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Abenteuer



Wieland Freund

Gespensterlied

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Gespensterlied“ legt der Verlag Beltz & Gelberg einen schon im Jahre 2004 im Rotfuchs erschienenen Titel aus der Feder Wielands Freunds neu auf. Im letzten Jahr ist schon Freunds „Die unwahrscheinliche Reise des Jonas Nichts“ als Hardcover erschienen. Die Reise bzw. Reisen, welche Malte und sein neuer Bekannter Gottfried von Quast zusammen mit ihrem Stuhl unternehmen, sind nicht weniger ungewöhnlich und auch nicht weniger phantastisch.

Der Roman ist in Berichtsform geschrieben. Im Vorwort wendet sich Malte direkt an seine Leser und beschreibt das Entstehen der insgesamt drei voll geschriebenen Hefte. Am Ende des Buches löst Wieland Freund diese im Grunde die Spannung reduzierende Form der Erzählung auf und fügt der Geschichte eine weitere Handlungsebene hinzu, die zumindest impliziert auf eine mögliche Fortsetzung hinweist. Der Plot des hier vorliegenden Romans ist allerdings abgeschlossen.

Malte lebt mit seinen Eltern in einem sehr kleinen Dorf. Sie betreiben den örtlichen Dorfkrug, der an einem Friedhof liegt. Auf diesem Friedhof werden nur die Mitglied einer einzigen Familie begraben. Seit vielen Jahren hat keiner der Dorfbewohner und auch nicht Maltes Eltern eine Beerdigung verfolgt. Jetzt ist es wieder so weit. Ein Mitglied der Familie von Quast wird in einer eher seltsamen Zeremonie, die Malte vom Fenster beobachten kann, begraben. Während der Trauerfeier trifft Malte auf den gleichaltrigen Gottfried von Quast, der zusammen mit seinem neuen Freund nachts auf den Friedhof gehen will. Über den von Quasts soll ein Fluch liegen und die Wurzeln dieses Fluchs reichen nicht nur weit in die Vergangenheit, es soll auf dem dörflichen Friedhof Hinweise geben. In der Nacht beobachten die beiden Jungs den Friedhofswärter Feldeisen – von dem im Ort noch niemand gehört hat – bei seiner Tätigkeit und werden dabei ertappt. Auf ihrer Flucht begegnen sie einer gruseligen Gestalt, die sich als Baldaner vorstellt. Und einem Stuhl, der sie fortan auf den Abenteuern begleitet. Die anstehende Reise führt die beiden Jungen nicht nur in die Tiefste Vergangenheit, sondern auch zu einer Begegnung mit dem Dichterfürsten Goethe.

