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Patrick Stewart

von Holger Lodahl

Patrick Stewart

 Fakten
Geburtsdaten:
13. Juli 1940
Mirfield, Großbritannien

 Biographie
Patrick Stewart ist in vielerlei Hinsicht ein Ausnahmeschauspieler. Es gelingt ihm scheinbar mühelos, die Grenzen der Medien zu übertreten, ohne dass seine Arbeit leidet. Die für viele Schauspieler unüberwindbare Kluft zwischen Film, Fernsehen und Theater ist für Stewart nicht vorhanden, und deshalb lässt sich Stewart auch nicht auf eine Rolle oder eine Figur festlegen - auch nicht auf die des Jean Luc Picards.

Patrick Stewart wurde am 13. Juli 1940 im britischen Mirfield geboren. Nachdem der zweite Weltkrieg vorüber war und auch für England der Frieden anbrach, begann für den jungen Patrick dennoch eine harte Zeit: Sein Vater war Trinker und machte in seinen Exzessen nicht vor körperlicher Gewalt Halt. Es erscheint folgerichtig, dass sich sein Sohn sehr früh auf eigene Beine stellte: Bereits im Alter von 15 Jahren arbeitete Stewart im journalistischen Bereich und machte die ersten Schritte in den Bereich des Theaters. Ein Stipendium ermöglichte ihm den Besuch der Old Vic Theatre School, so dass er mit 19 Jahren seine professionelle Bühnenkarriere beginnen konnte. 25 Jahre lang war er angestellter Schauspieler der britische Royal Shakespeare Company. Diese Arbeit war mit vielen Erfolgen gekrönt: Er wurde mit dem Olivier-Award ausgezeichnet und gilt als einer besten Schauspieler Englands; von den Kritikern wurde Stewart für seine Performance als Claudius in Hamlet, König Henry IV in Der Kaufmann von Venedig und in anderen großen Rollen gefeiert.

Während seiner Theaterzeit in England zeichnete sich bereits ab, dass Stewart die Vielfalt liebte. Er ergriff immer wieder die Möglichkeit, jenseits der Shakespeare-Arbeit andere Aufgaben und Projekte zu realisieren. So wirkte er u.a. in Der Wüstenplanet (1980) und in vielen britischen Fernsehproduktionen mit.

Seine Arbeit verschaffte ihm seit Anfang der 1970er Jahren Engagements auf den Bühnen der USA, und so weckte er die Aufmerksamkeit von Robert Justman, der während der Vorbereitungen für Star Trek – The next Generation eine Dramatik-Lesung besuchte, an der auch Stewart teilnahm.
Tief beeindruckt sagte Justman zu seiner Frau: „Ich glaube, wir haben soeben unseren Captain Picard gefunden!“ Sofort war er sicher, dass Stewart der Richtige für diese Rolle war. So einfach war es dann aber doch nicht: Der Star Trek-Erfinder Roddenberry wollte für diese Rolle lieber einen Franzosen und ließ Stewart vorerst für die Rolle Datas vormerken.
Justman konnte seinen Chef jedoch davon überzeugen, dass Stewart der Beste für den Platz des Captains war und perfekt die Eigenschaften Kompetenz, Autorität, Loyalität und Mut verkörpern werden würde.

Patrick Stewart war sich nicht ganz bewusst, wie wichtig diese Phase der Rollenverteilung war. Er erzählte später, dass er nicht wusste, dass es für viele Amerikaner wichtiger ist, wer auf dem Platz des Enterprise-Captains sitzt als für die Briten, wer auf dem Thron von England Platz nimmt.

Ab 1986 war Stewart mit der Fernsehserie Star Trek – The Next Generation beschäftigt und gründete seinen Ruhm als Jean-Luc Picard. Stewart schätzt die Zukunftsvision von Star Trek, da die Zusammenarbeit und die Vereinigung von Rassen und Arten verkörpert wird und einen hoffnungsvollen Blick in die kommenden Generationen zulässt. Die von ihm verkörperte Rolle des Captains hält er für einen der faszinierenden Charaktere des Fernsehens.

Der Erfolg der Serie wurde für ihn dennoch schon während der Dreharbeiten zum Problem. In einem Interview sagte er später:

„Die schlimmste Zeit, die ich als Schauspieler hatte, war während der vierten, fünften oder sechsten Staffel von The next Generation. Ich dachte damals, ich werde verrückt, immer die gleiche Figur zu spielen.“


Aus diesem Grund blieb er auch während der Produktion der Fernsehserie der Bühne treu und ließ seiner Kreativität in den drehfreien Monaten freien Lauf: 1991 brachte er A Christmas Carol als Ein-Mann-Show auf die Broadway-Bühne. Dieses Stück, in dem er mehr als 40 Rollen mit Leben füllte, brachte ihm 1995 einen Drama Desk Award als besten Schauspieler ein.

