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Abenteuer



Michael Petzel & Jürgen Wehnert

Karl May Welten I

rezensiert von Thomas Harbach

In professioneller Form legt der Karl May Verlag einen Almanach für die gesamte Karl May Szene auf. Herausgegeben von Michael Petzel und Jürgen Wehnert werden auf mehr als zweihundert illustrierten Seiten – insbesondere die Farbfotos und farbigen Reproduktionen von Titelbildern sind eine Augenweide – unterschiedliche Themen rund um Karl May behandelt. Die insgesamt zwölf Artikel lesen sich nicht zuletzt aufgrund ihrer thematischen Vielfalt sehr amüsant, manchmal ein wenig zu bemüht und akademisch, aber nicht nur für Karl May Insider informativ. Oder gerade für Nicht Karl May Fanatiker sehr aufschlussreich, denn einige Themen – siehe die Karl May Filmbiographie – könnten Diskussionen entfachen. Der Karl May Verlag hat sich alle Mühe gegeben, einen schönen Almanach zu veröffentlichen. Das Druckbild ist sehr sauber, das Papier von bester Qualität – bessere Qualität als sie manche Karl May Neuauflage ihr Eigen nennen darf -, die Titelbildcollage von Torsten Greis ist stimmig.

Das Buch beginnt mit einem Schriftsteller auf der Suche nach seinen Lesern, von denen er zumindest in ihren Augen entfremdet hat. Unter dem Namen eines Freundes hat Karl May wahrscheinlich nicht zum ersten Mal seine Spätwerke positiv rezensiert. In diesem Fall die „Erzgebirgischen Dorfgeschichten“, Max Dittrich hat die pointierte, ein wenig ironisch überzeichnete Rezension mit einer kurzen Einführung versehen. Es wäre allerdings interessanter gewesen, diese Besprechung zum Ausgangspunkt einer ausführlicheren Diskussion mit Mays Aktivitäten unter Pseudonym zu verbinden, so wirkt die kurze Besprechung ein wenig isoliert. Frank Werder untersucht nach dem Ausschlussprinzip Karl Mays literarische Wurzeln im „Stolpener Volkskalender“. Je mehr Teile dieses Periodikums bei Sammlern untersucht werden können, desto enger sich der Kreis um mögliche Veröffentlichungen. Zu Beginn ein wenig zu steif und unnötig wissenschaftlich geschrieben, lockert die mit dem Nachdruck von Titelbildern dieser mehr als einhundertdreißig Jahre alten Kalender gut unterstützte Studie gegen Ende auf. Sie ist allerdings nur als Zwischenschritt in der fortlaufenden Suche nach dem fehlenden Material zu betrachten. Die Thematik May´scher Pseudonyme wird in „Oberlehrer Franz Langer- ein Pseudonym wird lebendig“ von Wolfgang Hermesmeier und Stefan Schmatz wieder aufgenommen, in diesem Fall allerdings zumindest vorläufig um eine mögliche Variante verringert. Jahrelang hat man angenommen, dass May unter dem Pseudonym Oberlehrer Franz Langer zur eigenen Verteidigung geritten ist. In jetzt erst gefundenen Briefwechseln ist belegt, dass der Oberlehrer von Fleisch und Blut ist. Neben ausführlichen Zitaten aus den Briefen wird eine unveröffentlichte Arbeit Langers in diesem kurzweilig zu lesenden, sehr informativen Artikel integriert. Dabei zeigt sich aus heutiger Sicht, warum der Artikel nicht unbedingt das Wohlwollen Karl Mays gefunden hat – der Autor nimmt die bevorstehende Biographie „Ich“ vorweg – und es schwer hatte, einen Verleger zu finden. Von einer kritischen Streitschrift kann nach der Lektüre nicht die Rede sein. Schwärmerisch – als wenn ein Schuljunge einige Zeilen aufs Papier geworfen hat – ohne eine notwendige Distanz zum besprechenden Werk, eine Zusammenfassung von Karl Mays bisherigem Werk inklusiv persönlichen Anekdoten und schließlich am Ende eine kurze Würdigung des Objekts der Begierde, des neuen May Romans. Gerade wegen dieser Zeitzeugnisse eine interessante Analyse und ein Pseudonym, das nun wirklich aus Mays manchmal egozentrischen Alter Egos gestrichen werden kann.