Plottechnisch geht Wieland Freund in seinem für eine Zeitreisegeschichte ungewöhnlich stringenten und gut zu lesenden Abenteuerroman sehr geschickt vor. Mit Malte verfügen die Leser über eine Identifikationsfigur, von welcher der Leser weiß, dass sie das Abenteuer überleben wird. Allerdings hat sein Freund Gottfried von Quast inzwischen alles vergessen und auch Malte schreibt die Geschichte in erster Linie nieder, um sie nicht zu vergessen. Wie kann man das tollste Abenteuer seines bisherigen jungen Lebens überhaupt vergessen? Mit dieser Prämisse säht der Autor gleich von Beginn an Zweifel in seinen Lesern. Ist es vielleicht doch nur eine Spukgeschichte, die „kleinen“ Kindern erzählt wird und an der nichts Wahres dran ist? Da der Roman bis auf ganz wenige Szenen, welche Malte erläutert werden, ausschließlich aus seiner Perspektive geschrieben worden ist, ist die Bindung des Lesers an den Plot unwahrscheinlich eng. Wieland Freund kann in wichtigen Szenen auf unnötige Erläuterungen verzichten. Der Leser befindet sich immer nur auf Augenhöhe seiner Protagonisten. Wenn Informationen fehlen, bekommen sowohl Malte als auch Gottfried – und in ihrem Windschatten der Leser – entweder erzählt, ihnen wird ein geheimnisvoller Brief überbracht oder Schriftstücke werden entdeckt. Genau wie die beiden jugendlichen Protagonisten müssen die Leser sich die einzelnen Fakten dieser phantastischen Geschichte zusammensuchen. Die Idee, um Stuhl eine auf der einen Seite sehr einfache, aber nicht zu einfache Zeitmaschine zu verstecken, welche die ihr gegebenen Anweisungen allzu wörtlich nimmt, macht die Protagonisten unabhängig und beweglicher. Es finden zwei Reisen in die Vergangenheit statt. In beiden Fällen bemüht sich der Autor, die jeweilige Zeit möglichst authentisch, wenn auch nicht zu furchtbar zu beschreiben. Hinsichtlich der Kürze des Buches legt der Autor keine falschen Spuren aus und manche Informationen fällt den Protagonisten durch einen Zufall als wirklich Arbeit in den Schoß. Viel zu schnell kommt man dem Geheimnis des Stuhls auf die Spur und viel zu schnell sind die Jungs unterwegs. Immer verfolgt von dem finsteren Feldeisen, der trotz seiner Macht immer den obligatorischen Schritt zu spät kommt. Wenn Feldeisen präsent ist, ist er ein schrecklicher Antagonist. Oft wird aber nur über ihn gesprochen und insbesondere das Ende ist für einen Plot dieser Komplexität zu simpel konstruiert. Warum sollte sich Feldeisen so viel Mühe geben, wenn es Opfer zuhauf gibt? Auch die Zeitreisethematik an sich behandelt der Autor ein wenig zu oberflächlich. So finden sich die beiden Jungen erstaunlich gut in den verschiedenen Zeiten zurecht und haben auch keine Verständigungsschwierigkeiten. Hier hätte sich Wieland Freund entweder selbst für ein Lesepublikum im Alter von mindestens 11 Jahren einige weitere Erklärungen einfallen lassen können und müssen. Unabhängig von dieser Schwäche lebt der Roman von den überzeugend gezeichneten Hauptprotagonisten. Der Autor gibt sowohl Malte als auch Gottfried von Quast sehr individuelle Züge. Der Leser kann augenblicklich zwischen den beiden Jungen unterscheiden. Mit ihren unterschiedlichen Ansichten ergänzen sie sich sehr gut. Im Verlaufe ihrer Abenteuer kommt es nicht selten auf ihre intellektuellen Fähigkeiten an, aber nicht ausschließlich. In einigen Szenen vertraut Wieland Freund auch mehr dem Zufall als der Geistesgegenwart der beiden Jungen. Die Nebenfiguren wie den Dichter von der traurigen Gestalt - der vermeintlich seinem Idol Goethe begegnet - sowie den Erfinder, der die erste neue Fußbodenheizung nach den Römern genauso konstruiert hat wie erste Stuhlzeitmaschine, hat der Autor mit sehr viel Freude zum Detail fast überzeichnet. Die beiden Antagonisten Feldeisen und Baldander dominieren das Buch in unterschiedlicher Weise. Baldaner ist eine Art Merlinfigur, die in den wichtigsten Augenblicken entsprechende Hinweise gibt und am Ende des Plots auch aktiv in die Handlung eingreift, während Feldeisen im Grunde eine Figur ist, die auch in einem Schlüsselwerk Goethes eine wichtige Rolle spielt. Ohne weitere Hintergründe zu erklären sind diese Figuren - auch eine Verbeugung vor einer Reihe phantastischer Werke - mächtig, aber nicht allmächtig. Dann gäbe es nämlich weder die Geschichte noch die Zeitmaschine. In Hinblick auf mögliche Veränderungen der Gegenwart durch ihre Besuche in der Vergangenheit bleibt Wieland Freund eher ambivalent. Natürlich verändert sich die Zukunft, die einzelnen Protagonisten könnten ihre Handlungen in der Vergangenheit vergessen und ihnen würden wie allen Menschen die Veränderungen nicht auffallen. Vielleicht wäre es sogar ein besseres Ende gewesen. Stattdessen bemüht sich Wieland Freund eher konstruktiv als plottechnisches Überzeugung, die Handlung zumindest auf eine mögliche Fortsetzung hinzubiegen und viele der zu Beginn des Buches als Fakten akzeptierte Prämisse ad absurdum zu führen. Mit dem Epilog tut sich der Autor keinen Gefallen. Die leicht melancholische, aber phantastische Atmosphäre des Auftaktes hätte dem Roman am Ende deutlich besser getan. Immerhin haben Malte und Gottfried gegen alle Wahrscheinlichkeiten den Fluch gefunden und vertrieben. Gottfried ist wieder in einer richtigen Familie und nicht mehr bei Stiefeltern und Malte hat ein Abenteuer seines Lebens erlebt und kann davon zumindest seinen Notizheften berichten. Wie es sich für einen Entwicklungsroman gehört, hat insbesondere Malte seine leichte Naivität von Beginn des Buches verloren. Er ist nicht zuletzt dank seiner Handlungen selbstbewusster, aber auch ein wenig selbstkritisch reifer geworden. Unabhängig von dem eher erzwungen wirkenden Epilog ist „Gespensterlied“ eine einfallsreiche Geschichte um Familienflüche und Zeitreisen. Wieland Freund hat verschiedene Elemente der klassischen Abenteuergeschichte, des Gruselgenres und schließlich auch der Science Fiction zu einem geradlinigen und vor allem gut unterhaltenden Garn zusammen gesponnen. Es fehlt dem Roman noch ein wenig die Leichtigkeit von „Die ungewöhnliche Reise des Jonas Nichts“, aber die Wurzeln sind unverkennbar.

Wieland Freund : "Gespensterlied "
Roman, Softcover, 290 Seiten
Beltz & Gelberg 2008

ISBN 9-7834-0774-0946

Weitere Bücher von Wieland Freund :
 - Das schwarze Karfunkel 2- Der Geist von Zweiseelen
 - Der schwarze Karfunkel- Tulpenfieber
 - Die unwahrscheinliche Reise des Jonas Nichts

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