Ein Platz hinter der Kamera blieb die Ausnahme: In einigen Episoden von The next Generation führte er Regie, doch ist er durch und durch Schauspieler:

„Diese Komplexität der fundamentalen Aufgaben, die man als Regisseur hat, ist nichts für mich. Ich konnte es nie verstehen, wie Mel Gibson oder Kevin Costner bei Filmen Regie führen und gleichzeitig die Hauptrollen spielen können.“


Patrick Stewart war auch immer wieder in großen Filmen auf der Leinwand zu sehen. Zu seinen zahlreichen Projekten des Kinos zählen u.a.: L.A. Story (1990), Robin Hood – Helden in Strumpfhosen (1993), Gunmen (1993), Richies fantastische Reise (1994), Jeffrey (1995), Fletchers Visionen (1997).

Außerdem moderierte er Dokumentationsserien (The Shape of the World), gab Gastauftritte in zahlreichen Fernsehserien (The Simpsons, Frasier), und er stand für die BBC in der gefeierten Miniserie I, Claudius vor der Kamera.

Besonders stolz ist Patrick Stewart auf den Film Moby Dick (1998). Es sei eine der wichtigsten Produktionen seines Lebens, betonte er, und Ahab sei einer der ambivalentesten und zwiespältigsten Charaktere, die man spielen könne.

Nachdem die Serie The next Generation eingestellt wurde, begannen recht schnell die Dreharbeiten zum Star Trek-Film Star Trek: Generations. Mit den Star Trek-Filmen wurde eine erfolgreiche Filmreihe auf die Leinwand gerufen. Nach First Contact, Der Aufstand und Nemesis stellte sich mehr und mehr die Frage, wann der letzte Film mit der Next-Generation-Crew gedreht sein wird. Nach der Nemesis-Premiere deutete Stewart das Ende der Reihe an:

„ ... als ich den Film noch mal gesehen habe wurde mir klar, dass wir damit wohl wirklich alles zur Next Generation gesagt haben und zu einem Ende gekommen sind ... Ich bin sehr stolz auf unsere Star Trek-Filme und auch auf die Stunden um Stunden der Fernsehserie. Aber das ist nicht mein Leben. Und sicher auch nicht meine Karriere. Es hatte einen großen Einfluss auf mich und meine Karriere, es hat mein gesamtes Leben verändert. Aber es muss alles seinen Platz haben.“


Ob die Star Trek-Reihe tatsächlich abgeschlossen ist, wurde nie offiziell bestätigt, man darf in dieser Hinsicht gespannt sein.

Jedoch hat sich einen weitere Film-Reihe im Kino etabliert, die durch Stewarts Schauspielkunst geadelt wurde:

Als X-Men im Jahr 2000 in die Kinos kam, wussten alle Beteiligten noch nicht, ob er ein Erfolg werden würde. Nach den hohen Einspielergebnissen dieses Filmes kam X-Men 2 auf die Leinwand, dem man anmerkt, dass bei dieser Arbeit weit mehr Geld zur Verfügung stand.

In der Rolle des Professor Xavier impft Stewart seinen mächtigen Mutanten Zurückhaltung, Toleranz und Lebensmut ein – Charaktereigenschaften, die auch in Picard zu finden sind. Es ist anzunehmen, dass Stewart ohne die Rolle des Captains nicht in Xaviers Rollstuhl hätte Platz nehmen dürfen.

Für ihn sei es angenehm, Teil einer neuen „Franchise“ zu sein, sagte Stewart. Es verschaffe eine neue Sicherheit und erlaube ihm die Freiheit für eigene, kleine Projekte.

Stewarts Kreativität und Projektarbeit sind scheinbar unbegrenzt. Trotz vieler Kino- und Fernsehproduktionen findet er Zeit, auf Star Trek-Conventions den Fans nahe zu sein; er engagiert sich seit Jahren für Amnesty International; natürlich bleibt er der Bühnenarbeit treu (seine Darstellung des Prospero in Shakespeares Der Sturm wurde 1995 am Broadway gefeiert wie kaum eine andere) und er dreht zuweilen auch Werbespots und Comedy-Shows: Sein Auftritt in der Saturday Night Live-Show im Februar 1994 errang eine Einschaltquote, die in die Top-Five der 1993/94-Season eingeordnet wurde.

Der Lohn seines Fleißes ist nicht nur eine weltweite, äußerst unterschiedliche Fangemeinde, sondern auch viele anerkannte Auszeichnungen: Stewart wurde mit dem Grammy-Nominierung (1993 für A Christmas Carol) und einem Grammy-Gewinn (1998 für Peter und der Wolf) ausgezeichnet; sein Name hat einen Stern auf dem Walk of Fame; zahlreiche Theater- und Kritikerpreise kann er sein Eigen nennen.

Auf seine nächsten Projekte darf man gespannt sein. Doch für welche Arbeit Patrick Stewart sich auch entscheidet – ob Theater, Film, Fernsehen oder Show – die Qualität kann nur gut sein. Letzte Fernseharbeit war The Lion in Winter für das US-Fernsehen – wofür Stewart gerade eine Golden-Golden-Nominierung in der Kategorie Bester Schauspieler in einem Fernsehfilm oder Miniserie bekommen hat. Am 16. Januar 2005 werden die Auszeichnungen vergeben – es könnte sein erste Golden Globe werden. Da heißt es Daumen drücken!