Aber auch mit Karl Mays Epigonen, sowie seinen Konkurrenten setzt sich Karl May Welten auseinander und damit wird die Facette der zugrunde gelegten Literatur betrachtenden Literatur deutlich erweitert.
Peter Richter vergleicht in seinem Artikel Robert Kraft und Karl May. Da Robert Kraft zumindest in einschlägigen Publikationen – siehe das ausführliche Portrait in zwei phantastisch Ausgaben oder die kurzen Besprechungen seiner wichtigsten Werke durch Heinz Galle im „MRU“ – in den letzten Jahren eine gewisse Bedeutung zurück gewonnen hat, konzentriert er sich auf verschiedene sehr interessante Aspekte: einmal die erste Begegnung der populärsten Kolportage-Autoren der deutschen Literatur, dann die zumindest latente Bekanntschaft, die unterschiedlichen Einstellungen zu ihrem Werk – Karl May sah sich inzwischen als Reiseschriftsteller, während Robert Kraft neben dem Broterwerb weiterhin für die intelligente Masse schreiben wollte – und schließlich auch die verschenkten Chancen. Eine interessante Theorie ist, was hätte Karl May erreichen können, wenn Robert Kraft als sein Zeuge in den lästigen Prozessen aufgetreten wäre. Auf der anderen Seite hätte sich Robert Kraft wahrscheinlich den Ast abgesägt, auf dem er gesessen hat. Leider geht Richter nicht mehr auf die Zeit nach Robert Krafts Tod ein, als Karl Mays Werk weiterhin populär geblieben ist, während die Arbeiten des echten Reiseschriftstellers zum Teil mit utopisch- phantastischen Anklängen, variantenreicher und vor allem frei von religiöser Symbolik inzwischen fast vergessen sind. Dazu hat sicherlich insbesondere Karl Mays Witwe beigetragen. Gute Ansätze für ein weiteres Studium von Robert Krafts Werk finden sich in diesem Artikel, vielleicht hätte Peter Richter noch ein wenig auf die einzelnen, wichtigen Romane in dessen Schaffe eingehen können und müssen. Klaus- Peter Heuers Artikel über den diebischen Priester – wie sein Spitzname in Italien lautet – und Karl May Nachahmer Ugo Mioni gehört zu den schwächsten Arbeiten dieser Sammlung. Nicht weil die Thematik unterinteressant ist – das Gegenteil ist der Fall. Sondern weil Heuer als Autor sich derartig widerspricht, dass es unfreiwillig komisch wird. Einige dieser Widersprüche finden sich auf einer einzigen Textseite – wo er Spuren, welche zu May führen könnten, gefliessentlich verwischt zu haben scheint – Seite 116- und gleichzeitig wäre es nur im Rahmen einer umfangreichen Arbeit möglich, wirklich alle Parallelen zwischen May und dem Italiener herauszuarbeiten. Dann plagiatiert der Autor May´sche Waffentechnik, um dann in einem aus der Luft gegriffenen Zwischenfazit von Heuer die Absolution zu erhalten, nur Motive kopiert zu haben, aus denen er dann eigene geistige Erzeugnisse geschaffen hat. Der Absatz vor dieser überraschenden Erkenntnis und der Nachsatz sprechen Bände über den Autoren dieses Artikels. Außerdem bleibt beim Leser von Heuers Arbeit der Verdacht bestehen, dass er sich auf Fremdmaterial verlassen und keinen von Ugo Mionis Romane im Original gelesen hat. Von dieser Prämisse ausgehend eine frustrierende Lektüre. Den Übergang vom geschriebenen Wort zu den Verfilmungen bildet Thomas Winklers reichlich bebilderter Überblick über die zahlreichen deutsprachigen Comics, welche auf Karl Mays Werk basieren. Dabei kritisiert Winkler weniger als das er die Daten und eine Vielzahl von reproduzierten Bildern für sich sprechen lässt. Das Format dieses Almanachs ermöglicht keine sehr gute Wiedergabe der Comicbeispiele, im Anhang sind allerdings eine Reihe von Titelbildern in Farbe abgedruckt worden, eine sinnvolle Ergänzung des kurzweilig zu lesenden Artikels, der potentiellen Sammlern einen ersten Endruck vom Umfang dieses Gebietes, einen kleinen Überblick über die Qualität der Adaptionen und schließlich Informationen über die Autoren sowie Zeichner gibt. Michael Petzel ist in seinem Artikel auf der Suche nach dem vorläufig letzten Drehort. In den letzten Jahren hat sich im ehemaligen Jugoslawien eine Art Karl May Tourismus etabliert, die Drehorte der zahlreichen Verfilmungen werden lokalisiert, kartographisch festgehalten und schließlich der Öffentlichkeit freigegeben. Natürlich in erster Linie die auch heute noch eindrucksvollen Landschaften in den Bergregionen. Nur eine Szene – der Tod des Bösewichts, verkörpert von Anthony Steffens – in „Winnetou II“ hat sich hartnäckig den Suchern verschlossen. Jetzt versucht Michael Petzel in seinem gut recherchierten, wenn auch am Ende nur auf Spekulationen angewiesenen Artikel das Geheimnis um diesen Drehort zu lüften.

