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Abenteuer



Thomas Thiemeyer

Die Stadt der Regenfresser

rezensiert von Thomas Harbach

Im Grunde schließt sich für Thomas Thiemeyer mit der Veröffentlichung seines ersten Jugendbuches “Die Stadt der Regenfresser” in einer wunderschönen Hardcoverausgabe des Löwen- Verlages ein kleiner Kreis. Seine erste Buchveröffentlichung ist das Jugendbuch “Das große Buch der Saurier”, bevor er seit 2004 mit “Medusa” insgesamt vier Thriller veröffentlicht hat. Es schließt sich aber auch inhaltlich ein zweiter Kreis mit dem ersten Band der Chroniken der Weltensucher: wie “Medusa” ist “Die Stadt der Regenfresser” in sehr stringenter Abenteuerroman, in welchem Thomas Thiemeyer eine gut zu verfolgende Handlung mit zahlreichen Actionsequenzen den verschiedenen Mythen und Legenden gegenüberstellt. So ist es keine große Überraschung, das “Die Stadt der Regenfresser” zusammen mit “Medusa” und mit einigen plottechnischen Einschränkungen “Magna” zu Thiemeyer bisher besten Arbeiten gehört.

Wie es sich für ein Jugendbuch gehört, braucht der Plot eine für Jugendliche geeignete Identifikationsfigur: Oskar Wegener lebt im Jahre 1893 in Berlin. Er überlebt in einer Hommage an Oliver Twist durch Diebstähle. Das meiste Geld investiert der sechzehnjährige Junge gerne in Bücher. In Abenteuerromane von Karl May oder Jules Verne. Er ahnt nicht, das ein Abenteuer bevorsteht, dass seine literarischen Helden in den Schatten stellen wird. Eines Tages glaubt er einen richtig guten Fang gemacht zu haben. Der Geldbeutel seines Opfers ist prall gefüllt. Leider erweist sich eine seltsame Münze als eine Art Peilsender und der Besitzer des Beutels fordert sein Eigentum zurück. Es handelt sich um den Wissenschaftler und illegitimen Sohn Alexander von Humboldts: Carl Friedrich Donhauser. Dieser macht Oskar ein Angebot, das er natürlich nicht ablehnen kann. Zusammen mit einer geheimnisvollen Frau, die über telepathische Fähigkeiten verfügen soll und Donhausers Nichte wollen sie nach Lateinamerika aufbrechen, um das Geheimnis einer fotographischen Platte zu lüften, die Donhauser mit viel Geld erstanden hat. Im Gegensatz zu diesem Quartett - ein geheimnisvolles Kiwi Weibchen scheint im Hintergrund ihre eigene Suppe zu kochen - ahnt der Leser schon die Herkunft der Platte, denn er verfolgte das Schicksal des Fotographen in dem dramatischen Prolog und weiß von einer zweiten Gruppe - ein Journalist und eine bildhübsche Agentin, die nur besondere Aufträge übernimmt -, die sich aufgemacht hat, den Fotographen zu finden und zu verifizieren, ob es sich wirklich um eine geheimnisvolle Stadt über den Wolken handelt, deren Bewohner Regenfresser sein sollen.

Zu den Stärken Thomas Thiemeyers gehört die dreidimensionale, atmosphärisch dichte und überzeugende Beschreibung der Handlungsorte. Während das Berlin des 19. Jahrhunderts ein wenig blass daherkommt und am Ende für eine Generalabrechnung noch einmal kurz zum Leben erweckt wird, funktioniert die Geschichte am effektivsten im dichten Dschungel Perus. Ohne die Hintergrundbeschreibungen zu sehr zu forcieren, bildet sich in der Phantasie des Lesers diese gekonnte Mischung aus historischer Realität und Fiktion. Oskar Wegener stimmt den Leser mit seinen zahlreichen Hinweisen auf Abenteuerromane wie Haggards “König Salomons Diamanten” förmlich darauf ein, dass irgendwo in diesem abgeschiedenen Tal etwas liegen muss. Die Erklärung für den Titel Regenfresser ist derartig verblüffend wie nachvollziehbar, das ab diesem Moment im Grunde ein gänzlich neues Panaroma aufgestoßen wird. Farbenprächtig, fremdartig, fesselnd ohne belehrend zu sein.

