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rezensiert von Matthias Pohlmann
Buch: J. Michael Straczynski
Regie: Brian Smith
Regieassistenz: Tony Daniel
Produzent: Brian Smith
Ausf. Produzenten: Brian Smith und J. Michael Straczynski
Begl. Produzentin: Laurissa James
Musik: Jeff Nostrand (Komposition und Ausführung)
Sound Design: John Colucci
Voice Editing: David Shinn
Hauptrollen:
Campbell Scott (Gregory Ferguson)
Kevin Conway (Erzähler)
in weiteren Rollen:
Anne Bobby (Liz Alworthy)
Christopher Burns (Angestellter)
Todd Cummings (John, der Barkeeper)
Jane Gennaro (Sekretärin)
Merwin Goldsmith (Chester Alworthy)
Dick Rodstein (Doctor)
Mather Zickel (Angestellter)
Kurzinhalt:
Die Uhr zeigt keine Gnade. Genauso wenig tun dies der Vorstand oder der Geschäftsführer, der mehr als das Menschenmögliche verlangt und daraufhin seine eigene Erfahrung mit der von ihm so verehrten Uhr macht.
Straczynski über die Episode:
"Wir sind zu einer Gesellschaft geworden, die sich fast nur noch nach dem Ticken der Uhr, dem Vorstand, dem Geschäftsführer richtet. Dabei wird der durchschnittliche Firmenmitarbeiter von der Rationalisierung erdrückt und arbeitet mehr und mehr für weniger Geld, damit die Aktionäre eine Rendite von [vielleicht] zehn Prozent erhalten.
Ich hatte das Gefühl, dass einmal eine warnende Geschichte über das zwangsläufige Ergebnis des Herumtrampelns auf der Seele der Menschen nötig wurde, weil das Universum früher oder später diejenigen "einsparen" wird, die andere einsparen."
Link zur Episode: City Of Dreams 04
Inhalt: (Spoiler!)
Ein CEO verlangt von seinen Mitarbeitern, in immer weniger Zeit immer mehr zu leisten. Einem Mitarbeiter, der schon seit zwölf Jahren in seinem Betrieb arbeitet, erklärt er, dass das Unternehmen, als er es übernommen hatte, völlig stagniert habe und ein leichter Übernahmekandidat gewesen sei. Er habe eine Menge Zeit investiert, um das Unternehmen nach vorne zu bringen. Damals habe man ihm geraten, alle alten Mitarbeiter zu entlassen und mit einer neuen Mannschaft anzufangen. Er habe das nicht getan, da es ihm egal sei, wie alt ein Mitarbeiter sei oder ob er männlich oder weiblich sei. Das einzige, was zähle sei Geschwindigkeit - und sein Gegenüber habe sich mittlerweile zu Sand im Getriebe entwickelt, sei also zu langsam. Wenn er mit der geforderten Geschwindigkeit nicht mithalten könne, würde er ersetzt werden. Daher solle er eine bestimmte Arbeit, die normalerweise drei Tage dauert, bis zum nächsten Morgen fertig stellen. Es ist zu dieser Zeit fünf Uhr nachmittags. Er suche nach einem Grund, ihn als Mitarbeiter zu behalten - er solle ihm doch einen liefern.
Unter großem Stress versucht der Mitarbeiter, die Arbeit fertig zu stellen, arbeitet die ganze Nacht durch, hetzt zur Arbeit und kommt dort um 9.20 Uhr mit der fertig gestellten Arbeit an. Doch sein CEO erklärt ihm, dass das zwanzig Minuten zu spät sei und daher ein anderer (ein Mr. Garibaldi...) seine Arbeit übernehmen solle. Als sich der Mitarbeiter beschwert, dass er die ganze Nacht gearbeitet hätte und das ja wohl nicht sein könne, feuert ihn der CEO. Aus Aufregung über diesen Schritt erleidet der (Ex-)Mitarbeiter einen Herzinfarkt und stirbt.
Daraufhin besucht seine Witwe den CEO, ohrfeigt ihn, macht ihn für den Tod ihres Mannes verantwortlich und wünscht ihm, dass er es einmal erfahren möge, was es bedeutet, so gehetzt zu sein.
Als danach seine Sekretärin ihm etwas vorlesen soll, fängt sie auf einmal an, etwa doppelt so schnell zu sprechen - er fordert sie auf, ihm das Gleiche noch mal langsamer vorzulesen, als er darauf hingewiesen wird, dass die Person, mit der er seinen nächsten Termin hat, eingetroffen sei. Auf seinen Hinweis, dass der andere zu früh sei, wird ihm erklärt, dass es bereits viertel nach vier sei, worauf er den Gast reinbitten lässt - und dabei etwas in der Richtung "Es war doch gerade noch drei Uhr" grummelt.
Nach Feierabend begibt sich der CEO in seine Stammkneipe und bestellt einen "Doppelten". Während dieser gerichtet wird, doziert er gegenüber dem Barkeeper über Geschwindigkeit und Effizient als Basis der Gesellschaft. Kaum hat er sein Getränk, erwähnt er dass später noch einen haben wolle, worauf hin ihm erklärt wird, dass die letzte Runde bereits gelaufen sei, da es bereits 2 Uhr nachts sei, und so rast die Zeit immer schneller, bis er nur noch einen Wunsch hat: "Make it slow down"...
Kritik:
Das ist wohl die Folge, in der soviel JMS wie in keiner anderen ist. Straczynski ist bekennender Demokrat des linken Flügels dieser Partei und streitet sich oft mit Wonne (und seeeeeeeeeeeehr vielen Worten) mit konservativ eingestellten Usern im Usenet. Dies vorausgeschickt verwundert der Verlauf dieser Episode natürlich nicht - es ist eine kaum zu überhörende Anklage auf unser derzeitiges Wirtschafts- und Arbeitssystem (schneller, höher, weiter) - dass er nicht unbedingt ein Freund der "Shareholder Value"-Idee ist, hat er ja auch in seinen eigenen Worten zu dieser Episode zum Ausdruck gebracht. Daher ist natürlich die Bewertung der Story, die hier viel von einem Gleichnis hat, auch stark von der gesellschaftlich-politischen Einstellung des /der Zuhörers/in abhängig. Am Besten, man macht sich ein eigenes Bild von der Story und wertet dann selbst - bei mir kam sie jedenfalls ganz gut an.
"Ep.04: The Tolling Of The Hour"
von J. Michael Straczynski
Regie von Brian Smith
Sprecher: Campbell Scott; Kevin Conway
Hörspiel (engl.), Internet
Seeing Ear Theatre 1998
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