„Wie viel schöner ist Stambul als Kairo“ von Hartmut Schmidt ist ein weiterer moderner Reisebericht. Schmidt hat zusammen mit einem Freund Istanbul mehrmals besucht und sich auf die Suche nach Karl May gemacht. Weniger wie in seinen Romanen – hier gibt es zwei ausgezeichnete Reiseführer, in denen die Wege von Karl Mays fiktiven Figuren nachvollzogen worden sind - als auf Karl Mays tatsächlicher Orientreise. Grundlage sind die May´schen Tagebuchaufzeichnungen, denen Schmidt zum einen folgt, die er aber auch kritisch auf Authentizität und vor allem Plausibilität prüft. Unterlegt ist der Artikel mit einigen stimmungsvollen Fotos.

Rudi Schweikert untersucht die Botanik in Mays letztem großen Werk „Ardistan und Dschinnistan“ . Dabei versucht er zuerst die lexikalischen Grundlagen zu eruieren, bevor er dann ein wenig vom Thema abschweift und wie May auch die eigentliche Erzählung vor den fremdartigen Hintergrund treten lässt. Insbesondere stilistisch zu steif und ein wenig zu unnahbar geschrieben, die Wiedergabe der alten Bilder aus den Lexika und die Erläuterung der Panorama- Technik einschließlich überraschend vieler Erwähnungen in Mays Werk lassen den Artikel weniger belehrend als aufklärend erscheinen.

Fünf Buchrezensionen runden die vorliegenden „Karl-May-Welten“ ab. Alle sind erstaunlich unkritisch, fast euphorisch im Tenor und die wenigen kritischen Stellen werden dank eines positiven Gesamturteils negiert. Der Informationsgehalt der Besprechungen ist fast null, insbesondere in Schriften, die sich intensiv mit dem Original auseinandersetzen, hätte man eine detailreichere Besprechung sich gewünscht. Die zwölf Artikel der „Karl May Welten“ bilden ein breites Spektrum in Bezug auf den sächsischen Volksautoren. Dabei sind einige wenige Artikel – wie die Botanik in Ardistan – eher für Kenner interessant, die meisten gut geschriebenen und fundiert recherchierten Texte sprechen ein breites Publikum an. Eine empfehlenswerte Anschaffung und eine gute Ergänzung zu den sekundärliterarischen Werken des Karl May Verlages.

Michael Petzel & Jürgen Wehnert: "Karl May Welten I"
Magazin, Softcover, 216 Seiten
Karl May Verlag 2005

ISBN 3-7802-3025-9

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