Biographien


Biographische Datenbank


Herbert Georg Wells

von Holger Lodahl

 Fakten
Manchmal gelistet als:
H. G. Wells
H.G. Wells

 Biographie
Herbert Georg Wells ist einer der großen Väter der Science-Fiction-Literatur. In seine Romanen schilderte er oft den Triumph der Technik, aber auch die Schrecken der Kriegstechnologie des 20. Jahrhunderts.

Er wurde 1866 geboren – in England. Und dass er einmal zu großen Geistern seiner Zeit gehören sollte, konnte nicht geahnt werden:
Er versuchte sich anfangs in einer Lehre zum Tuchhändler. Aber diesen Weg konnte er nicht zu Ende gehen – es hieß schon in seinen jungen Jahren, er sei zu verträumt.

Die Familie war arm, das Einkommen seiner Eltern reichte gerade, um ĂĽber die Runden zu kommen.
Den Hang zu BĂĽchern und zum Lesen erbte Wells von seinem Vater und schon in jungen Jahren verbrachte Wells viel Zeit im Literarischen Institut und der Bibliothek im englischen Bromley.
Seine Mutter war so religiös, dass sie ihrem Sohn den Kontakt zu anderen Klassen verbot, beispielsweise zu Mädchen aus niedrigeren sozialen Schichten – im damaligen England des 19. Jahrhunderts eine ganz normale Sache.

Sein Lebensweg ging weg von dem Handwerk oder der Arbeiterschaft. Er bekam bereits als Autodidakt mit 16 Jahren eine Stelle als Hilfslehrer und ein Stipendium an einer Wissenschaftsschule.
Dort konnte er endlich seinen Leidenschaften frönen: Er studierte mit Hingabe Physik, Chemie, Geologie, Astronomie und Biologie.
In dieser Lebensphase wurde er von Thomas H. Huxley beeinflusst, und in Wells formte sich die Idee, dass das Christentum Unfug sei und dass die Evolution und die Entwicklung der Affen zum Menschen nur zur Zerstörungen führen könne.

Der junge Wells wurde Lehrer in North Wales – und als er nach einem Unfall längere Zeit im Bett bleiben musste, begann er zu schreiben.

Seine erste Geschichte war: „The Chronic Argonauts“. Obwohl diese Geschichte bereits gelobt wurde, nahm Wells erneut eine Stelle als Lehrer und später als Tutor an.
Aber wieder zwang ihn eine Krankheit zu rein sitzenden Arbeiten. Er begann, Kurzgeschichten und Buchbesprechungen fĂĽr Zeitungen zu schreiben und konnte damit Erfolge erzielen.

1895 veröffentlichte er seinen ersten Roman: „The Time Machine“, der bis heute zu den bekanntesten Science-Fiction-Geschichten gehört und bereits zwei mal im Kino als Film zu sehen war.
„The Time Machine“ war eine Umarbeitung und Weiterentwicklung von „The Chronic Argonauts“, und in ihm kombinierte er gekonnt naturwissenschaftliches Wissen, Elemente des Abenteuerromans, politische Reflexionen und Motive der phantastischen Literatur, die er um das der Zeitreise erweiterte.
Es folgten mehrere wissenschaftlich fundierte Zukunftsromane, mit denen er das Genre der modernen Science-Fiction begründete: „Die Insel des Dr. Moreau“, „Der Unsichtbare“, „Der Krieg der Welten“ und viele Kurzgeschichten.

Als sich sein Gesundheitszustand besserte, konnte er nach London umsiedeln und viele Reisen auf dem europäischen Festland unternehmen.

Seine Romane kamen zu weltweiten Ruhm, und er zum Anfang des Jahrhunderts kamen seine Werke „A modern Utopia“, „In the Days of the Comet“ und viele andere auf den Markt.

In London wurde er auch politisch tätig. Das Klassendenken seiner Eltern hatte ihn stark geprägt, und seine Werke schlugen eine neue thematische Richtung ein:

Er schrieb den Ideen- und Problemroman „The New Machiavelli“, in dem die Handlung der soziologischen und ideologischen Botschaft untergeordnet wurde. Weitere Romane dieser Kategorie folgten, aber auch humoristische Werke über das englische Kleinbürgertum.

Als der erste Weltkrieg begann, nahm er das politische Amt als Propagandaleiter gegen den Feind an, und er nannte den Weltkrieg „den Krieg zur Beendigung aller Kriege“.
Nach dem Krieg reiste er quer durch West- und Osteuropa, und obwohl er weiterhin als Autor tätig war, wandte er sich mehr den Verbreitungen seiner Ideen zu. Seine Hauptthese war, dass sich die Menschheit den materiellen Gewalten, die sie entfesselt hatten, anpassen oder untergehen würde.

In seinen Werken wurde die politische Botschaft immer deutlicher, und die Science-Fiction-Themen rückten in den Hintergrund. Wells Pessimismus über die Menschheit und deren Zukunft wurde deutlich in dem Roman „The Shape of Things to Come“.

Als er 1940 in New York den Regisseur Orson Wells traf, entwickelte dieser seinen Roman „Krieg der Welten“ zu einem Hörspiel, dass bis heute nicht vergessen ist und damals in der Bevölkerung eine Massenpanik auslöste. Auch als bis heute beeindruckender Film kam „Krieg der Welten“ in die Kinos.

Der Zweite Weltkrieg war für Wells die Bestätigung dafür, dass die Menschen die Herrschaft über die von ihr entwickelten Kräfte verloren hatte und auf ihre Vernichtung zulief.
Aus Wells war ein melancholischer Pessimist geworden, was besonders deutlich in dem Buch „Der Geist am Ende seiner Möglichkeiten“ wurde.
Wells verzweifelte über seine Gedanken über die Missstände des Wirtschaftsliberalismus, und nach einer erneuten Krankheit starb er 1946 in London.