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Thriller



Die Säulen der Erde

rezensiert von Thomas Dräger

Ken Folletts "Säulen der Erde" gehört zu den nicht ohne Grund bekanntesten Büchern der letzten Jahre. Beim WDR hatte man schon immer ein gutes Händchen bei der Auswahl der Geschichten für die zum Teil monumentalen Hörspiele, die dort produziert werden. So scheint es fast unvermeidlich, dass der WDR auch dieses Buch in ein Hörspiel umsetzte.

"Noch nie war das Mittelalter so spannend", steht es auf der Rückseite des schönen Schubers, der vier CD-Hüllen mit insgesamt sieben CDs beherbergt. Über vierzig Sprecher waren an diesem Projekt beteiligt, achteinhalb Stunden Unterhaltung sind dabei herausgekommen.

Mancher Laie setzt den Begriff "Hörspiel" immer noch mit den Kassetten-Serien für Kinder wie Benjamin Blümchen oder Bibbi Blocksberg gleich. Doch weit gefehlt. "Die Säulen der Erde" ist eher nichts für Kinder, und auch Erwachsene Hörer sollten sich auf eine deftige Portion Sex und Gewalt einstellen. So gelungen wie das Buch geschichtliche Fakten, wirtschaftliche Entwicklung und gute Unterhaltung verquickte (hierzu auch unser Artikel zum Hörbuch), so drastisch ist das Hörspiel ausgefallen. In perfekten Audio-Bildern wird ein Mittelalter zu Gehör gebracht, in dem fast pausenlos gemeuchelt, gemordet, vergewaltigt, gebrandschatzt, hintergangen, intrigiert und verleumdet wird. Die Dichte des Hörspiels machen die Angst und den Wahn der Protagonisten fast plastisch. Hier wurde vielleicht ein wenig zu perfekt gearbeitet.


Die feinen Töne und der geschichtliche Anspruch des Buches gehen in der furiosen Geräuschkulisse völlig unter. Das schadet dem Unterhaltungswert des Hörspiels nicht, doch bleibt leider neben der reinen Unterhaltung nicht mehr viel von der ursprünglichen Geschichte über. Bei den schon genannten Greultaten lässt das Wort Unterhaltung einen mehr als seltsamen Nachgeschmack zurück. Darf man sich unterhalten fühlen, wenn ein Baby seiner Mutter entrissen und ins Feuer geworfen, oder ein Mädchen wiederholt zu sexuellem Verkehr gezwungen wird? Natürlich sind das leider alltägliche Symptome einer geisteskranken Spezies, aber wer würde sich mit solchen Eiterpickeln rühmen?

Man sollte diese Kritik nicht isoliert auf dieses wirklich gut gemachte Hörspiel anwenden; es mag auch dem Buch gegenüber nicht ganz gerecht sein. Dennoch sind ein oder zwei Gedanken zu diesem Thema immer angebracht. Es ist eine Sache, wenn man in einen Horror- oder Action-Film geht. Da hat man eine entsprechende Erwartungshaltung und konsumiert bewusst einen Moment des Grauens und der Angst (diskussionswürdig genug), doch wenn eine gar nicht so schlechte Vorlage auf seine brutalsten Inhalte reduziert wird, ist das eine ganz andere Sache.

Die subtile Vermengung geschichtlichen Verständnisses mit populärer Unterhaltung ist zu begrüßen, denn nur das verstehen der Geschichte macht eine positive Zukunft möglich.

Wer ein perfektes und monumentales Hörerlebnis sucht, wird hier gut bedient, über den Inhalt und die Wirkung sollte man sich jedoch einige Gedanken machen.

"Die Säulen der Erde"
von Ken Follett
Hörbuch, CD
Lübbe Audio 1999
ISBN 3-7857-1038-0

Weitere Werke von Ken Follett:
 - Der dritte Zwilling

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