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Abenteuer



Wieland Freund

Der schwarze Karfunkel- Tulpenfieber

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Der schwarze Karfunkel“ inklusiv des Untertitels „Tulpenfieber“ legt Wieland Freund einen klassischen Abenteuerroman in der Tradition Alexandre Dumas durchaus mit aktuellen Bezügen zur gegenwärtigen Wirtschaftskrise vor. Nach „Die ungewöhnliche Reise des Jonas Nichts“ und dem Nachdruck von „Gespensterlied“ stellt dieses ungewöhnliche kurze Buch Freunds dritte Veröffentlichung im ambitionierten Beltz und Gelberg Verlag. Am Ende des mit knapp über einhundertfünfzig Seiten sehr kompakt geschriebenen Romans kommen die Protagonisten und impliziert der Leser zu der Erkenntnis, das Geld nicht alles ist. Gleich zu Beginn des Buches wird der junge Luuk von seinem Vater, einem Bäcker, verprügelt, weil er den Gulden für das verkaufte Brot verloren hat. Am Ende des Buches ist Luuk um einen wertvollen Edelstein sowie viele Erkenntnisse reicher. Für das Lesevergnügen ist es nicht unbedingt wichtig zu wissen, dass die Spekulation mit Tulpenzwiebeln wahrscheinlich die erste wirkliche Investitionsblase der „modernen“ Wirtschaftsgeschichte gewesen ist. Am Ende dieser heißen Spekulation sind mehr Tulpenzwiebeln per Termin bricht der Markt zusammen, weil am 03. Februar 1637 sich keine Hand mehr bei den Auktionen hebt, die mit über 1250 Gulden pro Zwiebel anfangen sollten. Die Saat dieser damals wirtschaftlichen Katastrophe ist in „Der schwarze Karfunkel“ schon breit ausgestreut.

Im vorliegenden Buch, dessen Handlungszeitraum keine achtundvierzig Stunden umfasst, trifft Luuk auf einen Musketier, in dessen Schwertknauf ein schwarzer Edelstein eingelassen ist. Dieser Edelstein hat die gleiche Form wie eine Narbe auf seinem Arm. Luuk folgt dem Franzosen, der in der kleinen holländischen Stadt nahe Harlem eine ganz besondere Tulpe, die Semper Idem, für seine französische Königin kaufen möchte. Wie Luuk am Anfang des Buches beinahe den Gulden verloren hat, hat der Musketier D`Ennery die schon gekaufte Tulpe verloren. Ohne die Blume will und kann er zusammen mit seiner Geliebten nicht zu Königin heimkehren. Ohne einen Erfolg darf er die hübsche Frau nicht heiraten. Verzweifelt versucht D`Ennery mit fragwürdigen Tulpenhändlern ein Geschäft zustande zu bringen. Mit knapper Not können sich D´Ennery und Luuk Seite an Seite aus den Schwierigkeiten retten. Augenscheinlich ist ein überdrehter Künstler der Schlüssel für weitere Ermittlungen, dieser hat die seltene Tulpe für das Buch eines Tulpenzüchters gemalt. Ein reicher Händler mit seinen Häschern versucht ebenfalls diese Blume in seinen Besitz zu bringen und schreckt auch nicht vor Diebstahl sowie Einbruch zurück.

