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Horror



Der Pilwiz

rezensiert von Ralf »Searge« Pappers

Fangen wir doch mal ganz wissenschaftlich an und klären kurz den Namen „Der Pilwiz“. Der Bilwis (es gibt die verschiedensten Schreibweisen) ist ein Korngeist. Er geht oder reitet auf einem Bock durch das Getreidefeld und schneidet mit den Sicheln, die er an seinen Zehen befestigt hat, das Korn ab. Dieses fliegt ihm selbst oder demjenigen zu, der ihn beschworen hat. Wo er durch das Feld kommt, ist dieses versengt und schwarz.

Also ordentlich was zum Gruseln, vor allem für die Zeit, in der die Geschichte spielt: um das Jahr 1256 in Mönchengladbach, damals Gladebach und oder Gleidebach genannt. Der Kölner Dombaumeister Gerhard von Riehl ist mit dem Umbau des Gladbacher Münster beauftragt, als Zulieferer und Bauarbeiter unter merkwürdigen und ziemliche brutalen Umständen ums Leben kommen. Zu dieser Zeit macht sich natürlich schnell die Meinung breit es müsse sich um einen Dämonen handeln und nicht um das verabscheuenswürdige Verbrechen eines Menschen. Der adlige Graf Heinrich von Kessel will dies herausbekommen, denn nicht nur arme unschuldige Menschen sind die Opfer dieses Dämon geworden, sondern auch Menschen die ihm ans Herz gewachsen sind, werden bedroht. Und da steht noch die Frage im Raum, warum dieses Unwesen so viel Blut opfert? Was oder wer steckt dahinter und warum?

Der Mönchengladbacher Autor Carsten Steenbergen hat aus alten Quellen, den Scripta Obscuritatis - Die dunklen Schriften zu Gladbach (ich wußte gar nicht das es sowas hier gibt), eine Mischung aus echten Geschehnissen und erfundener Geschichte gebraut, die doch recht unheimlich daherkommt. Grusel kann also auch in der Heimat und vor der eigenen Tür daher kommen und muß nicht immer aus dem Ausland „eingekauft“ werden. Im Grunde ein tröstlicher Gedanke.

Für die Regie hat er einen alten Hasen gewinnen können, Bert Stevens, dessen unvergleichliche Stimme man aus den unterschiedlichsten Genres kennt. Im Hörspiel hat er unter anderem in Cungerlan dem König seine Stimme verliehen. Aber auch in kostenlosen Hörspielen ist er zu hören, wie in der hervorragenden P&P-Vision Produktion „Der Rabenpriester“. Selbst wenn man den Namen nicht kennen sollte, die Stimme sicherlich.

Dieser hat die schwere Aufgabe übernommen aus dem phantastischen Stoff, mit einer Menge Lokalkolorit, ein Hörspiel zu kreieren. Erschwerend kommt hinzu das er kaum erfahrende Hörspiel-Stimmen zur Verfügung hatte, was man dem Hörspiel leider auch anhört. Zumindest im ersten Drittel hatte ich doch des öfteren die Tendenz vielleicht doch abszuschalten, weil es den Stimmen an Kraft und Intensität fehlte. Dafür sind aber die Hauptprotagonisten so gut, das sie in der Lage sind die restliche Geschichte zu tragen und den Hörer bei der Stange zu halten. Immerhin gilt es eine Doppel-CD durchzuhalten, wenn man die Lösung des unheimlichen Falles, Rund um das Gladbacher Münster, erfahren möchte. Und das möchte man tatsächlich, wenn man die schwierigen Klippen umschiffen konnte. Bert Stevens selber gibt eine Art Erzähler, der alt klingende Passagen vorliest, die auf das Kommende hinweisen. Und das in wunderbar düsterer Stimmungslage.

An der ein oder anderen Stelle hätte ich mir etwas mehr Ambienete gewünscht, aber die zu hörenden sind durchweg als gut zu bezeichnen. Ebenfalls sehr Sparsam eingesetzt wird Musik. Vielleicht wäre an manchen Stellen etwas mehr für die gruselige Stimmung nötig gewesen, aber insgesamt doch gelungen. Was ich besonders hervorheben möchte, ist die völlige Absitenz eines Erzählers. Wie in klassischer Manier eines Paul Temple, wird der Hörer an Hand der Gespräche durch das Geschehen geleitet, was ein ganz hervorragendes Skript benötigt. Hier ist das gelungen, trotz der durchwachsenden Leistungen der Sprecher. Zum Schluß fiebert man dann doch mit und will unbedingt die Lösung des unheimlichen Rätsels wissen. Dem aufmerksamen und erfahrenen Krimi-Hörer wird ab einer gewissen Stelle ein Licht aufgehen (Gott sei Danke nicht zu früh, sondern erst kurz vor Schluss), der „einfache“ Zuhörer läßt sich eben überraschen. Erwähnt sei noch das der Autor selber eine kleine Rolle spricht und das gar nicht so schlecht.

In der Auflösungsszene hätte ich mir noch ein wenig mehr Dramatik gewünscht. Diese hätte man mit geheimnisvoller, dramatischer Musik noch wesentlich steigern können und auch den Pliwiz hätte man durchgehender und dort auch noch bedrohlicher gestalten können. Das hätte sicherlich die unheimliche Stimmung und Spannung erhöht.

Der schlußendliche Bösewicht, den ich hier natürlich nicht verraten möchte, hat mir vom Spiel her äußerst gut gefallen. Dem nahm man seine Bosheit und Einnahme durch das Böse ab. Und auch der überhebliche Bruder Lothar wurde sehr gut von einem echten Pfarrer rübergebracht. Wenn man mehr solche Stimmen für die nächste Produktion einsetzt, dann kann die angedachte Serie sich sicherlich noch mehr steigern. Der Preis ist für eine Doppel-CD sicherlich angebracht, aber ob angesichts der teilweise schwachen Sprecher auch Hörer außerhalb des Gladbacher Umfeldes zuschlagen werden ist ungewiss, aber der Produktion trotzdem zu wünschen. Immerhin ist es eine lokale Phantastik-Produktion, die nicht nach eingekaufter Geschichte „riecht“, sondern hier im eigenen Land spielt und auch so klingt. Und das finde ich in jedem Fall unterstützenswert.

"Der Pilwiz"
von Carsten Steenbergen
Regie von Bert Stevens
Hörspiel, CD
HaRo Verlag 2010
ISBN 3-9811-4566-6

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