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Fantasy



Otherland - Stadt der goldenen Schatten

rezensiert von Thomas Dräger

Tad Williams „Otherland“ ist eine gute Geschichte, die leider etwas zu lang ist und zu großspurig beworben wurde. Otherland das Hörspiel ist großartig und ändert das Buch an genau den richtigen Stellen. Es scheint fast, als habe diese Geschichte nur darauf gewartet hat, so in Szene gesetzt zu werden.

In Otherland geht es um ein riesiges Netzwerk virtueller Welten, die einer Gruppe superreicher und mächtiger Menschen das ewige Leben im Computer ermöglichen soll. Irgendwie scheinen die ohne richtigen Grund ins Koma gefallenen Kinder damit in Verbindung zu stehen. Der Leser und jetzt auch der Hörer begleitet zwei Gruppen auf der Suche nach dem Geheimnis dieser Welt. Da ist Reenie, sie will ihren komatösen Bruder befreinen. Sie erfährt durch die Kontakte einer alten Freundin von diesen Welten. Die andere Gruppe bildet sich um den sterbeskranken Orlando. Der ist im Netz ein bärenstarker Krieger, wird aber bei einer Routineaufgabe gemeuchelt. Das will er nicht auf sich sitzen lassen, und so kommt auch er dem Geheimniss von Otherland zu nahe.

Hier flossen eine Menge guter Ideen in die Produktion ein. So wie ein Benutzer im Internet verschiedene Avatare mit unterschiedlichen Aussehen haben kann, haben hier die verschiedenen Erscheinungen ein und des selben Charakters unterschiedliche Stimmen. Das ist für den „eben-mal“ Reinhörer ein richtiges Problem, denn einige Zusammenhänge kommen so erst beim erneuten Hören raus. Die Übergänge zwischen den einzelnen Kapiteln lassen im ersten Moment an eine defekte CD denken. Da springt der Ton, ist zerhackt und blendet auf das Zwischenspiel über.

Die Bearbeitung er Buchvorlage ist sinnvoll und mit Liebe zur Geschichte durchgeführt worden. !Xabbu wird im Buch dann doch zu oft als unschuldiger und reinen Mensch dargestellt. Er, als Buschmann, ist die Verkörperrung des Guten – etwas zu dick aufgetragen und vor allem an jeglicher Buschmann-Realität vorbei. Die Audio-Bearbeitung vermeidet diese Überhöhung, und so wirken die eingestreuten Afrikanischen Märchen nicht mehr aufgesetzt und künstlich.

Ein weiteres Beispiel für die gelungenen Änderungen: In einer Szene unterhalten sich zwei Soldaten sehr lang über eine außergewohnliche Eigenschaft eines alten Mannes. Im Buch wird so seitenlang Spannung aufgebaut, leider fehlt da irgendwie der Abschluß. Im Hörspiel unterhalten sich die beiden Soldaten kurz und nennen auch gleich die seltsame Eigenschaft: Ein alter Mann isst Seife.

Perfekt ist das Hörspiel, wenn es um verwirrende Menschenaufläufe geht. Da reden plötzlich unzähligen Menschen durcheinander, aus jeder Ecke scheint ein anders Gespräch auf den Hörer einzudringen. Oder die Affenbande - im Buch wurde deren quirlige Erscheinung aufwendig beschrieben – im Hörspiel hört man diese Eigenschaft auf den ersten Satz heraus.

Zu jeder Minute ist dieses Hörwerk monumental: 200 Sprecher und ein ausgefeiltes Klangdesign mit Einflüssen aus dem Neuromancer Hörspiel. Der erste von vier Teilen macht sich auf sechs CDs breit. Wer beim ersten Reinhören von der komplexen Geschichte überrollt wird soll sich ein Herz nehmen und mehrmaliges Genißen einkalkulieren – es lohnt sich!

Auf diese Umsetzung scheint das Buch gewartet zu haben.

"Otherland - Stadt der goldenen Schatten"
von Tad Williams
Regie von Walter Adler
Sprecher: Sophie Rois, Ulrich Matthes, Nina Hoss, Pierre Oser
Hörspiel, CD
Der HörVerlag GmbH / PPA GmbH, München 2004
ISBN 3-8994-0116-6

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