„Tulpenfieber“ ist wahrscheinlich der erste Band zumindest einer Trilogie um den jungen Luuk. Das Geheimnis der Narbe mit einer frappierenden Ähnlichkeit zum schwarzen Karfunkel zieht sich durch den Roman, wird aber nicht ansatzweise geklärt. Zuerst beschreibt Wieland Freund die sehr unterschiedliche Bekanntschaft und spätere Freundschaft zwischen dem alles andere als perfekten Musketiere und dem jungen Luuk. Dabei ist es mehr als einmal Luuk, der dem erfahrenen Kämpfer auf seiner im Grunde grotesken bis verzweifelten Mission helfen ist. Zu Beginn des Buches wird D´Ennery noch als ein wenig arrogant und großspurig beschrieben. Ein typischer Musketier, wie ihn sich Generationen von Alexandre Dumas Leser und Kinogänger vorstellen. Später lernen ihn außen stehende Betrachter und Leser aus einer gänzlich anderen Perspektive kennen. Er ist wegen seiner eigenen Fehler verzweifelt und versucht die Sorgen in einer Flasche billigen Rotweins zu ertränken. Wieder ist Luuk, der ihn weiter mit sich schleift. Der Junge auf der Suche nach einem Abenteuer. Der Musketier verzweifelt und hoffnungslos. Obwohl der rasante Plot wenig Raum für eine ausführliche Charakterisierung lässt und Wieland Freund auch auf ausführliche Beschreibungen verzichtet, gelingt es ihm durch die einzelnen Aktionen bzw. Reaktionen ein gutes Bild seiner Figuren zu zeichnen. Insbesondere jugendliche Leser sind gleich auf der Seite des Jungen, der von seinem Vater hart und ungerecht zu Beginn des Buches bestraft wird. Dann erhält er die Möglichkeit, an der Seite eines richtigen, wenn auch nicht unbedingt sehr heldenhaften Musketiers zu kämpfen. Hier erfüllt Wieland Freund stellvertretend in der Figur Luuks einigen Generationen ihren Wunschtraum. D´Ennery selbst ist ein Charakter, der sich der Leser schwerer nähern kann. Auf der einen Seite entspricht er so ganz von seiner Haltung, seinen Erfahrungen im Kampf sowie seinem Wesen den bekannten Beschreibungen eben eines Alexandre Dumas. Auf der anderen Seite zeigt er als Mensch sich teilweise erstaunlich naiv und hilflos. In diese offenen Flanken kann Luuk manchmal ein wenig konstruiert eindringen und entsprechende Hilfe leisten. Neben diesen beiden Hauptprotagonisten sind auch die Nebenfiguren sehr ambivalent und teilweise überraschend dreidimensional gezeichnet worden. Sieht man von den eher komödiantisch überzogenen Beschreibungen in Form der beiden Tulpenhändler und Schmalspurgauner ab, ist es der Züchter Flusius – ein etwas unglücklicher Name -, der sich im Verlaufe der Ereignisse wieder auf das Wesentliche besinnt. Die Schönheit der Pflanzen und nicht den inzwischen nur noch zu einem Geschäft verkommenen Handel mit den prachtvollen, aber auf keinen Fall so wertvollen Blumen. Flusius ist plötzlich von einem Augenblick zum nächsten die Stimme der Vernunft, die aber nicht zu allen Charakteren durchdringt. Und wer nicht hören will, der muss eben auf doppelte Art und Weise fühlen. Diese Logik wird von Wieland Freund auf den letzten Seiten wie eine bitter schmeckende Medizin ein wenig zu übertrieben verabreicht, aber hinsichtlich des ganzen Romans stellt diese nicht unbedingt neue Weisheit eine gute Erkenntnis dar. In diesen Sequenzen balanciert der Autor auf einem schmalen Grad zwischen Komödie und Abenteuergeschichte. Der Ton hätte durchaus ein wenig dunkler sein können, wenn auch Flusius scheinbar absolute Lösung des Problems zu den besten und effektivsten Szenen des ganzen Buches gehört. Der Leser ahnt, was der alte Tulpenzüchter von Beginn an vorhat, aber wie Wieland Freund die Spannung dieser Sequenz nicht unnötig, sondern routiniert in die Länge zieht sowie die Erkenntnisse in den Antagonisten heraufdämmern lässt, ist „großes“ Kino.

Die verschiedenen Actionszenen – von der Wirtschaftshausschlägerei über den Diebstahl/ Einbruch bis zur Gefangenenbefreiung aus dem örtlichen Gefängnis – sind rasant und abwechselungsreich beschrieben. Wieland Freund bemüht sich erfolgreich, die einzelnen Szenen zu variieren und stellt nicht immer Luuk in den Mittelpunkt des Geschehens. Die drei Verbündete wider Willen – zu Beginn nur DÉnnery und Luuk, später noch Flusius – müssen sich in den einzelnen Situationen gegenseitig helfen und bilden nur zusammen ein effektives Trio gegen die Schurken zumindest des holländischen Ortes. Obwohl Wieland Freund nicht viel Zeit/ Raum hat, das 17. Jahrhundert wirklich ausführlich zu beschreiben, fügt er den einzelnen Szenen immer wieder entsprechende Hintergrundinformationen hinzu und zeichnet ein sehr lebendiges, dreidimensionales und farbenprächtiges Bild dieser Zeit. Die Dialoge sind pointiert und abwechselungsreich, nur selten ein wenig überzogen und pathetisch geschrieben. Die Anspielungen auf das schwarze Karfunkel dienen eher als vorgezogener Spannungsbogen für weitere Abenteuer. Der vorliegende Roman hätte auch sehr gut ohne den Hinweis auf die Ähnlichkeit zwischen Edelstein und Narbe auskommen können. Es ist eher so, dass mit dieser Verbindung der reine Zufall überspannt wird. Der besonders wertvolle Edelstein hätte auch ohne die Narbe die Neugierde des jungen Luuk beflügeln können. Es ist sicherlich eine ungewöhnliche Verzierung eines Musketierschwertes. Es lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers in eine Richtung, die Wieland Freund noch nicht verraten möchte. In erster Linie aus diesem Grund wirkt der vorliegende Roman ein wenig unrund, zu offen und teilweise zu sehr auf eine Fortsetzung ausgerichtet. Unabhängig von dieser Schwäche ist „Der schwarze Karfunkel- Tulpenfieber“ allerdings eine interessante, unterhaltsame und sehr kurzweilig zu lesende Abenteuergeschichte aus dem 17. Jahrhundert, die sofort den Lesern Zugang zu dieser historischen Welt bietet.

Wieland Freund: "Der schwarze Karfunkel- Tulpenfieber"
Roman, Hardcover, 154 Seiten
Beltz & Gelberg 2009

ISBN 9-7834-0779-9579

Weitere Bücher von Wieland Freund:
 - Das schwarze Karfunkel 2- Der Geist von Zweiseelen
 - Die unwahrscheinliche Reise des Jonas Nichts
 - Gespensterlied

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