Handlungstechnisch beginnt Thomas Thiemeyer den Roman mit einem Paukenschlag, der absichtlich an die Indiana Jones Filmer erinnert. Danach springt der Autor zwischen drei unterschiedlichen Handlungsfäden - mit einem gemeinsamen Ziel - hin und her. Die Übergänge sind souverän, wenn auch teilweise ein wenig zu manipulierend gestaltet. Wie sehr sich Thomas Thiemeyer trotz seines ersten Jugendbuches als Autor weiterentwickelt hat, zeigt sich beim Zusammenfließen der einzelnen Handlungsebenen. Nicht nur die Suche nach einem gemeinsamen Ziel verbindet die einzelnen Protagonisten, auch eine schicksalhafte Begegnung in der Vergangenheit ist für den weiteren Handlungsverlauf relevant. Nach einem rasanten Auftakt ist der Mittelteil ein wenig ruhiger gestaltet. Thomas Thiemeyer versucht die Atmosphäre auf die Leser wirken zu lassen. Das funktioniert über weite Strecken sehr gut. Eine ultimative Bedrohung wird betont, denen nur Donhauser Herr werden kann. Im letzten Drittel des Buches offenbart sich die größte Schwäche des Romans. Vieles geht bis auf überraschendes, aber gut und ohne Pathos beschriebenes Opfer zu glatt. Donhauser hat gleich eine Lösung für eine überraschende und nicht vorhersehbare Bedrohung und der Endkampf ist im Vergleich zu Gesamtroman zu kurz, wenn auch pointiert geschrieben. Mit knapp 450 allerdings auch großzügig bedruckten Seiten ist “Die Stadt der Regenfresser” für ein Jugendbuch nicht zu lang und hätte einige handlungstechnische Winkelzüge und Rückschläge sehr gut vertragen können. Thomas Thiemeyer sollte in seinen weiteren Büchern sein jugendliches Publikum nicht unterschätzen und einige falsche Fährten legen. Im Vergleich zum sorgfältig und überzeugend herausgearbeiteten Hintergrund ist der Handlungsbogen ab der Hälfte des Plots ein wenig zu oft nach der Marke Zufall gestaltet. Insbesondere Donhauser droht zu einer Art wandelnden Genie zu verkommen. Als Charakter hat sich Thomas Thiemeyer beim geistigen Vater der Expedition noch nicht festgelegt. Viele Nebenfiguren bezweifeln, dass Donhauser wirklich der illegitime Sohn Humboldts ist und die Aufzählung seiner gescheiterten Expeditionen in Form eines “Who is Who” der Legenden und Mythen im langen, aber unterhaltsam ohne Hang zur Lächerlichkeit geschriebenen Epilog lässt den Leser auf Folgeabenteuer hoffen. Auf der anderen Sete fällt Donhauser vieles zu einfach und wenn er sich am Ende auch noch als Meister asiatischer Kampf - und Schwertsportarten erweist, ist es ein wenig zu viel. Hier wäre es sinnvoll gewesen, die geistigen und körperlichen Fähigkeiten aufzuteilen. Zu sehr rutscht Thomas Thiemeyer in die Nähe eines Indiana Jones des 19. Jahrhunderts. Selbst Überhelden wie Alan Quatermain haben nicht an allen Fronten punkten können. Die geheimnisvolle dunkelhäutige Begleitung mit den telepathischen Fähigkeiten und dem Hang zur Prophezeiung ist ein Charakter, dem Thomas Thiemeyer zu wenig Aufmerksamkeit schenkt. Sie negiert in einigen Schlüsselpassagen die Spannung und hätte als Figur weiter entwickelt werden müssen. Donhausers Nichte gehört zu den schwächsten Figuren des Buches und der aufkeimenden Romanze zwischen Oskar Wegener und ihr fehlt das entsprechende Fundament. Hier hätte Thomas Thiemeyer sich durchaus Zeit lassen können. Von den weiblichen Charakteren ist Valkrys mit ihrer James Bond Einstellung, aber auch einer sie in der Seele verletzenden Vergangenheit der interessanteste Charakter. Das liegt in erster Linie in der Tatsache begründet, das der Autor sie als Figur im Verlaufe des Plots nicht nur weiterentwickelt, sondern reifen lässt. Teilweise in den ersten Kapiteln wirkt sie ein wenig überzeichnet. Ihr Schicksal spricht wie schon erwähnt am Ende des Buches die Leser an. Weitere Nebenfiguren dienen eher dank flotter Dialoge als Ablenkung als das sie wirklich entscheidend in den Handlungsverlauf eingreifen. Thomas Thiemeyer gelingt es aber überzeugend, sie zu charakterisieren und ihnen im Grunde eine Sekunde des Ruhms zu schenken. Und das ohne das der Roman an Schwung verliert.

Zusammengefasst ist “Die Stadt der Regenfresser” bis auf die angesprochenen kleinen Schwächen eine originelle und rasante Abenteuergeschichte nicht nur für ein jugendliches Publikum. Wie Kenneth Opel in seiner bislang unvollendeten “Wolkenpanther” Serie ist vor allem die Mischung aus historischer Realität und Fiktion überzeugend. Insbesondere im ersten Teil des Buches verzichtet der Autor auf die nicht selten klischeehafte Schwarzweiß Malerei und entwickelt keinen klassischen Überschurken. Die Interessen die einzelnen Gruppen überschneidet sich überraschend oft, auch wenn die Mittel, um ans Ziel zu kommen, sehr unterschiedlich sind. Plottechnisch greift Thomas Thiemeyer positiv gesprochen nicht selten auf die “Anything Goes“ Mentalität der “Indiana Jones” Filme zurück. Wenn sich der Autor im nächsten Band der Serie die gleiche Mühe bei der ganzen Plotkonzeption wie bei den bunten und dreidimensionalen Hintergrundbeschreibungen macht, werden “Die Chroniken der Weltensucher” ohne Frage zu den populärsten Jugendbuchserien gehören. Vor allem bieten sie eine abenteuerliche Abwechselung zu den teilweise zu Problembeladenen Entwicklungstories bzw. den schier endlosen Texten um gute/böse/unentschlossene Vampire.

Thomas Thiemeyer: "Die Stadt der Regenfresser"
Roman, Hardcover, 448 Seiten
Loewe 2009

ISBN 9-7837-8556-5742

Weitere Bücher von Thomas Thiemeyer:
 - Das verbotene Eden - Logan und Gwen
 - Das verbotene Eden: David und Juna
 - Der gläserne Fluch
 - Der Palast des Poseidon
 - Korona
 - Magma
 - Medusa
 - Nerba
 - Reptilia

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