Morgan Spurlock

Regisseur und Produzent der Dokumentation
Comic Con Episode IV: A Fan`s Hope


Alle Jahre wieder pilgert halb Amerika nach San Diego zur Comic Con. Ob als Klingone, Hobbit, Stormtrooper oder ganz normaler Durchschnitts-Erdenbürger. Man feiert sich natürlich gegenseitig, die Stars und auch die Unterhaltungsindustrie lässt sich nicht lange bitten und nutzt die Messe für große Ankündigungen, erste Einblicke in kommende Projekte oder sonstwelche werbewirksamen Aktionen.

Bei den 120.000 bis 130.000 Besuchern gibts auch eine ganze Menge tolle Geschichten unter den Kostümen, Schicksale hinter den Masken und diverse Kuriositäten. Die Geeks und Nerds finden sich auch unter den ganzen Prominenten, die jedes Jahr an der Comic Con teilnehmen.

Eine Fundgrube für den Filmemacher Morgan Spurlock.

Seinen internationalen Durchbruch hatte er 2004 mit der Selbst-Doku Supersize Me, als er sich 30 Tage lang aussschließlich von McDonalds-Burgern, Fritten und Cola ernährte und direkt 15 Kilo zunahm, von anderen gesundheitlichen Verschlechterungen ganz zu schweigen.

Seither hat er sich als Dokumentarfilmer einen Namen gemacht. Einer seiner letzten großen Filme war The Greatest Movie Ever Sold, eine Doku über Werbung und Product Placement in der Filmindustrie, die sich durch Werbung und Product Placement letztendlich finanzierte. Ein gelungenes Experiment.

2010 hat Spurlock mit einem Tross an Kamerateams die Geschehnisse der Convention gefilmt und einige ganz außergerwöhnliche Fans begleitet und erzählt ihre Geschichten. Entstanden ist der Film Comic Con Episode IV - A Fan`s Hope in kreativer Kollaboration mit Comic-Legende Stan Lee und Kultregisseur Joss Whedon.

2011 wurde dieser Dokumentarfilm das erste Mal gezeigt, am 12. Juli diesen Jahres wird er bei der Comic Con gezeigt. In den USA ist er im April bereits auf DVD erschienen, demnächst folgt noch die Blu-Ray.

Wir hatten die Möglichkeit, im Rahmen der Veröffentlichung des Films (zumindest für die Amis) kurz, aber dafür exklusiv mit Morgan Spurlock zu sprechen.

Zur Einstimmung auf die Comic Con und den Film, guckt euch gern den Trailer an.

 

SFR:
War es schwierig, den Film zusammenzustellen? Wie hast du dir die Charaktere und Geschichten, die du gern im Film zeigen möchten, ausgesucht?

Morgan Spurlock:
Das war in der Tat verdammt schwierig. Wir hatten vor Drehbeginn ungefähr 2.000 Bewerbungen von Leuten, die im Film mitwirken wollten. Es hat natürlich ewig gedauert, alles durchzugucken und auszusortieren.

Die erste Person, auf die wir im Film treffen, ist Holly Conrad. Wir haben uns ihr Video angeguckt und waren erstaunt, was sie zuhause in ihrer heimischen Garage so veranstaltet. All diese selbstgemachten Kostüme und Charaktere, die sie erschaffen hat. Ich wusste dann, welche Art von Leuten ich für A Fan`s Hope haben wollte. Nicht den Besucher, der nur mal so zur Comic Con geht, um ein paar nette Tage zu verbringen. Sondern Menschen wie Holly, die von ihrer Leidenschaft angetrieben werden - die Convention aus einem ganz bestimmten Grund besuchen.

Bei Holly haben wir die Messlatte angelegt und den Rest drum herum ausgesucht. Ein anderer Kandidat ist Chuck Rozanski. Hier haben wir den Eigentümer eines Comicladens und obendrein ist er mit Leib und Seele ein Fan. Comicfan aus Leidenschaft. Aber das Geschäft mit konventionellen Comics und Büchern läut in der heutigen Zeit einfach nicht mehr so gut und wir begleiten ihn in dieser schwierigen Zeit. Auch eine sehr interessante Geschichte.

Wir hatten wirklich Glück mit den Leuten, die wir für unseren Film gewinnen konnten und die Erlebnisse, die wir mit ihnen hatten.

Einige der Geschichten haben es nicht in die bisher veröffentliche Fassung des Films geschafft. Werden diese eventuell auf der Blu-Ray-Veröffentlichung zu sehen sein? Wie z.B. das Pärchen, die sich für einen Comic eine Hypothek auf ihr Haus aufgenommen hat?

Genau, einige dieser Geschichten werden auf der Blu-Ray zu sehen sein, wie die Beiden aus Columbia, eine wirklich außergewöhnliche Geschichte. Wir hatten vorher einfach nicht die Zeit, um alles rechtzeitig zu bearbeiten.

