Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: SachbĂŒcher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Abenteuer



David J. Harbord

Seewölfe 1 - Der Freibeuter aus Cornwall

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Die Seewölfe – Der Freibeuter aus Cornwall“ startet der Pabel Verlag als E- Book einen Nachdruck seiner 1975 gestarteten Heftromanreihe, die immerhin mehr als siebenhundertsechzig Einzelabenteuer und siebenundfĂŒnfzig TaschenbĂŒcher umfasste. 15 Jahre spĂ€ter wurde die Reihe ohne große VorankĂŒndigung eingestellt. Im Gegensatz zur originalen Reihe umfassen die Nachdrucke nur die Abenteuer P.H. Killigrew. Die ersten elf Heftromane des Jahres 1975 waren Übersetzungen der vom fĂŒr seine Science Fiction Romane ebenfalls bekannten Kenneth Bulmer, dessen Arbeiten der Pabel- Moewig Verlag in verschiedenen Reihen veröffentlicht hat. Bulmer unter dem Pseudonym Adam Hardy geschriebene Romane orientierten sich an Foresters „Hornblower“ Serie. Erst mit dem zwölften Heft, dann allerdings durchgehend bis zur Einstellung der Serie begann die Lebens- und Leidensgeschichte Killigrews, der anfĂ€nglich verblĂŒffende Ähnlichkeit mit den ĂŒberdimensionalen Protagonisten K.H. Scheers aus dessen in den fĂŒnfziger Jahren als LeihbĂŒcher veröffentlichten Piratenromanen aufweist.
Das erste Heft beschreibt Killigrews Karriere vom gekidnappten einfachen Besatzungsmitglied bis zum eigenen KapitĂ€n eines von Drake aufgebrachten Spaniers mit einem rasanten, fĂŒr die siebziger Jahre typischen Heftromantempo. P.H. Killigrew muss schon zur See gefahren sein, als er 1576 in einer Spelunke zum Pressgang nach einigen Handgefechten ĂŒberredet wird. Er sucht ganz bewusst die Kneipe auf und fragt den Wirt, ob er ihn schon einmal „verkauft“ hat. Daraus entwickelt sich erst der Versuch, Killigrew zu betĂ€uben und an Bord des Schiffes zu entfĂŒhren. Er weicht mittels einer Katze dem gepanschten Wein aus und kann mit Hilfe eines ebenfalls irischen Jungen der Überzahl der Angreifer lange Zeit widerstehen. So entsteht aufgrund seines Furcht erregenden Aussehens wĂ€hrend des Kampfes der Spitzname „Seewolf“. Er wird schließlich nicht zum ersten Mal im Verlaufe des Buches niedergeschlagen. An Bord des Schiffes verdient er sich den Respekt der Mannschaft und schließlich auch das KapitĂ€ns, als er sich gegen den sadistischen Deckmann schließlich durchsetzen kann. Sein Wille wird selbst durch die Wasserfolter im Vorschiff nicht gebrochen.
Der am Ammersee wohnende Wilhelm Kopp alias David J. Harbord ist selbst zur See gefahren. Daher wirken die alltĂ€glichen AblĂ€ufe an Bord der „Marygold“ sehr authentisch. Dagegen ist die Charakterisierung Killigrews zu ĂŒberzogen. Er hat auf seinen vorherigen Fahrten im Grunde alles gelernt, was man als guter Seemann und kurze Zeit spĂ€ter als ĂŒberragender KapitĂ€n benötigt. Hinzu kommt seine krĂ€ftige Gestalt, die eher an Howards Barbaren denn einen Adligen des 16. Jahrhunderts erinnert. Wo er hin schlĂ€gt, wĂ€chst kein Gras. Desweiteren kennt er sich mit Kanonen an Bord der Segelschiffe aus und ist in taktischer Hinsicht eine ideale Mischung aus DraufgĂ€nger und verschlagenem KĂ€mpfer, welcher die SchwĂ€che der beiden spanischen Gegner sofort analysiert. Auch als Detektiv eignet er sich in der zweiten HĂ€lfte des Buches sehr gut.
Die Ironie des ersten Romanteils lĂ€sst sich in der Begegnung mit dem KapitĂ€n zusammenfassen. Es handelt sich um Francis Drake, auf dessen Schiff Killigrew auch freiwillig angeheuert hĂ€tte. Nachdem er sich wie schon angesprochen des Respekt der Mannschaft verdient hat, muss er als Deckstellvertreter einen Saboteur ausfindig machen, der nicht nur nachts ein Besatzungsmitglied ermordet und ĂŒber Bord wirft, sondern auch Ratten ins Essen mischt, die WasserfĂ€sser auslaufen lĂ€sst und schließlich das Schiff an einer schwer von innen zu erreichenden Stelle an Bord. Hier kommen wieder Killigrew und sein junger Schatten ins Spiel, denen es in einer der spannenden Episoden der zweiten RomanhĂ€lfte gelingt, das Leck abzusichern und das Schiff zu retten. Obwohl sich Kopp MĂŒhe gibt, die IdentitĂ€t des eigentlichen Spions lange zu verheimlichen, gibt es zumindest nur eine Richtung, aus welcher die Attentate kommen können. Der Hintergrund der AnschlĂ€ge ist vielleicht zu komplex entwickelt; die Idee, den KapitĂ€n wĂ€hrend eines Überfalls zu töten vordergrĂŒndig ĂŒberzeugend, hintergrĂŒndig aber zu ambivalent beschrieben. UnabhĂ€ngig von dieser SchwĂ€che entwickelt sich der Mitte der siebziger Jahre geschriebene Roman zu stark auf den fast allmĂ€chtigen charismatischen Killigrew hin entwickelt. Eine Rhodan Figur auf hoher See, die ohne Probleme aus der Schmiede K.H. Scheers stammen könnte, In politischer Hinsicht sind die Sympathien klar verteilt. Auch wenn Francis Drake als sanktionierter und privat finanzierter Pirat entlarvt wird, sind es die tyrannischen Spanier, die von der See getilgt werden mĂŒssen. Die beiden Feuergefechte inklusiv der abschließenden Kaperung werden hart und knapp beschrieben, auf sadistische Details bis auf den Hinweis, das alle spanischen Seeleute bis auf den gefangen genommenen KapitĂ€n ums Leben kommen beim zweiten Überfall ums Leben kommen ausgespart.
Kopp bemĂŒht sich aber, den einzelnen relevanten Besatzungsmitgliedern der „Marygold“ individuelle ZĂŒge zu geben. Da wird mit dem Koch lautstark und handfest gestritten. Der Schiffszimmermann ist ein – so weit es geht – bodenstĂ€ndiger Handwerker und die MĂ€nner sind einer ehrlichen Haut wie Killigrew schnell sklavisch ergeben. Teilweise balanciert der Roman stark am eindimensionalen Klischee entlang, aber die pointierten Dialoge gleichen diese SchwĂ€che manchmal auf ungewollt amĂŒsante Art und Weise wieder aus.
Zusammengefasst ein solider geschriebener Auftaktband einer immerhin fast fĂŒnfzehn Jahre veröffentlichten Heftromanreihe, der insbesondere den ĂŒberdimensionalen, sein Umfeld angesichts der perfekten Mischung aus Intelligenz und Kraft erdrĂŒckenden Überhelden ein wenig unglaubwĂŒrdig schnell zu seinem ersten eigenen Kommando fĂŒhrt.



David J. Harbord : "Seewölfe 1 - Der Freibeuter aus Cornwall"
Roman, Softcover, 117 Seiten
Pabel- Verlag 1975

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::