The 4400


:: The 4400 - was ist das?
:: Episodenguide
:: Die Charaktere


:: DVDs, CDs & Bücher


The 4400


The 4400 - was ist das?


von Matthias Pohlmann, Mit Dank an das Corona Magazine

"The 4400" ist eine Eigenproduktion des USA-Networks mit Paramount Network Television. Paramount - also genau diejenigen, die von 1987 bis 2005 vier verschiedene "Star Trek"-Serien produzierten. Die angeblich keinen Draht mehr für Science-Fiction haben. Die deshalb "Star Trek" haben sterben lassen. Ausgerechnet diese bösen Menschen haben also eine neue SciFi-Serie produziert - und dann auch noch eine, die von Scott Peters (bisher am ehesten als Autor für "The Outer Limits" bekannt) und René Echevarria erfunden wurde. Echevarria - und schon wieder grüßt "Star Trek" - war von 1991 bis 1994 für zahlreiche Episoden bei "Star Trek: The Next Generation" verantwortlich, unter anderem für die Episode 5x23 (I, Borg/Ich bin Hugh). Auch bei "Star Trek: Deep Space Nine" taucht der Name Echevarria des Öfteren unter den Autoren auf - unter anderem am großen Finale war er beteiligt, die drittletzte Folge der Serie (7x24, The Dogs Of War/In den Wirren des Krieges) war seine letzte "Star Trek"-Folge. Danach blieb er dem Genre übrigens treu und war unter anderem ausführender Produzent und Autor zweier Folgen der Serie "Dark Angel" - bis er nun mit "The 4400" seine eigene Serie mitproduziert.

"Star Trek", wohin man schaut

Doch Paramount und René Echevarria sind nicht die einzigen Bindeglieder zum "Star Trek"-Franchise - mit Ira Steven Behr steht als ausführender Produzent ein weiterer ehemaliger "Star Trek"-Verantwortlicher an herausgehobener Position bei "The 4400". Behrs Karriere bei "Star Trek" ähnelt der Echevarrias - auch er war Autor einiger Episoden von "Star Trek: The Next Generation" und stieg dann bei "Star Trek: Deep Space Nine" zu einem der wichtigsten Autoren und zum ausführenden Produzenten auf. Auf sein Konto gehen unter Anderem die Episoden 4x01/02 (The Way Of The Warrior/Die Wege des Kriegers) und das Serienfinale. Wie Echevarria verließ er nach "Deep Space Nine" den "Star Trek"-Tanker. Und wie dieser zeigt er nun bei "The 4400", zu was zu leisten er im Stande ist.
Wer nun meint, sich beim Namen Ira Steven Behr an Kritik an der Serie "Star Trek: Enterprise" zu erinnern, der liegt richtig - er hat nach eigenen Angaben gegenüber Rick Berman und Brannon Braga auch Verbesserungsvorschläge gemacht, die aber nicht umgesetzt wurden.

Doch auch mit Ira Steven Behr ist der Bezug von "The 4400" zu "Star Trek" nicht zu Ende, denn wenn man einen Blick auf die Gastdarsteller wirft, so findet man dort unter anderem die Namen Jeffrey Combs (ST DS9: Weyoun, Brunt; ST ENT: Shran) und Robert Picardo (ST VOY: Holodoc) - kein Wunder, dass ein weiterer Spitzname der Serie "Trek Alumni" ist.

Prämisse der Serie

Ein Komet schien auf die USA in der Nähe von Seattle zuzurasen - dachte man zumindest, bis der angebliche Komet seine Geschwindigkeit reduzierte. Es stellte sich heraus, dass es eine geheimnisvolle Lichtkugel war, die da schnell auf die Erde kam und genauso schnell wieder verschwand, allerdings nicht, ohne etwas - oder besser: jemanden - zurückzulassen: 4400 Menschen, die in den knapp 60 Jahren zuvor auf unerklärliche Weise verschwunden waren, sind auf einen Schlag auf der Erde zurück, ohne auch nur einen Tag gealtert zu sein.