Außerdem können wir die Interviews u.a. mit Harry Knowles (Aint It Cool News) , Greg Morrison (Dinosaurs vs Aliens), Jerry Robinson (Erfinder des Joker) oder Stand Lee viel ausführlicher zeigen. Es ist echt toll, dass wir noch tiefer in die Materie eintauchen können.

Harry Knowles, Stan Lee, Joss Whedon und Morgan Spurlock in Comic-Con Episode IV: A Fan's Hope

 

Könntest du dir vorstellen, auch mal was im Horror-Genre machen?

Na klar. Ich gucke leidenschaftlich gern Horrorfilme. Sie haben mich inspiriert, es selbst auch mit Filmen zu probieren. Als in Scanners mit Michael Ironside dem einen Typen der Kopf explodiert, dieser Moment hat mein Leben für immer verändert. Ab diesem Tag wollte ich auch Filme machen.

Aber ich weiss nicht, ob ich eines Tages eine Dokumentation über Horror machen möchte. Viel lieber würde ich dann einen richtigen Horrorfilm drehen.

Zur Zeit sind Reality-Sendungen im Fernsehen teilweise viel beliebter geworden als gängige Serien- und Film-Produktionen. Ist es nicht komisch, dass im Kino Dokumentationen nicht eine ähnliche Aufmerksamkeit bekommen wie die Produktionen im Fernsehen?

Eine schwierige Frage. Bei all den vielen Dokumentationen, die dieses Jahr schon rausgekommen sind, ist die erfolgreichste Lee Hirschs Bully, die hat immerhin über 3 Millionen Dollar eingespielt. Solche Filme haben allerdings auch nicht diese enormen Marketing-Kampagnen wie die großen Blockbuster aus Hollywood.

Wenn man auch in kleinere Filme mehr Geld für die Vermarktung stecken würde, erreicht man am Ende ein größeres Publikum und nimmt entsprechend auch mehr ein. Das ist meine Meinung.

Viele Dokumentationen haben auch schwere, ernste Inhalte und sind nicht jedermanns Geschmack. Unser Film ist natürlich auch eine Dokumentation, aber er ist locker und witzig, richtiges Popcorn-Kino.

Aber wir haben eben auch das Problem, dass wir kaum Budget für die Vermarktung von Comic Con Episode IV: A Fan`s Hope haben. Wir sind auf die Aufmerksamkeit und Weiterverbreitung durch die Fans angewiesen.

Wo ziehst du die Grenze zwischen Reality- und Dokumentarfernsehen?

Wenn man sich mal anschaut, was heutzutage im Fernsehen läuft, das ist doch alles nach Drehbuch und Anweisungen. Die bekommen die Leute irgendwie dazu, Dinge zu sagen oder zu machen, um bestimmte Handlungen zu erreichen oder Ergebnisse zu erzielen.

Also wir angefangen haben zu drehen, wussten wir absolut nicht, was am Ende bei rauskommt. Das ging mir mit meinem letzten Film "The Greatest Movie Ever Sold" auch so. Ich hatte absolut keine Ahnung, wie er ausgeht. Und auch hier wussten wir nicht, was wir mit den Menschen, die wir begleitet haben, erleben oder wie sich ihre Schicksale entwickeln würden. Aber dieser Umstände machen die ganze Sache viel interessanter und unterhaltsamer.

Das ist für mich der Unterschied zwischen Reality und Doku.

Siehst du dich eher als Journalist oder Filmemacher?

Natürlich von beidem ein bißchen. Ich informiere das Publikum und das ist definitiv Journalismus. Aber mehr als alles andere bin ich ein Filmemacher. Ich mache lieber einen unterhaltsamen Film, als das ich die Menschen nur mit Informationen versorge.

Die Comic Con gibt es schon seit so vielen Jahren, sie ist riesig geworden. Meinst du, die Veranstaltung hat sich über die Jahre verändert?

Meiner Meinung nach sind Comics immer noch Herz und Seele der Comic Con. Es sind immer noch tonnenweise Comiczeichner anwesend. Manche Leute meinen, die Comic Con als solche stirbt. Aber es geht eben nicht mehr nur um Comics. Fertig. Die Leute kaufen keine richtigen Bücher mehr. Ich kaufe Comics online, mehr denn je und viel mehr als als früher, als ich noch Kind war. Es ist doch viel einfacher online zu gehen und mir die Dinger direkt aufs iPad zu laden. Der Wahnsinn. Heutzutage sind einige Comics sogar interaktiv. Ist doch toll, welche neuen Möglichkeiten sich den Comics heutzutage dadurch eröffnen.

Aber es braucht immer noch Zeichner und Autoren, um diese Kunstwerke zu erschaffen. Das wird sich niemals ändern.