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Was hat "24", was andere Serien nicht haben?


von Sebastian Feiler

Diese Frage lässt sich gar nicht so leicht beantworten. Man weiß nur sehr schnell: Da ist etwas. Etwas, das einen fast schon dazu zwingt, wieder einzuschalten. Etwas, was einen zwischen zwei Episoden über das Gesehene nachdenken lässt. Ungewöhnlich stark fühlt man sich in die Handlung eingebunden - man ist quasi hautnah dabei. Und ungewöhnlich selten ertappt man sich dabei, dass man der Handlung nicht mehr aufmerksam folgt. Irgend etwas Fesselndes hat diese Serie an sich, das Rezept scheint bis ins letzte verfeinert und ausgewogen.

Da wäre zum einen die tickende Uhr, die einen Episode für Episode begleitet - oder, sollte man sagen: Verfolgt? Die Autoren setzen die Zeit bei "24" geschickt ein. Zu Beginn weist ein nüchterner Sprecher den Zuschauer darauf hin, dass "Ereignisse in Echtzeit" auftreten. Dann eröffnet sich die Haupthandlung, es wird klar, dass Jack Bauer nur 24 Stunden Zeit hat, um Einiges wieder gerade zu biegen. Es wird deutlich, dass ihn mehrere Probleme beschäftigen werden, dass ihn die Lösung eines Problems vielleicht sogar bei der Arbeit am anderen Problem hindern wird, und dass es alles andere als ein normaler Tag für Jack werden wird - auch wenn Jacks "normale Tage" eigentlich schon aufregend genug sind.

Von da an erscheint einem die Digitaluhr, die von den Machern ab und an eingeblendet wird, wie eine Bedrohung: Der Bildschirm wird schwarz, und ein paar Sekunden lang wird einem die tickende Uhr vor die Nase geworfen, obwohl man doch eigentlich viel lieber den Darstellern weiter auf ihrem Weg folgen möchte. Der Zähler erinnert den Zuschauer immer wieder unaufhörlich daran, dass Jack Bauer nur noch wenige Stunden hat, um die Masse seiner Probleme zu ordnen. Zeit spielt in dieser Serie also eine wesentliche Rolle, und Joel Surnow und sein Team schaffen es, diesen Zeitdruck auf den Zuschauer zu übertragen, Minute um Minute, Stunde um Stunde. Dadurch bleibt er an die Handlung gefesselt, hat weniger das Gefühl, langatmige oder gar langweilige Passagen in einer Episode zu erleben - obwohl es die natürlich auch gibt.

Dass die Serie in 24 Stunden spielt, also gerade mal den Zeitraum eines Tages abdeckt, ist ebenfalls etwas besonderes. In vielen Serien, beispielsweise "Akte X", wird der Zuschauer kaum mit realen (Zeit-)Daten konfrontiert. Große Storybögen sind oft nur in vage zeitliche Räume eingeordnet, werden weniger greifbar. Dass spannende Handlungen auch in 24 Stunden untergebracht werden können, zeigt diese Serie. Und irgendwie erscheinen die Abläufe dadurch auch realistischer. Natürlich ist ein solches Sendekonzept mit einem nicht unerheblichen Mehraufwand verbunden: Eine Story, die so sehr auf Zeit und Zeiträume setzt, muss gerade in diesem Punkt auch realistisch sein. Bei "Star Trek" fragt sich niemand, ob es möglich ist, dass die Enterprise in zwei Stunden eine gewisse Entfernung zurückliegt - im realitätsnahen Umfeld von "24" muss hingegen jedes Detail stimmen, dürfen Charaktere nicht nach einer Minute am anderen Ende der Stadt auftauchen. Mit dieser Problematik gehen die "24"-Macher jedoch souverän um - ein weiterer Pluspunkt, der die Serie zu etwas ganz besonderem macht.

Und dann sind da noch die verschiedenen Handlungsstränge. Jack hat persönliche Probleme, Jack muss den Präsidenten retten, der Präsident wiederum hat auch eine persönliche Seite, es gibt persönliche Dinge, die zwischen Jack und seinen Mitarbeitern auftauchen, Jacks Tochter Kim erlebt auch Abenteuer... - hält man sich all diese Grundzüge der Serie vor Augen, erscheint sie schon fast überladen. Man bekommt den Eindruck, als könne man über eine so lange Zeit - immerhin 24 Wochen! - die einzelnen Erzählstränge doch gar nicht im Auge behalten. Doch, kann man. Denn die Art, wie die einzelnen Geschichten erzählt werden, ist ebenso raffiniert wie ausgefallen: Die unterschiedlichen Stories sind derart ineinander verwoben, dass kein Erzählstrang lange links liegen gelassen wird - alles wird konstant weitererzählt, und somit verliert der Zuschauer niemals die Bindung an die Story oder die Charaktere. Dabei bedienen sich die Produzenten auch einem technischen Gimmick: Über Split-Screens wird dem Zuschauer verdeutlicht, dass simultan mehrere Handlungen gleichzeitig statt finden, und sich auch konstant weiterentwickeln. Das geht so weit, dass zum Teil auch mehrere Audiospuren übereinander gelegt wurden, so dass man für kurze Zeit die Gespräche an mehreren Orten verfolgen kann. Was auf den ersten Blick (bzw. Lauscher) vielleicht störend erscheint, erhöht die Erzähldichte jedoch stark und nervt kein bisschen. Manchmal wünscht man sich, selbst aktiv in die Erzählung eingreifen zu können, um wie beim Formel 1-Pay-TV zu den unterschiedlichen Orten des Geschehens schalten zu können. Damit man in der ersten Episode nicht durch die Masse unterschiedlicher Handlungsstränge förmlich erschlagen wird, führen die Produzenten diese nacheinander ein. Auch das ist sicherlich ein kluger Schachzug.

Die Fülle und Unterschiedlichkeit der Handlungen hat noch einen weiteren Effekt: Das Gesamtbild der Serie erscheint voller, realistischer und farbiger. Jack beschäftigen mehrere Dinge gleichzeitig, ebenso wie die anderen Charaktere. Man hat das Gefühl, dass die Darsteller wie im realen Leben auch auf mehreren "Baustellen" gleichzeitig arbeiten. Das verleiht der Serie einen hohen Grad an Realismus, obwohl die Geschichte an sich - Attentat auf einen Präsidentschaftskandidaten - natürlich nicht alltäglich ist. Der Betrachter bekommt diese dichte Handlung zu sehen, und dazu tickt im Hintergrund unerbärmlich die Uhr - das sind wesentliche Aspekte, die "24" zu einer ganz besonderen Serie machen, einer, die konstant ein hohes, spannendes Niveau behält und dabei noch abwechslungsreich bleibt.

Also - unbedingt einschalten!