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Abenteuer



Earl Warren

Angriff der Aquakrieger

rezensiert von Thomas Harbach

Mit "Angriff der Aqua- Krieger" liegt die erste HĂ€lfte eines weiteren Roberta Lee Abenteuers aus der Feder Earl Warrens als Paperback im Rahmen der Romantruhereihe "Die SchatzjĂ€gerin" vor. Das Titelbild passt allerdings nicht zum eigentlichen Band. Auch der Hinweis, dass es sich um das elfte Abenteuer mit Roberta Lee handelt, ist mißverstĂ€ndlich. Auch bei den Kelter Taschenheften haben sich die Handlungsbögen wie bei der Romantruhe ĂŒber zwei BĂ€nde hingezogen, so dass im Kelterverlag nicht acht Roberta Lee Expeditionen beschrieben worden sind, sondern deutlich weniger.
UnabhĂ€ngig davon schließt Earl Warren zumindest vordergrĂŒndig an die im anderen Verlag veröffentlichten Abenteuer an.
Die Idee, Roberta Lees auf einer geheimen Mission verschollenen Verlobten - den Green Beret Captain Roger Stone - zu reaktivieren, verwirft der Autor gleich wieder. Der amerikanische Geheimdienst hat ihn nach drei Jahren aus den HĂ€nden der Taliban freigekauft. Durch die Folter und GehirnwĂ€sche ist er zu einem seelischen Wrack geworden, dass seine Umgebung im Allgemeinen und Roberta Lee im Besonderen nicht wieder erkennt. Auch wenn Earl Warren immer wieder Roberta Lees treues Seelenleben - bis auf den einen One Night Stand - beschrieben hat, wirken diese vordergrĂŒndig emotional elementaren Szenen zu distanziert beschrieben. Es zeigt sich nachdrĂŒcklich, dass diese SchwĂ€che in Warrens umfangreichem Werk bislang nicht behoben werden konnte. Wenn er dann auch noch eine Beziehung zu Stones ehemaligen Kollegen und jetzigen Ansprechpartner Lees fĂŒr die kommende gefĂ€hrliche Mission Dex Kelley in die Handlung einfĂŒhrt, dann wirkt es klischeehaft. Bislang funktionierte Roberta Lee in erster Linie, weil sie auf der einen Seite eine sehr attraktive wie intelligente Frau gewesen ist, die sich ihrer StĂ€rken und kaum vorhandenen SchwĂ€chen bewusst gewesen ist. NatĂŒrlich kann man angesichts des geistigen Zustandes von Roger Stone verstehen, dass sie nach der langen Wartezeit extrem enttĂ€uscht ist, aber die Beziehung zu Kelley inklusiv der nach Lateinamerika aufbrechenden Expedition wirkt eher wie unnötiges FĂŒllmaterial.

In einem frĂŒhen Band hat Earl Warren gerne AusflĂŒge in den Bereich der prĂ€historischen Phantastik unternommen. Der Außerirdische im Grab des Khans sei hier genauso expliziert genannt wie das Volk der amphibischen Mayones, die einen BrĂŒckenschlag zwischen der untergegangenen Maya- Zivilisation und zahlreichen Sagen um die Fischmenschen bilden. Earl Warren geht am Ende des Buches noch einen Schritt weiter. Die Mayones kennen den Weg zum legendĂ€ren Atlantis, das hoffentlich im nĂ€chsten Band eine wichtige Rolle spielt. Bis dahin verfĂŒgt "Angriff der Aquakrieger" ĂŒber eine ausgesprochen stringente wie ökologisch kritische Haltung. Die Mayones sehen sich nicht zuletzt durch die zahlreichen Umfeldkatastrophen im Golf von Mexiko und dem Bermuda Dreieck in ihrer unterirdischen, von den Lees geheim gehaltenen Existenz bedroht. Sie beschließen, mit Aktionen auf Bohrinseln und gigantischen Öltankern zurĂŒckzuschlagen. Dabei töten sie rĂŒcksichtslos die Besatzungen der Inseln oder Schiffe. Sie fordern, dass jeglicher gefĂ€hrlicher Schiffsverkehr auf den Weltmeeren eingestellt und die Verschmutzung ihres Lebensraums vermieden wird. Earl Warren streut eine Reihe von interessanten Fakten in den Plot ein, die er allerdings dieses Mal hart an der Grenze zur Belehrung abarbeitet. Die amerikanische Regierung schickt Roberta Lee nach Hinweisen ihres Vaters zusammen mit einer Handvoll Navy Seals aus, um den Mayones ihre Grenzen aufzuzeigen und hoffentlich die verschwundenen MĂ€nner und Frauen von der im Prolog angegriffenen Bohrinsel oder dem Tanker zu befreien. Roberta Lee soll die ihnen bekannten Mayones bestimmt ĂŒberzeugen, das Widerstand gegen die insbesondere in der Theorie allmĂ€chtigen amerikanischen Spezialeinheiten sinnlos ist.
Abschließend ist die AuftakthĂ€lfte schwer zu beurteilen. Zu viele FĂ€den sowohl auf der persönlichen wie plottechnischen Ebene hĂ€ngen noch in der Luft. Earl Warren bringt Roberta Lee pikant am Ende des Buches wieder in Schwierigkeiten, wenn sie nackt den Göttern geopfert werden soll. ZusĂ€tzlich sind ihr engster Mitarbeiter Harry und ihr Vater auch Gefangene der Mayones, wĂ€hrend die Seals zumindest in der Planung die Frist von 48 Stunden außerhalb des Höhlenlabyrinths abwarten, um Roberta Lee Zeit zum Verhandeln zu geben. Das die attraktive ArchĂ€ologin nicht erfolgreich geopfert werden kann, steht außer Frage, so dass der von Warren beabsichtigte Spannnungsaufbau ins Leere geht. Überhaupt wirkt Roberta Lee erstaunlich passiv. Wie schon angesprochen funktioniert die emotionale Ebene zu schematisch und was den eigentlichen Fall angeht, wird der im Vergleich zum Umfang des Taschenheftes fĂŒr die Protagonistin erst zu spĂ€t relevant.
UnabhĂ€ngig von diesen SchwĂ€chen und den penetranten Wiederholungen - es muss nicht in jedem Roman Roberta Lees Namensgeschichte erlĂ€utert werden und den sich wiederholende Hinweis auf den Familienkater als Ersatzspielzeug des Vaters in seinem Arbeitszimmer hat sich inzwischen fĂŒr Stammleser auch abgenutzt - ist "Angriff der Aquakrieger" eine RĂŒckkehr zu den semiphantastischeren Ideen, welche den Reiz der ersten, allerdings deutlich dynamischer und pointierter geschriebenen Roberta Lee Abenteuer ausmachen.



Earl Warren: "Angriff der Aquakrieger"
Roman, Softcover, 165 Seiten
Romantruhe 2013

Weitere Bücher von Earl Warren:
 - Der unterirdische Tempel
 - Die SchatzjĂ€gerin 22: Die Pyramide im Dschungel
 - Die weiße Göttin vom Amazonas

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