einer Comic-Ikone
Denn die vom Cartoonisten Elzie Crisler Segar (der seine frühen Werke ob dieses Nachnamens gerne mit einer zkizzierten Zigarre signierte) am 17.01.1929 in seinen Comicstrip „The Thimble Theatre“ eingeführte Figur des rauen Matrosen Popeye war weder als Sympathieträger noch als dauerhafter Charakter der Serie gedacht, die zu diesem Zeitpunkt immerhin schon seit knapp zehn Jahren in amerikanischen Tageszeitungen erschien. Doch sie wurde beides. Segar hatte 1916 begonnen, im Auftrag der Chicago Tribune einen täglichen Comicstrip zu den beliebten Filmen mit Charlie Chaplin zu betreuuen. Doch die gezeichneten Eskapaden des Tramps kamen beim Publikum nicht an, sodass diese filmwissenschaftlich sicher nicht ganz uninteressante Episode schnell wieder zu den Akten gelegt wurde. Doch hatte der junge Segar mit seinem Zeichen- und Erzählstil die richtigen Leute überzeugt. Alsbald vertraute man ihm einen neuen daily strip an, der „The Thimble Theatre“ betitelt wurde und den Segar mit illustren Charakteren wie Ham Gravy und Olive Oyl bevölkerte – letztgenannte hält sich bis in die Gegenwart tapfer im Figurenkosmos des noch immer neu erscheinenden Strips.

Segar übernahm den „Thimble“-Auftrag also, landete aber ebenfalls keinen allzugroßen Hit. Zwar wurden seine Geschichten (denn Segars ausufernd-fantasievoller Erzählstil ist mit Recht bemerkenswert) dankbar gelesen, doch entwickelte sich noch kein Kult deswegen. Mit der Einführung Popeyes änderte sich dies. Im Rahmen einer laufenden Geschichte (im vorliegenden Buch „Das Giggelhuhn“ betitelt) benötigte der Protagonist Kastor Öl ein Schiff nebst Personal und griff, aus Gründen der Knauserigkeit, dafür auf Popeye zurück, einen einäugigen und durchaus einfältigen Seemann älteren Semesters. Nach Ablauf dieses Abenteuers, so Segars Plan, verschwände Popeye wieder im Fundus aller rein funktional motivierten Nebenfiguren. Doch die Leserschaft sah dies anders. Längst hatte sie einen Narren an dem alten Brummbären mit der dialektal-unverständlichen Aussprache gefressen. In Leserbriefen forderte sie lautstark die Wiederaufnahme der Figur im „Thimble Theatre“, Segar entsprach diesen Wünschen gern und ab dato war der Seemann aus dem Strip nicht mehr wegzudenken. Ja, selbst altbekannte Hauptfiguren wurden von ihm aus der Serie gedrängt, der Strip schließlich nach ihm benannt. Ab 1933 wurde Hollywood auf Popeye aufmerksam und produzierte erste Zeichentrickkurzfilme, denen bis heute unzählige Produktionen folgten. Dabei wurde Segars unverwechselbar kraftvoller und runder Zeichenstil zwar mitunter noch recht gut getroffen, dass Segars Figur(en) im Zuge dieser californication jedoch deutlich verwässert und uminterpretiert wurden, ist bedauerlich aber nicht weiter verwunderlich. Weil aber die meisten Zeitgenossen Popeye nur noch als Figur aus diesen Adaptionen kennen, existiert hier eine Bildungslücke, die der deutsche Fan wie Fachmann aufgrund dieser ansprechenden Buchausgabe nun mühelos schließen kann.

„Ich pin wassich pin“
Der Band umfasst alle noch von Segar selbst (er starb 1938 an einem Leberleiden) geschaffenen Strips, dailies und sundays, erstmalig komplett in deutscher Sprache. Was kein leichtes Unterfangen war, wie der rennomierte Literaturübersetzer Ebi Naumann in seinem Vorwort zugibt, der für die Eindeutschung des Popeye’schen Jargons (einer bewusst kruden Mischung aus Seemannsschnauze, Fantasie und Tumbismen) verantwortlich zeichnet. Dem Kenner der Vorlagen zeigt sich, wie gelungen Naumanns Arbeit wirklich ist: Wie auch schon Segars Schreibstil vermag es auch Naumanns Übersetzung aufgrund ihrer blumigen und stets lebendigen Art der deutschen Sprache fantasievolle Neubildungen abzugewinnen, die dem kleinen Matrosen einen besonderen Charakter verleihen. Es geschah nicht von ungefähr, dass sich auch das literarische Feuilleton der großen deutschen Tageszeitungen für diese Publikation interessierte.
Comic-Werkausgaben haben momentan Konjunktur. In diesen Tagen starten Carlsen (Peanuts) und Ehapa (Garfield) jeweils eigene Reihen zu modernen Klassikern. Es ist dem mare-Buchverlag hoch anzurechnen, dass er eine weitere wahre Legende in diesen Mix wirft. Mit „Popeye“ ist ein Prachtband erschienen, der Neulesern wie Comichistorikern gleichermaßen als Quelle dient. Und das, so würde der Seemann selbst wohl sagen, tas wurdauch Sseit.

Mit freundlicher Genehmigung von Christian Humberg

Elzie Crisler Segar: "Popeye"
Comicalbum, Hardcover
mare Verlag 2006

ISBN 3-9363-8431-2

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