Da die Serie in der Jetztzeit spielt, also in den USA nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, ergibt sich daraus unter anderem die Problemstellung, dass "Homeland Security" für die Rückkehrer zuständig ist. Diese entscheidet sich - wenig überraschend - zunächst dazu, sie ausnahmslos in einem Hochsicherheitstrakt zu internieren. Immer wieder im Verlaufe der Serie zeigt sich, dass auch innerhalb von "Homeland Security" verschiedene Meinungen darüber existieren, wie man mit den Rückkehrern umgehen sollte, zumal viele der Rückkehrer über besondere Fähigkeiten zu verfügen scheinen. Wie die "Berliner Zeitung" dabei auf die Idee kommen konnte, "The 4400" mache "Sympathiewerbung für Homeland Security", ist aus der Serie selbst nicht erkennbar - es wird lediglich ein realistisches Bild der Zustände (und Zuständigkeiten) in den USA dieser Tage gezeichnet.

Dass dabei zwei Agenten, die bei "Homeland Security" arbeiten und die Hauptcharaktere der Serie sind, durchaus im Großen und Ganzen sympathisch gezeigt werden, ist logisch - aber selbst der schärfste Kritiker dieser Einrichtung sollte in der Lage sein, sich vorzustellen, dass in dieser Behörde nicht ausschließlich unsympathische Menschen arbeiten - "Homeland Security" als solches jedenfalls wird zu keiner Zeit in einem besonders glorreichen oder sympathischen Licht gezeigt.

Von der Miniserie zur Serie

"The 4400" war ursprünglich als fünfteilige Miniserie geplant. Durchschnittlich 6,2 Mio. Zuschauer sowie drei Emmy- Nominierungen sorgten jedoch dafür, dass eine zweite, auf 13 Folgen erweiterte Staffel geordert wurde, die Ende August zu Ende ging und konstant über vier Millionen Zuschauer anziehen konnte - für einen Kabelsender wie das USA Network, das von der Reichweite auf Augenhöhe mit dem US-SciFi-Channel liegt, ein riesiger Erfolg. Auch wenn man berücksichtigen muss, dass die Serie in den USA nur in den Sommermonaten läuft, wenn alle "großen" Sender ihre Sendungen in eine Pause schicken (also parallel zur "Summer Season" auf dem SciFi-Channel), ist dieser Erfolg bemerkenswert, denn damit war die Serie die meistgesehene fiktionale Show im Kabel in der wichtigen Gruppe der 18-49-Jährigen. Nicht unbedingt verwunderlich, dass mittlerweile eine dritte Staffel bestellt ist.

Bedenken mancher Leute, die meinten, das große Mysterium sei zum Ende der ersten Staffel doch bereits aufgelöst und es könnte nur lahmer weiter gehen, begegnet Behr mit erstaunlicher Ehrlichkeit - und mindestens so großem Selbstbewusstsein: "Bis zum heutigen Tag denke ich, dass [die Verlängerung] ein Fehler war. Aber wir haben ihn gut gelöst. (...) Egal, wie man es dreht und wendet und wie man die Geschichte interessant weiterspinnt, es gibt immer noch das Gefühl 'wir wissen doch die große Sache, werdet ihr jemals mit einer größeren Sache daher kommen können?' (...) Natürlich können wir das." Im gleichen Interview erwähnt Behr im Übrigen auch, dass die Serie von ihrer Komplexität mehr und mehr "Deep Space Nine" ähnle - mittlerweile mehr, als er das jemals für möglich gehalten habe.

Fazit

Abgesehen von der Frage, ob es eine glückliche Entscheidung war, die zwar seltene, aber doch gebräuchliche (weil kürzere) Aussprache "fourty-four-hundred" im Deutschen wörtlich durch "vierundvierzig-hundert" zu ersetzen, ist diese Serie auch in der deutschen Fassung, die derzeit in der zweiten Staffel auf Premiere 4 zu sehen ist und noch in dieser Fernsehsaison auf ProSieben anlaufen soll, ein Gewinn für die Fernsehlandschaft ebenso wie für das Genrefernsehen, man könnte also sagen: Es gibt 4400 gute Gründe, sich die Serie anzusehen.